Markisen auf dem Balkon anbringen: Was ist erlaubt und was nicht?
Markisen auf dem Balkon anbringen: Was ist erlaubt und was nicht?
Markisen auf dem Balkon anbringen: Was ist erlaubt und was nicht?

Wer zur Miete wohnt und zusätzlich über einen Balkon verfügt, möchte diesen auch nutzen. Im Winter ist es zu kalt auf dem Balkon und im Sommer hält man es ohne Markise auf dem Balkon nicht aus, wenn die Sonne scheint. Somit ist klar, dass viele Mieter gerne an ihren Balkon eine Markise anbringen würden.
Das Problem, welches sich hier ergeben kann, ist die Tatsache, dass der Mieter nicht einfach von selbst, ohne den Vermieter zu fragen, eine Markise anbauen darf und dazu auch noch die Fassade anbohrt.

Der Vermieter wiederum darf diesen Wunsch nach einer Markise auf dem Balkon nicht einfach ignorieren oder gar verweigern, wenn es dafür keinen triftigen Grund gibt. Nachzulesen in einem Urteil des Amtsgerichts München vom 07.06.2013 – 411 C 4836/13. Ein nachvollziehbarer Grund für den Vermieter kann zum Beispiel darin bestehen, dass sich auch ein Sonnenschirm aufstellen lässt. Mit Urteil vom 09.08.2017 - 201 C 62/17 hat das auch das Amtsgericht Köln so entschieden und ist mittlerweile rechtskräftig.

Anspruch des Mieters auf die Anbringung einer Balkon-Markise:
Hierbei handelt es sich auch um den vertragsgemäßen Gebrauch der Mietwohnung mit einem Balkon.
• Ohne triftigen Grund kann dem Mieter die Einrichtung einer Markise nicht versagt werden, da die Markise das Leben in der Mietwohnung angenehmer gestaltet.
• Ein Sonnenschutz auf dem Balkon ist als sozial übliches Verhalten, ein Recht des Mieters im Bereich einer berechtigten Wohnnutzung.
Hierzu das Urteil:
Das Gericht München AZ. 411 C 4836/13 befand es für angemessen, dass der Vermieter seine Zusage zur Anbringung der Markise auf dem Balkon erteilen muss, zumal das Eigentumsrecht in seiner Beeinträchtigung hier nur minimal sei.

Der Anspruch:
Jetzt darf man als Mieter nicht davon ausgehen, dass die Anbringung einer Markise auf dem Balkon immer vom Vermieter gestattet werden muss.
• Je nach Einzelfall können andere Richter das Vermieter-Eigentumsrecht anders auslegen und bewerten.
• Da es sich um einen Eingriff in die Bausubstanz handelt, ist die Zustimmung des Vermieters zur Anbringung einer Markise auf dem Balkon in jedem Fall nötig.
• Verweigert der Vermieter die Zustimmung zur Anbringung einer Balkon-Markise, sollte sich der Mieter rechtlich beraten lassen, bevor es am Ende noch zu einer Wohnungskündigung kommt.
Vorausgegangen war der Wunsch des Mieters für eine Balkon-Markise.

In diesem Fall lehnte der Vermieter die Anbringung ab, obwohl es sich hier um einen nach Süden ausgerichteten Balkon handelt. Der Vermieter sah die Anbringung nicht als relevant an, da der Balkon von dem darüber liegenden Balkon komplett überdacht ist und wenn überhaupt könnte hier ein Sonnenschirm noch zusätzlichen Schatten spenden.

Eine weitere Gefahr sah der Vermieter darin, dass es bei den Nachbarn Nachzügler gibt, die sich dann auch eine Balkon-Markise anbauen möchten. Verwendet dann jeder Mieter ein anderes Stoffdesign, würde das Erscheinungsbild der Fassade gestört sein.

Dieses Argument ließe sich in den Griff bekommen, wenn alle Mieter einheitlich den gleichen Stoff für ihre Markise wählen. Leider fangen damit häufig die Probleme an, weil sich die meisten nicht einig sind oder gar eine Markise ablehnen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich noch, für die Anbringung einer Markise auf dem Balkon?

In besten Fall befindet sich darüber ein weiterer Balkon, dadurch ergibt sich die Möglichkeit zur Anbringung einer Stand- oder Klemm-Markise. Derartige Klemm-Markisen gibt es in unterschiedlichen Breiten. In der Regel beträgt der Tuchausfall 150 Zentimeter. Bei der Klemm-Markise handelt es sich um eine komplette Einheit.

Der Aufbau:
Rechts und links befindet sich eine Stange, jeweils mit oben und unten einem runden Metallfuß. In der Stange ist ein Gewinde, dadurch lassen sich die Stangen auf das gewünschte Maß vorbereiten. Jetzt wird die Stange rechts und links lose mit dem Boden und Decke verbunden, die Markise mit Tuch eingehängt und beide Seiten mittels Gewinde fest mit Boden und Decke verbunden, ohne je eine Schraube zu benutzen.
An den Stangen befindet sich links und rechts je ein ausfahrbarer Markisen arm, mit dem das Markisen-Tuch dann ausgefahren wird, entweder per Seil oder Kurbel und so dem Balkon ausreichend Schatten spendet.

Egal welcher Sonnenschutz aber letztendlich angebracht wird und welche Variante gewählt wird: Eine Absicherung sollte in jeden Fall vorher getroffen werden. Gegebenenfalls auch schriftlich. Damit ist man auf der sicheren Seite.
Hat man eine gemeinsame Lösung, so können viele Sicht- und Sonnenschutz-Profis die nötige Unterstützung bei der Wahl des richtigen Sonnenschutz-Produktes geben und individuell beraten.

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