Reise wird storniert: Diese Gefahren birgt die Gutschein-Lösung

Ostern wären viele Menschen weggefahren – doch derzeit geht das nicht. Wann Reisen wieder möglich ist, ist noch offen. Wann gibt es Anspruch auf Erstattung bereits gezahlter Buchungen? Und müssen Gutscheine akzeptiert werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die meisten Flüge sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie gestrichen
Die meisten Flüge sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie gestrichenFoto-Quelle: pixabay

Ohne triftigen Grund darf bis mindestens zum 19. April niemand mehr im In- und Ausland Reisen; das Auswärtige Amt warnt pauschal vor Reisen ins Ausland bis mindestens Ende April. Reisepläne werden daher en masse gestrichen. Was Betroffene wissen sollten.

Welche Rechte habe ich, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?

Bei Pauschalreisen, die wegen des Coronavirus‘ ausfallen müssen, müssen die Veranstalter (mit Sitz innerhalb der EU) das Geld binnen 14 Tagen zurückzahlen. So sieht es die Europäische Pauschalreiserichtlinie (Artikel 12) vor. Unter Pauschalreisen fallen übrigens auch Kreuzfahrten und laut Verbraucherzentralen "Reisebus"-Reisen.

In der Praxis leisten die Anbieter dem nach Beobachtungen von Verbraucherschützern allerdings nur zögerlich folge. Vielfach werden stattdessen Gutscheine angeboten. Und auch die Bundesregierung wirbt inzwischen für eine Gutscheinregelung unter bestimmten Voraussetzungen.

Hintergrund ist, dass angesichts des weltweiten Einbruchs des Reisegeschäfts sofortige Rückzahlungen für Anbieter den Ruin bedeuten können. Nach einem Gutachten, das der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorliegt, beläuft sich der Betrag an Rückzahlungen allein bis Mitte April auf mindestens 3,5 Milliarden Euro. "Es droht ein Zusammenbruch der gesamten Reisebranche", heißt es weiter in dem Papier, das der Deutsche Reiseverband von der Kanzlei Beiten Burkhardt erhalten hat.

Wie sieht die Gutschein-Regelung der Bundesregierung aus?
Nach dem Beschluss der Bundesregierung sollen deshalb Buchenden bei Pandemie-bedingten Absagen von vor dem 08.03.2020 gebuchten Reisen ein Gutschein statt Geld gewährt werden mit folgenden Bedingungen:

  • Einer Insolvenzabsicherung, für die es ggf. eine staatliche Rückversicherung soll.
  • Eine Härtefallklausel für Fälle, in denen für den Buchenden der Gutschein unzumutbar ist.
  • Ist der Gutschein nicht bis zum 31.12.2021 eingelöst, ist der Wert dem Verbraucher zu erstatten.

Gutscheine sollen nicht nur bei Pauschalreisen als Alternative zur Rückzahlung akzeptiert werden, sondern auch bei individuellen Buchungen von Flügen sowie generell bei Freizeitveranstaltungen wie Konzerten und Shows. Anders als bei Pauschalreisen ist bei Flügen und Freizeitveranstaltungen allerdings kein Schutz im Falle einer Insolvenz geplant.

Einige Nachbarländer planen ähnliches. Das letzte Wort hat allerdings die EU. Bislang gilt die Pflicht zur Rückzahlung.

Soll ich mich freiwillig auf eine Gutschein-Lösung einlassen?

Mit der Gutschein-Lösung helfen Sie natürlich dem jeweiligen Unternehmen, sie gewähren ihm sozusagen einen zinslosen Kredit. Die Verbraucherzentrale macht allerdings darauf aufmerksam, dass Sie im Falle der Insolvenz eines Reiseveranstalters keinen Anspruch auf ein Einspringen des Staates haben, sofern diese zu dem Zeitpunkt noch nicht wirksam ist.

Äußerst kritisch sehen die Verbraucherschützer zudem, dass kein staatlicher Schutz geplant ist, wenn eine Airline oder ein Veranstalter pleite geht: Der Verbraucher würde bei der Gutschein-Regelung dann mindestens auf den großen Teil seiner Kosten sitzen bleiben.

Was, wenn der Reiseanbieter auf meine Forderung nach Geld-Rückzahlung nicht eingeht?

Hier heißt es, Zähigkeit beweisen und bei Bedarf individuell Hilfe etwa bei den Verbraucherzentralen zu holen. Die raten zunächst generell zu einer schriftlichen Einforderung der Rückzahlungen. Per Einwurfeinschreiben solle man eine 14-tägige Frist setzen und mit rechtlichen Schritten drohen, wenn diese nicht eingehalten wird, sagte Parsya Baschiri, Reiserechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Bremen, der "Süddeutschen Zeitung". Der Rechtsanwalt Paul Degott präferiert eine Zahlungsklage, um keine Zeit zu verlieren. Dafür muss allerdings bei Gericht ein Kostenvorschuss geleistet werden.

Wann storniere ich künftige Reisen?

Nach Darlegung der Verbraucherzentralen liegt ein triftiger Grund zur kostenfreien Stornierung von Pauschalreisen vor, die bis Ende April (und nach europäischem Recht) gebucht waren – allein schon durch die Warnung des Auswärtigen Amtes.

Bei Reisen nach April heißt es abzuwägen, insbesondere wenn Restzahlungen fällig werden für Reisen, die möglicherweise später Corona-bedingt nicht angetreten werden können. Zahlen Sie diese nicht, laufen Sie Gefahr, ohne Storno Mahnkosten zahlen zu müssen.

Stornieren Sie frühzeitig, müssen Sie die gängigen Stornogebühren zahlen – die möglicherweise wegfallen, wenn Sie abwarten und die Reisebeschränkungen weiterhin gelten (in diesem Fall könnten Sie eventuell die Stornogebühren zurückverlangen, die Rechtslage wäre aber noch zu klären).

Warten Sie ab und die Reise wird vom Veranstalter nicht abgesagt, aber Ihnen ist sie trotzdem zu gefährlich, werden womöglich hohe Stornogebühren fällig aufgrund des kurzfristigen Reiserücktritts.

Zudem ist möglich, dass Sie für künftige Reisen Restzahlungen überweisen – und am Ende schlittert das Unternehmen in die Insolvenz und kann den Leistungen nicht nachkommen, unabhängig von Reisebeschränkungen.

Es gibt keine allgemein gültige Empfehlung, lassen Sie sich im Zweifelsfall individuell etwa von Verbraucherschützern beraten.

Die Reise ist individuell geplant. Muss ich mein Hotel / weitere Leistungen bezahlen?

Ob Mietwagen oder Hotel: Nach Ansicht der Verbraucherzentrale müssen verhinderte Reisende zu Corona-Zeiten keine Restzahlungen begleichen (zunächst bis Ende April). Im Gegenteil: Sie haben Anspruch auf volle Rückerstattung der Kosten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Buchung nach deutschem Recht erfolgte.

Haben Sie direkt im Ausland gebucht, gilt das jeweilige Landesrecht. Ratsam ist es auf jeden Fall, sich möglichst früh bei dem Anbieter vor Ort zu melden – gegebenenfalls werden für beide Seiten praktikable Lösungen gefunden. Wer über Airbnb gebucht hat: Buchungen, die vor dem 14. März für die Zeit bis Ende Mai vorgenommen worden sind, werden gebührenfrei storniert.

Welche Rechte habe ich, wenn mein gebuchter Flug ausfällt?

Fällt wegen der Covid-19-Pandemie ein Flug aus, hat der Betroffene nach den EU-Fluggastrechten die Wahl zwischen

  • Rückerstattung des Geldes
  • eine anderweitige Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt (wobei frühestmöglich ein dehnbarer Begriff ist)
  • eine anderweitige Beförderung zu einem späteren, vom Fluggast definierten Zeitpunkt.

Viele Airlines bieten Gutscheine an, die verhinderte Reisende nicht annehmen müssen.

Voraussetzungen sind, dass es sich um Airlines aus einem EU-Land handelt oder um eine Airline (ggf. auch aus Nicht-EU-Land), die innerhalb des EU-Gebiets in EU-Gebiet oder aus EU-Gebiet fliegt.

Führen Airlines Flüge trotz aller Beschränkungen durch, müssen sie nach Ansicht der Verbraucherzentralen dennoch den Flugpreis erstatten. Nach EU-Recht hängt die Pflicht zur Erstattung bei Annullierung durch den Fluggast von der Art des Flug- bzw. Fahrscheins gemäß den Geschäftsbedingungen des Beförderungsunternehmens ab.

Gelten Hin- und Rückflug unabhängig voneinander?

Sofern sie nicht Teil derselben Buchung sind, werden sie getrennt behandelt. Das heißt, es könnte sein, dass Sie den Hinflug rückerstattet bekommen, den Rückflug je nach Entwicklung der Corona-Pandemie nicht.

Habe ich Anrecht auf Betreuungsleistungen durch die Airline?

Wenn Sie das Ticket-Geld oder einen späteren Zeitpunkt gewählt haben, erlischt das Anrecht, wenn Sie den frühestmöglichen Zeitpunkt der Beförderung gewählt haben, müssen die Fluglinien ggf. Verpflegung und Hotelübernachtung übernehmen.

Habe ich Anspruch auf Entschädigung?

Nein. Nach Auffassung der EU-Kommission entfällt der Anspruch auf Ausgleichsleistungen, da die betreffende Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Dies treffe auch zu, wenn ein Flug ggf. kurzfristig wegen mangelnder Auslastung aufgrund von Covid-19 ausfällt.

Was, wenn sich die Airline querstellt?

Reisende können sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden.

Welche Rechte habe ich als Bahn- und Fernbusfahrer?

Bei Ausfällen haben Betroffene nach den EU-Fluggastrechten ähnlich wie bei Flügen die Wahl auf Fahrpreiserstattung (Gutscheine müssen hier allerdings anerkannt werden), anderweitiger Beförderung zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt oder anderweitiger Beförderung zu einem späteren, selbst definierten Zeitpunkt.

Die Deutsche Bahn zeigt sich darüber hinaus kulant: Kunden, die Karten bis zum 13. März für Reisetage bis zum 30. April gekauft haben, können diese generell ohne Angaben von Gründen flexibel bis zum 30. Juni nutzen. Die Zugbindung ist aufgehoben. Im Falle von Superspar- und Sparpreistickets und Ländertickets im Regionalverkehr gibt es einen drei Jahre geltenden Gutschein. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Der in Deutschland gängigste Fernbus-Anbieter Flixbus hat seit dem 17. März seine Fahrten eingestellt – Ausnahme bildet Polen, hier werden noch polnische Mitbürger nach Hause gebracht. Kunden erhalten Gutscheine.

Hilft mir eine Reisekostenrücktrittsversicherung?

Die Reiserücktrittskostenversicherung springt ein, wenn Sie selbst krank sind oder aufgrund bestimmter Ereignisse (z.B. Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit) nicht wie geplant reisen können. In vielen Policen sind allerdings Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien nicht versichert - und Covid-19 wurde zur Pandemie erklärt. Im Zweifelsfall sollten Sie das Kleingedruckte im Vertrag lesen und ggf. Rat bei Verbraucherschützern suchen.

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