Nachruf: Der unbekannte Robin Gibb
Nachruf: Der unbekannte Robin Gibb
Nachruf: Der unbekannte Robin Gibb

Robin Gibb starb am 20. Mai 2012 in London. Er war ein Vollblutmusiker, der seit seiner Kindheit in Bands spielte und selbst komponierte. Neben den bekannten Erfolgen gab es im Leben von Robin Gibb jedoch auch einige kuriose Wandlungen - etwa als Bill Gates die Bee Gees erfand, Robin durch seine Schwester ersetzt wurde oder die Bee Gees als Beatles auftraten.

Bill Gates erfindet die Bee Gees

Es war natürlich nicht der Computer-Milliardär gleichen Namens, sondern ein Discjockey im australischen Brisbane, der von einem Promoter namens Bill Goode auf die Band aufmerksam gemacht wurde. Und so nannte er die Gruppe, die zuvor unter dem Namen „Wee Johnny Hayes & the Blue Cats" aufgetreten war, nach seinen eigenen Initialen der Initialen des Entdecker die „Bee Gees". Der Name blieb und zierte so auch die erste Veröffentlichung der Gruppe im Jahr 1963.

Im Laufe der 1960er-Jahre erzielte die Band schließlich auch außerhalb von Australien Hits, wie 1967 „Massachusetts", das in Deutschland, England und Österreich auf Platz Eins stieg. Mit der Zeit schwandt jedoch der Rückhalt in der Presse und die Musik der „braven" Bee Gees galt im Vergleich zu den progressiven Beatles und Rolling Stones als kitschig.

Robin wird durch seine Schwester ersetzt

1969 brachen die Bee Gees auseinander. Als größere Erfolge ausblieben, zerstritt sich die Band und Robin erklärte seinen Austritt . Dummerweise hatten die Bee Gees noch einen Auftritt im englischen Fernsehen zu absolvieren, weshalb man kurzerhand Lesley, die Schwester von Robin, als Sängerin verpflichtete. Lesley ließ sich zwar überreden, obwohl sie kurz zuvor von Zwillingen entbunden wurde, doch ihr Engagement blieb ein einmaliges Ereignis.

Robin selbst war auch solo erfolgreich mit seinem Hit „Saved by the Bell". Zu Beginn der 1970er-Jahre stieg er aber wieder bei den Bee Gees ein, die fortan aus ihm und seinem Zwillingsbruder Maurice und ihrem gemeinsamen Bruder Barry bestand. Im Stil der Zeit begann man auch mit den aktuellen Disco-Sound zu experimentieren und erreichte mit dem Titel „Jive Talkin" einen Hit, der an die Erfolge in den 1960er-Jahre anschloss.

John Travolta tanzt zu Stevie Wonder

Der größte Erfolg der Bee Gees wurde der Soundtrack zu dem Disco-Spielfilm „Saturday Night Fever". In dem Film stolziert Hauptdarsteller John Travolta zum Disco-Rhythmus über den Gehsteig und vollführt auf der Tanzfläche eine Wahnsinnsshow. Doch während der Dreharbeiten waren die Bee Gees noch gar nicht mit an Bord und John Travolta tanzte ursprünglich zur Musik von Stevie Wonder und anderen Musikern, die später nicht auf dem Soundtrack zu hören waren.

Auf dem Soundtrack vertreten waren  auch die beiden Singles „Night Fever" und „Staying Alive", die in den US-Charts gleichzeitig die ersten beiden Plätze belegten. Ein Kunststück, das vor den Bee Gees nur den Beatles gelungen war.

Die Bee Gees als Beatles

Gegen Ende der 1970er-Jahre waren die Bee Gees so präsent in der Musikszene, dass einzelne Radiosender damit Werbung machten, dass sie das ganze Wochenende keine Lieder der Band spielen würden. Die Bee Gees selbst sahen nun die Zeit gekommen, um auch selbst vor der Kamera zu stehen. Der Film „Sergeant Pepper´s Lonely Heartsclub Band" um Lieder der Beatles kam 1978 in die Kinos.

Das Projekt, das als „Vom Winde verweht" der 1970er-Jahre erwartet wurde, scheiterte grandios. Die Gibb-Brüder spielen darin die Titelgebende Band. Mehr kann man über den Film kaum sagen, außer vielleicht dass darin auch Aerosmith und Alice Cooper an der Seite der Bee Gees zu sehen sind.

Mit Robin Gibb starb ein Künstler, der die Musikszene nachhaltend geprägt hat. Seine Erfolge sind weltbekannt. Seine unbekannten Seiten ergänzen dabei das Bild eines einmaligen Musikers.

(Bild: AVRO unter CC-BY-SA-3.0)

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