"Welle von Negativzinsen" - Mindestens 211 Banken reichen Kosten weiter

Sparen für die Katz: Erspartes aufs Sparbuch zu bringen lohnt sich angesichts niedriger Zinsen seit Langem nicht mehr. Bei immer mehr Geldinstituten wird Sparen sogar zum Minusgeschäft: Mindestens 211 Banken verlangen inzwischen von Kunden Negativzinsen, 113 Institute auch von Privatkunden.

Negativzinsen: Immer mehr Banken wälzen Kosten auf den Kunden ab
Negativzinsen: Immer mehr Banken wälzen Kosten auf den Kunden abFoto-Quelle: Pixabay

Doch derzeit vergeht fast kein Tag, an dem es nicht eine neue Meldung dazu gibt, schreibt das Verbraucherportal von Horst Biallo, das die Auswertung unter rund 1300 Banken und Sparkassen vorgenommen hat.

Zahl hat sich vervierfacht

Zum Vergleich: Im Juli 2019 waren es nach einer "biallo.de"-Auswertung noch 30 Geldhäuser, die hohe Einlagen auf privaten Giro- und Tagesgeldkonten mit Negativzinsen bestraften. Somit hat sich die Zahl binnen acht Monaten fast vervierfacht.

Ausschlaggebend für die Entwicklung ist der 16. September 2019: Damals hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zum letzten Mal den Einlagezins gesenkt.

Immer mehr Banken geben Kosten weiter

Seitdem zahlen Geldhäuser auf ihre Einlagen bei der EZB 0,5 Prozent Strafzinsen – und immer mehr entschließen sich dazu, diesen Strafzins an ihre Kunden weiterzugeben. Mit Spannung wird daher erwartet, welche Entscheidung EZB-Chefin Christine Lagarde am heutigen Donnerstag zum Leitzins fällt.

"Verwahrentgelt" wird häufig ab 5000 Euro fällig

Dabei vermeiden die Banken und Sparkassen meist den Begriff "Negativzins", sie sprechen lieber vom sogenannten Verwahrentgelt. Dabei gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Strafzinsen ab dem ersten Euro sind noch die Ausnahme.

Überregionale Banken langen zu

Zu den überregionalen Banken, die inzwischen Negativzinsen erheben, zählen Comdirect, Commerzbank, DAB BNP Paribas, Deutsche Bank, GLS Bank HypoVereinsbank und die Sparda-Bank Berlin - weitere Institute finden Sie hier.

Konditionen variieren

Für welche Konten und ab welcher Höhe Negativzinsen erhoben werden, ist dabei sehr unterschiedlich: mal ab Summen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto, mal nach individueller Vereinbarung oder für Guthaben auf dem Verrechnungskonto.

Besonders viele Banken in NRW lassen blechen

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung, die die Details der Untersuchung vorliegen hat, geben vor allem regionale Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen Strafzinsen an Privatkunden weiter. Am häufigsten trifft es demnach Bankkunden in Nordrhein-Westfalen (42 Institute), Bayern (39) und Baden-Württemberg (36). Platz vier und fünf nehmen Niedersachsen (16) und Rheinland-Pfalz (15) ein.

Zunehmend treffen Minuszinsen durchschnittliche Sparer

Lange Zeit waren ausschließlich Bankkunden mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto betroffen. "Doch diese Bastion ist gefallen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox.

Sein Vergleichsportal hatte Anfang März rund 800 Banken mit Negativzins ausfindig gemacht. "Eine Welle von Negativzinsen rollt übers Land", sagte er damals. Und: "Aktuell räumen zehn Banken ihren Kunden weniger als 100.000 Euro Freibetrag auf dem Tagesgeldkonto ein - zwei davon erheben den Negativzins auf das gesamte Guthaben."

Banken brauchen Einverständnis des Kunden - eigentlich

Führen Banken Minuszinsen ein, gelten diese zunächst nur für neue Kunden. Wenn ein Geldinstitut auch von Bestandskunden eine Strafgebühr auf Guthaben erheben will, muss es dies individuell vereinbaren.

"Biallo.de" bezeichnet diese Regelung allerdings als "Makulatur". Eine Verweigerung könne jedoch folgenreich sein, schreibt er und führt das Beispiel der Sparkasse Freising an: Die hatte einem langjährigen Kunden zum Jahreswechsel mit dem Rauswurf gedroht, weil er sich weigerte, eine entsprechende Vereinbarung über die Einführung von Negativzinsen zu unterschreiben. Der Kunde wechselte daraufhin die Bank.

31 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Kündigt die Sparkonten und alles was Strafzinsen bring auf und die Banken kriegen Schnappatmung. Die brauchen jeden Cent um zu existieren. Ohne Sparer oder Anleger läuft nichts.
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wize.life-Nutzer
Sparen.....wofür?
Ich gebe jeden Taler aus und lass es mir gut gehen.
Soweit es meine fürstliche Rente zulässt......grins........
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wize.life-Nutzer
Es erschließt sich mir nicht, warum die Deutschen immer noch nicht in Aktien anlegen. Mache ich seit ca. 30 Jahren. Trotz einiger Rückschläge hat sich die Summe inzwischen vervierfacht.
wize.life-Nutzer
Weil dieser Scheiss meine Altersvorsorge ruiniert hat und nicht nur meine.., die meinef Eltern, Schwester und vielen Freunden.. Aktien ist nix zur Altersvorsorge..
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wize.life-Nutzer
Wenn nicht mehr gespart wird, liegen dem Staat noch mehr auf der "Tasche".
Andererseits werden immer mehr Bankfilialen geschlossen. Ich frage mich,
wo führt das alles noch hin?
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wize.life-Nutzer
Drittel Immobilien, Drittel Wertmetalle, wie Gold und Silber, das dritte Drittel in Bar abholen und ab im Safe....
Wertmetalle sollten auch nicht im Schließfach in der Bank weilen, denn kommt der Crash, kann erstmal keiner mehr in die Bank und damit nicht an seinem Schließfach.
Geht es ganz bergrunter, so kann der Staat das Gut und Werthaben der Bürger sogar beschlagnahmen...
wize.life-Nutzer
Was, nur Drittel? Ich nehme da Viertel, und auch gleich schon mal 4 davon! Weiß bloß nie, ob mein mittleres Gesindehaus nun zu den Immobilien oder zum Haushalt zählt.
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wize.life-Nutzer
Am besten das Geld in Gold verwandeln. Das übersteht jede Krise. Wer Interesse hat, bitte bei mir melden.
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wize.life-Nutzer
Hallo Leute holt euer Geld von der Bank denn die müssen etwas lernen.
wize.life-Nutzer
Wenn wir unser Geld von der Bank holen, werden Bargeldgeschäfte per Gesetz abgeschafft, also nur noch mit Karte bezahlt. So wird unser Geld wertlos. Wir können unser Geld in Edelmetalle, Immobilien oder Traditionswährungen ($) sichern.
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wize.life-Nutzer
und wie sieht es in Luxemburg aus
wize.life-Nutzer
ich lebe da dort mittlerweile.In Luxemburg geht es noch.Ich muß dabei sagen och bin kein Deutscher belehrender Schlauberger.Im großen und ganzen ist Geld nirgendwo sicher.
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wize.life-Nutzer
Dann wird landsam das Bargeld abgeschafft damit es der Buerger kaum merkt. Dann haben die Banken jedern in der Hand und es gibt kein Schwarzgeld mehr und auch dier Steuerbehoerden bekommen jeden Cent versteuert. Das selbst gegrabene finanzielle Loch ist fertig.
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wize.life-Nutzer
und dann die spenderei auf kosden der kunden
wize.life-Nutzer
Sie meinen die zur Bekämpfung des Ananlphabetismus'?
wize.life-Nutzer
wir hatten doch früher nichts, nicht mal eine ordokrafie und dieses neumodische zeugs, in der guten alten zeit, wo noch das menschliche zählte
wize.life-Nutzer
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