Studie zu Altersarmut: Pflege von Angehörigen erhöht das Armutsrisiko von Frauen

Vor allem Frauen sind von Altersarmut betroffen. Ein Grund dafür ist, dass vor allem Frauen die Pflege von Angehörigen übernehmen und beruflich kürzer treten. Die Folge ist eine geringere Rente. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Gutachten.

Um dem entgegen zu wirken, fordert der Sozialverband Deutschland einen finanziellen Ausgleich für diejenigen, die sich zuhause um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern.

Kommt es zu einem Pflegefall in der Familie, sind es zu 70 Prozent Frauen, d ...
Kommt es zu einem Pflegefall in der Familie, sind es zu 70 Prozent Frauen, die die Pflege übernehmenFoto-Quelle: Robert Kneschke/Fotolia

Frauen sind besonders häufig von Altersarmut betroffen. Das liegt nach Ansicht des Sozialverbands Deutschland (SoVD) unter anderem auch daran, dass viele Frauen Angehörige pflegen oder zugunsten der Familie beruflich kürzertreten.

Das geht aus einem Gutachten hervor, das der SoVD am Mittwoch (30. Oktober 2019) vorgestellt hat. Demnach erhöht die mangelnde finanzielle Anerkennung häuslicher Arbeit das Altersarmut-Risiko von Frauen.

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"Altersarmut ist auch wegen häuslicher Pflege weiblich", schreiben die Wissenschaftler.

Millionen Menschen pflegen Angehörige

Dies belegen demnach diese Zahlen: Gibt es einen Pflegefall in der Familie, dann seien es in 70 Prozent der Fälle Frauen, die die Pflege übernehmen und "unbezahlte Sorgearbeit" übernehmen, wie es die Forscher formulieren.

Die Zahl pflegender Angehöriger in Deutschland schätzen sie auf 3 bis 5 Millionen.

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Im Schnitt leisten sie dabei soviel Arbeit wie andere in einem Teilzeitjob - allerdings ohne dafür Lohn zu erhalten. "Sie pflegen durchschnittlich 21 Stunden pro Woche unbezahlt", so die Forscher.

Leistung entspricht 3,2 Millionen Arbeitsplätzen

Rechne man sämtliche familiäre Pflegeleistungen deutschlandweit zusammen, entspreche dies der Leistung von 3,2 Millionen Arbeitsplätzen und einer Wertschöpfung von jährlich 44 Milliarden Euro.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen schätzt das Gutachten auf rund 5,4 Millionen Menschen - und damit weit mehr als die statistisch erfassten 3,4 Millionen. Die Forscher gehen von einer großen Dunkelziffer aus, denn nicht jeder Fall werde statistisch erfasst.

Widmen sich Frauen um die Pflege eines Angehörigen, ziehen viele von ihnen sich dem Gutachten zufolge vollständig aus dem Berufsleben zurück.

Weitreichende Folgen für Alterseinkommen

Rund Zweidrittel (65 %) derjenigen, die einen zuhause einen Angehörigen pflegen, sind berufstätig. Fast die Hälfte reduziert laut Gutachten die Arbeitszeit, wenn ein Pflegefall in der Familie zu versorgen ist. Und dies umso mehr, je größer der Pflegeaufwand ist.

Die Erwerbsquote bei pflegenden Angehörigen berechnen die Forscher auf 54 Prozent - bei Nicht-Pflegenden sind dies 76 Prozent.

Dies habe weitreichende Folgen für das Alterseinkommen, so SoVD-Präsident Adolf Bauer: "Aufgrund der unterbrochenen Erwerbsarbeit zahlen sie entweder geringere Beiträge in das Sozialversicherungssystem ein oder sie sind ausschließlich über ihren Partner abgesichert."

Durch die Pflege von Angehörigen haben sie weniger Kapazitäten, ihrem Beruf nachzugehen. Zahlen weniger in die Rentenkassen ein, erhalten weniger Rente und sind dadurch gefährdeter, in Altersarmut zu geraten - so die Logik.

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Häusliche Pflege müsse besser anerkannt werden, fordert der Sozialverband. "Nötig ist insbesondere eine Aufwertung der unbezahlten Sorgearbeit", so Bauer. Konkret müsse dies durch einen finanziellen Ausgleich erfolgen.

Zudem sei es wichtig, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern - und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen.

4 Kommentare

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wize.life-Nutzer
https://wize.life/news/kommentar/5db...35c99396766

"Schlimm so was. Sich und sein Leben zu opfern."

Das ist eine DER Aussagen, über die ich nur immer wieder den Kopf schütteln kann >> explizit im Zusammenhang mit eigenen Angehörigen >>> MENSCHEN !!!

Sie zeigt mir allerdings >> wie in vielen anderen Lebensbereichen ebenfalls, welchen Stellenwert mittlerweile der EGOISMUS innerhalb unserer Gesellschaft Einzug gehalten hat!

Diesen Menschen, die solche Aussagen treffen, IHNEN wünsche ich NIEMALS
>>> auf die Hilfe ANDERER ... auch Familienangehöriger ... angewiesen sein zu müssen!
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wize.life-Nutzer
Schlimm so was. Sich und sein Leben zu opfern.
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wize.life-Nutzer
Dafür braucht es keine Studie!!! Wer denken kann, weiß es!!
wize.life-Nutzer
Zustimmung!
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