Unterwegs

Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe
Ist der auch schon Motorrad gefahren?????? Heutzutage heißt es ja: Der Weg ist das Ziel
Oder wie Tucholsky es formulierte: Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.

Drei Dinge faszinieren mich am Motorrad fahren – unterwegs zu sein, mit wildfremden Menschen Kontakt zu bekommen und die Power zu spüren, die ein 105 PS starkes Bike hat.

Mein Mann und ich sind relativ spät zum Motorradfahren gekommen, praktisch mitten in der Midlife-Crisis und da kam dieses neue, gemeinsame Hobby wie gepfiffen. Statt nun vor dem Puschenkino abzuhängen, machten wir uns auf die Gummipuschen und drehten spontan noch mal ne Runde, auch um auf Gleichgesinnte zu treffen.
Urlaube wurden zu Abenteuerreisen – ungefähre Route auf möglichst kleinen Nebenstraßen und ohne Buchung einer Unterkunft, so dass wir abends nie wussten, wo und wie wir landen würden.
Da erlebt man natürlich auch dolle Dinger von super bis gruselig!
Und frau lernt, sich mit wenig Gepäck zu begnügen, hinten eine wetterfeste Rolle und vorne der Tankrucksack, das musste reichen. Und es geht auch. Ich finde diese Koffer hinten rechts und links grässlich, verschandeln die ganze Optik.
In Schweden gab es allerdings ein ungeahntes Problem. Wir waren in einem Porzellan-Outlet und ich konnte mich gar nicht mehr einkriegen. Die Frage meines Liebsten, wohin mit dem ganzen Zeug auf dem Motorrad wischte ich beiseite, irgendwie zwischen den Klamotten. An der Kasse erhielten wir allerdings ein kompaktes, braunes Paket, das wir vor dem Zoll nicht öffnen sollten.
Zähneknirschend packte er das Ungetüm auf seinen Tankrucksack und verlor die Sicht auf die Instrumente.....
Das Zollbüro an der Grenze war nicht einfach zu finden und es zog sich und ein Ehegewitter zog auch auf. Endlich konnten wir das Ding auseinandernehmen und die Teile einzeln verstauen. Jahre später landeten sie dann erst im Gartenhäuschen und dann auf dem Flohmarkt. So oft brauchen wir Geschirr mit Fischen verziert dann doch nicht.

Viele Begebenheiten wären mir nie passiert, wäre ich als „Blechdosenfahrerin“ unterwegs gewesen.
Man wird ja an seiner äußeren Erscheinung auch gleich erkannt und wahrgenommen.
Z. B. Schlange an der Tankstelle an der AB, vor mir werden Autofahrer wortlos abgefertigt. Als ich dran bin, guckt der Kassierer hoch und meint: „Hallo! Na – nicht zu heiß heute? Gute Fahrt!“
Oder die weißhaarigen Damen, die mich in Burg auf Fehmarn beim Absteigen umzingelten und gestanden, dass sie in ihrer Jugend Motorradbraut waren. Sie kamen dabei richtig ins Schwärmen.
Kurz nach der Wende waren wir mal wieder on tour in der Eifel. Auf dem Rastplatz fragte uns ein Rentner, ob wir aus Ostdeutschland sind. Unser Kennzeichen lautet OD – XX XXX......
Auch im Cafe oder Restaurant sind wir nicht lange unter uns, es entwickeln sich Gespräche, manche setzen sich auch an unseren Tisch und man staunt ja immer wieder, wer so alles an dem Thema interessiert ist. Da mutieren biedere Familienväter in Erinnerungen schwelgend zu wilden Kurvenräubern.

Und mich als Frau reizte es auch, diese Maschine, wenn auch nicht zu beherrschen, so doch in den Griff zu kriegen mit allem nötigen Respekt. Ich musste auch einige Ängste überwinden, mit 42 ist frau eben nicht mehr so unbedarft. Aber ich habe 20 Jahre lang sehr viel Spaß gehabt und viel erlebt und außer zwei kleineren Unfällen auch alles heil überstanden, auch das Kurventraining auf der Nordschleife (Nürburgring) und die Rennstrecke in Oschersleben, wo ich mit 57 noch „hanging off“ gelernt habe.
Vor 2 Jahren habe ich mein Motorrad an einen Freund verkauft mit der Option, sie mir jederzeit ausleihen zu können, aber ich merke, dieser Lebensabschnitt ist vorbei und das ist auch in Ordnung.

1 Kommentar

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wize.life-Nutzer
Alle Achtung Renate. Als ich 18 war kaufte ich mir eine Lambretta, ein Motorroller mit einem richtigen Motorrad nicht zu vergleichen. Aber die Begeisterung und das Gefühl von Freiheit war wahrscheinlich das gleiche. Dann kamen die Kinder und das Auto und die Vernunft. Eigentlich SCHADE
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