Altersvorsorge in Krisenzeiten: Das rät der Verbraucherschützer

Durch die Corona-Krise sind die Aktienmärkte auf teils mehrjährige Tiefstände gefallen. Das weckt Sorgen bei Anlegern: Ist die Altersvorsorge noch sicher? Niels Nauhauser, Finanzfachmann bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hat sich auf der Plattform "Ihre Vorsorge" der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung dazu geäußert.

Angesichts von Kurseinbrüchen bangen manche um die Altersvorsorge
Angesichts von Kurseinbrüchen bangen manche um die AltersvorsorgeFoto-Quelle: pixabay/Wilfried Pohnke

In dem meisten Fällen rät der Niels Nauhauser davon ab, angesichts fallender Kurse Änderungen bei langfristigen Anlagen vorzunehmen. "Einbrüche an den Börsen gibt es regelmäßig, ob Schwarzer Montag 1987, Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre, 11. September 2001 oder der Bankencrash 2008", sagt er. Auf lange Sicht habe dies der Aktienentwicklung nicht geschadet.

Ein Blick auf unterschiedliche Anlagemöglichkeiten

Private Lebens- und Rentenversicherungen mit Garantiezins: Sie sind Nauhauser zufolge aktuell nicht in Gefahr.
Fondsgebundene Policen: Je nach Fonds sind Kursverluste wahrscheinlich. Hier könne sich ein Blick in die jährliche Standmitteilung lohnen. Ausschlaggebend sollte jedoch nicht die Krise sein - hier lohnt langer Atem. Vielmehr seien diese Produkte oft zu teuer. Durch Fonds ohne Versicherung ließen sich rund zwei Prozent jährlich sparen.
Riesterverträge: Hier könne es unter Umständen sinnvoll sein, Verträge beitragsfrei zu stellen oder zu kündigen und den Anbieter zu wechseln. Hintergrund ist, dass Riesterpolicen laut Gesetz das eingesetzte Kapital inklusive Förderung am Ende der Laufzeit garantieren müssen. Bei fallenden Kursen schichten sie um, meist in Rentenfonds, da hier das Risiko geringer ist. Nach Erholung der Märkte wird die Quote an Aktienfonds wieder erhöht. Das Hin und Her schmälert allerdings die Rendite. "Riester-Fondssparpläne leiden daher besonders unter Börsencrashs", sagt Nauhauser. Ihm zufolge kann es lohnen, auch bei fallenden Kursen in Aktienfonds zu investieren, da der Profit in der Erholungsphase dann umso stärker sei. Eine gewisse Risikobereitschaft ist hier freilich vorausgesetzt.

Was tun, wenn die Auszahlung der Fondspolice ausgerechnet in Zeiten niedriger Kurse ansteht - und diese entsprechend niedriger auszufallen droht? Nauhauser bleiben Anlegern drei Möglichkeiten:

  • Die Laufzeit verlängern – manche Policen böten eine breitere Abrufphase.
  • Sich statt des Beitrags die Fondsanteile auszahlen lassen – so könne man von einer Erholung profitieren.
  • Spielt bei beidem der Versicherer nicht mit, könne die Auszahlungssumme teilweise oder zur Gänze wieder in Aktienfonds angelegt werden. Dies könne auch verbunden mit einem Fondsentnahmeplan erfolgen. So würden Anteile nur allmählich verkauft, um die monatliche Auszahlung zu finanzieren. Ungünstig sei es dagegen meist, in der Krise aus dem Aktienmarkt auszusteigen.

Ausgewogenes Vorsorgeportfolio

Grundsätzlich empfiehlt Nauhauser für die Altersvorsorge die „Buy-and-Hold“-Strategie: kaufen, lange behalten und für sich arbeiten lassen. "Und zwar in breit gestreute passive Indexfonds mit günstigen Verwaltungskosten. Dazu gehören so genannte ETFs auf Indizes wie den MSCI All Country World oder den FTSE All World", erläutert der Verbraucherschützer.

Am ertragreichsten seien breit gestreute Aktienanlagen mit langer Laufzeit – etwa über 30 Jahre. "In einem ausgewogenen Vorsorgeportfolio können aber auch Immobilien, Rentenpapiere, Fest- und Tagesgeld oder Gold eine Rolle spielen – abhängig von der individuellen Risikopräferenz."

Anteil liquider Mittel behalten

Weitere Tipps von Neuhauser: Offene Immobilienfonds bieten ihm zufolge eine etwas höhere Rendite als Zinspapiere. Diese könne man bis 20 Prozent beimischen, sofern das Risiko auf mehrere Fonds gestreut wird. Ein Anteil liquider Mittel, etwa Tagesgeld, sei zudem wichtig für Notfälle.

Aktienanteile vor Rentenbeginn reduzieren

Wer angesichts schwankender Kurse mehr Sicherheit sucht, der sollte bereits einige Jahre vor Rentenbeginn Aktienanteile reduzieren – denn bis sich die Märkte nach einer Krise erholen, kann es bis zu einem Jahrzehnt dauern. Zudem sollten Schulden bis zur Rente abgebaut sein.

Hier geht's zum gesamten Interview.

Und hier finden Sie mehr Informationen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zur Riesterrenter und anderen Finanzprodukten.

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