Ökonom Rürup fordert: Rentner sollen Kosten der Corona-Krise mittragen

156 Milliarden Euro neue Schulden hat der Bund allein für dieses Jahr beschlossen – doch die Staatshilfen im Zuge der Corona-Pandemie werden noch erheblich höher ausfallen. Trotzdem steigen die Renten. Bert Rürup, einst Wirtschaftsweiser, wirbt angesichts der Krise für eine Änderung des Rentensystems.

Werden Rentenerhöhungen künftig knapper ausfallen?
Werden Rentenerhöhungen künftig knapper ausfallen?Foto-Quelle: pixabay

Erst vor rund zwei Wochen hat Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), angesichts sinkender Löhne durch die Corona-Krise dafür plädiert, Rentenanpassungen über einen längeren Zeitraum zu strecken. Ungeachtet dessen beschloss die Regierung noch am selben Tag, dass die Rente wie geplant zum 1. Juli steigen werden: in Westdeutschland um 3,45 Prozent, in den neuen Bundesländern um 4,20 Prozent.

Rürup prognostiziert Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen

Die Diskussion ist damit allerdings nicht vom Tisch. Jetzt fordert der Ökonom Bert Rürup in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt", die Rentner an den Kosten der Corona-Krise zu beteiligen. Der absehbare Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung von bis zu zehn Prozent werde im Schnitt jeden Einwohner Deutschlands um rund 4000 Euro kosten, prognostiziert Rürup. Das werde Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zur Folge haben, sobald die Wirtschaft ihr tief überwunden habe.

"Schwere Hypothek" durch Rentengeschenke

Dabei erweisen sich Rürup zufolge "klientelspezifische Wohltaten" in der Rentenpolitik als eine teure Hypothek – der Ökonom meint neben der Rente ab 63 und der Grundrente insbesondere die Einführung eines garantierten Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent sowie die Festschreibung der Beitragssatzobergrenze bei höchstens 20 Prozent, jeweils bis 2025. Letztere verursachten "gravierende verteilungspolitische Verwerfungen", schreibt Rürup.

Rürup: Bund wird Zuschuss an Rentenversicherung erhöhen müssen

Denn während die Pro-Kopf-Löhne wegen der massiv in Anspruch genommenen Kurzarbeit in diesem Jahr sinken werden, gibt es als Folge kräftiger Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr die satte Rentenerhöhung.

Dies werde nach jetziger rechtlicher Lage allerdings keine Renteneinschnitte zur Folge haben, da aufgrund der Festschreibungen dauerhaft nur Erhöhungen des Rentenniveaus möglich seien.

Rürup folgert: "Das Zusammenwirken von Beitragsobergrenze und Mindestsicherungsniveau mit einer abgeschwächten Wirtschaftsdynamik wird unweigerlich zu einem höheren Bundeszuschuss an die Rentenversicherung führen." Das wiederum stehe im Konflikt zu den Konsolidierungszwängen, die aus den kreditfinanzierten Rettungspaketen resultieren.

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"Eine fatale Entwicklung"

Wenn nun allerdings ein wachsender Anteil des Steueraufkommens in die Rentensicherung fließe und gleichzeitig Corona-Schulden beglichen werden müssten, bleibe nur noch ein geringer Anteil des Budgets für Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung, Umweltschutz und Zukunftstechnologien übrig. "Eine fatale Entwicklung!", warnt Rürup.

Er plädiert dafür, auf sich ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren und "eine mutmaßlich ungewollte Begünstigung der Rentner ebenso zu korrigieren wie Schwächen bei der in Sache überfälligen Grundrente zu beseitigen".

Blick nach Österreich

Dabei legt Rürup nahe, das österreichische System als Vorbild zu nehmen: Dort orientieren sich Rentenanpassungen nicht an die Entwicklung der Löhne, sondern an den Verbraucherpreisen. So sei die Kaufkraft jeder Rente gesichert. Wenn der Reallohn aufgrund von Produktivitätswachstum steige, müsse dies allerdings nicht auf die Rentenbezieher umgelegt werden. Das lasse dem Staat mehr Spielraum: Er könne das Rentenniveau für Neurentner anheben oder das Geld anderweitig "zur Verbesserung des Wachstumspotenzials" investieren.

Deutschland profitierte von demografischer Pause

Dass sich die deutsche Wirtschaft nach der Rezession 2009 so schnell erholte und eine lange Aufschwungsphase folgte, führt Rürup unter anderem darauf zurück, dass es eine "demografische Pause" gegeben habe. Diese neige sich nun allerdings dem Ende zu. Es setze ein 20 Jahre andauernder Alterungsschub ein, der das Wachstumspotenzial nahe Null drücken werde - die geburtenstarke Generation der Babyboomer kommt jetzt ins Rentenalter. Die Politik müsse, so argumentiert Rürup, nicht zuletzt deshalb wachstumsfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen.

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1 Kommentar

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wize.life-Nutzer
Sehr geehrter Herr Rürup,
es hat ja Jedermann das Recht seine Meinung zu äußern, dazu habe ich nur eine Frage, bevor Sie mal wieder die Rentner schröpfen wollen, was hat Ihr eigener Rentenansatz den Rentnern gebracht?
Eine schon seit Jahren anstehende Renten- und Steuerreform ist längst über fällig. Nicht die Arbeit gehört besteuert, sond es gehört eine Wertschöpfungsabgabe an Stelle der vielen verschiedenen Steuerarten die einen Betrieb und Lohnempfänger belasten. Darüber sollten Sie einmal nachdenken und nicht wie man die Rentner weiter ausnimmt.
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