Online-Handel: 20 Millionen Retouren landen auf dem Müll - aus diesem Grund

Nie zuvor wurde in Deutschland die Nachhaltigkeitsdebatte so geführt wie aktuell. Da passt es nicht ins Bild, dass der Online- und Versandhandel in Deutschland pro Jahr rund 20 Millionen zurückgesandte Waren entsorgt. Das entspricht in etwa vier Prozent der Retouren.

"Eine Entsorgung ist oftmals alternativlos", so Studienleiter Dr. Björn Asdecker. Demnach sei bei gut zehn Millionen der entsorgten Artikel eine Wiederaufbereitung nicht möglich, weil sie beispielsweise defekt seien.

Rund 20 Millionen Rücksendungen werden pro Jahr entsorgt.
Rund 20 Millionen Rücksendungen werden pro Jahr entsorgt.Foto-Quelle: Pixabay

Asdecker und sein Team befragten 139 deutsche Online- und Multi-Channel-Händler, die ihre Ware auch im Internet vertreiben. Es stellte sich heraus: In vielen Fällen sind die Händler sogar gezwungen, intakte Ware zu vernichten, weil es Marken- und Patentinhaber so vorgeben.

"Da sich diese Artikel meist in einem sehr guten Zustand befinden, handelt es sich hierbei um eine offensichtliche Ressourcenverschwendung", so Asdecker weiter.

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Spenden teurer als entsorgen

Knapp 40 Prozent der vernichteten Retouren könnten theoretisch gespendet werden. Aus steuerlichen Gründen wird das aktuell aber nicht so gehandhabt. Denn die zu bezahlende Umsatzsteuer übersteige die Entsorgungskosten.

Für kleine Händler ist es zudem zu aufwendig, eine geeignete Spendenorganisation zu finden. Die Händler bräuchte laut Asdecker Informationen darüber, "wer Sachspenden in kleinen Stückzahlen annimmt".

Experte fordert Anreize für Nachhaltigkeit

Retouren zu entsorgen ist dazu sehr viel billiger als die Wiederaufbereitung. So belaufen sich die Kosten auf 0,85 Euro pro Artikel.

Asdecker beklagt auch die fehlende Transparenz für den Endverbraucher. Die Kunden könnten nicht nachvollziehen, was mit ihren Rücksendungen geschehe. "Um Händler zu motivieren, sich aktiv für mehr Transparenz und eine geringe Entsorgungsquote einzusetzen, sind Anreize nötig." Eine Möglichkeit wäre beispielsweise ein Retouren-Nachhaltigkeits-Siegel.

Retourenvernichtung in Frankreich verboten

Ein Retourenvernichtungsverbot wie in Frankreich, lehnt der Studienleiter ebenso ab wie die befragten Händler. Ein solches Verbot sei zu leicht zu umgehen, eine Kontrolle sei mit "unverhältnismäßig großem Aufwand verbunden".

Die Politik müsse stattdessen vorhandene Entsorgungsanreize und Spendenhemmnisse abbauen.

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8 Kommentare

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wize.life-Nutzer
und davon sind ein grosser Teil Spielzeuge die sich Kinder wuenschten die heute Klima Aktivisten sind und dessen Kindheit wir gestohlen haben
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wize.life-Nutzer
diese Sch..... Werbung stetig u. man kann sich nicht dagegen wehren (trotz Verbote am Briefkasten oder Haustür....)
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wize.life-Nutzer
Das freut mich .. Da ist doch alles in Ordnung in Deutschland ........
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wize.life-Nutzer
Mir ist das mittlerweile auf Deutsch gesagt SCHEIßEGAL.
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wize.life-Nutzer
Am Ende interessiert es niemanden, da alle Kunden diesen Schwachsinn mitbezahlen.
wize.life-Nutzer
In jeder Stadt gibt es kleine Geschäfte die leer stehen. Die früheren Versandhäuser wie Quelle und Neckermann hatten auch ihre Restposten und Rückläufer, die in angemieteten Läden verkauft wurden. In unserer Stadt gab es diverse Verkaufsstellen, die gute Umsätze hatten.
wize.life-Nutzer
Früher wurden die ganzen Restposten aufgekauft. Kann ja nicht sein wenn ein iPhone zurückgeschickt wird, dass es für weniger Geld fast ungebraucht in der Grabbbelkiste bei der Postenbörse landet. Dann lieber gleich auf den Müll. Aber die leer stehenden Geschäfte haben ja auch Vorteile. Es spart Heizkosten und Personal. Kann man vielleicht in sozialen Wohnraum umwandeln
wize.life-Nutzer
Im Osten gibt es genug leere Ladenstraßen. Den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als über den Versandhandel die benötigten Waren zu bestellen. Dort kann man nicht mal schnell shoppen gehen, oder einen Schaufensterbummel machen. An jedem zweiten Haus steht „wer rettet mich. (Nordhäuser Landkreis)
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