Corona-Krise: Bei der Altersvorsorge wird zuerst gespart

Wegen der Corona-Pandemie stehen Millionen Menschen mit weniger oder auch gar keinen Einkünften da. Wenn das Geld knapp wird, stehen Aufwendungen für die private Vorsorge bei der Sparliste ganz oben. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) rät, Verträge nicht zu kündigen, sondern nur auszusetzen.

Wird das Geld knapp, sparen viele zuerst an der Altersvorsorge
Wird das Geld knapp, sparen viele zuerst an der AltersvorsorgeFoto-Quelle: pixabay

In einer DIA-Umfrage gab ein Fünftel der Befragten an, im März und April dieses Jahres mit weniger Geld auskommen zu müssen. Ihr Gehalt aus sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit fiel teilweise oder ganz aus wegen Kurzarbeit oder Unternehmensschließungen. Selbstständige brachen die Einnahmen weg. 64 Prozent sagten, sie hätten keine Einkommenseinbußen. Der Rest machte entweder keine Angaben dazu oder es fehlte der genaue Überblick über die Finanzen.

Größere Haushalte haben größere Einbußen

Je größer der Haushalt, desto häufiger verzeichneten die Befragten niedrigere Einkünfte. Während bei Ein-Personen-Haushalten 17 Prozent betroffen waren, steigt der Anteil auf bis zu 28 Prozent bei Haushalten mit vier Personen an. Das könnte damit zusammenhängen, dass Eltern wegen nötiger Kinderbetreuung am Arbeiten gehindert waren. Weiter mussten Teilzeitbeschäftigte häufiger (31 Prozent) Einkommensminderungen hinnehmen als Vollzeitbeschäftigte (24 Prozent).

Fast ein Fünftel spart bei Altersvorsorge

19 Prozent der Betroffenen gab an, die Sparraten für die Altersvorsorge entweder gekürzt oder gänzlich eingestellt zu haben. 13. Prozent ließen die Versicherungsverträge beitragsfrei stellen oder kündigten sie auf.

Dass die Altersvorsorge auf der Sparliste weit oben steht, ließ sich nach Angaben des Instituts auch in der Vergangenheit bei Selbstständigen beobachten – sie setzten den Rotstift in der Vergangenheit zudem bei der Krankenversicherung an.

Wenig Aufschub bei Mietzahlungen

Mietzahlungen hingegen schoben nach der aktuellen Befragung nur acht Prozent auf.

!Die Altersvorsorge ist offenkundig einer der Posten, die bei einem finanziellen Engpass zuerst in Frage gestellt werden", sagte Klaus Morgenstern, DIA-Sprecher. Diese Reihenfolge verwundert das Institut nicht: Ausstehende Mieten müssen in absehbarer Zeit auf jeden Fall nachgezahlt werden. Die Folgen verringerter Vorsorgeaufwendungen scheinen dagegen weniger bedrohlich.

Tipp: Verträge nicht kündigen

Das könne sich aber als Trugschluss erweisen, argumentiert das Institut. Vorübergehende Sparpausen seien nicht so dramatisch, sofern der Vertrag bestehen bleibt. Dann könnten Zahlungen fortgesetzt oder sogar nachgeholt werden. Ist der Vertrag jedoch einmal gekündigt, müsse ein Neuanfang oft unter ungünstigeren Voraussetzungen, zum Beispiel bei Rentenversicherungen mit geringerer Garantieverzinsung, erfolgen.

Aussichten sind durchwachsen

Zu den Aussichten gab ein Viertel der Befragten, die derzeit mit weniger Geld auskommen müssen, an, dass Besserung in Sicht sei. 57 Prozent rechnet allerdings vorerst nicht mit einer positiven Veränderung. 17 Prozent der Befragten mit Einkommenseinbußen, die bislang noch keine Abstriche bei bestehenden Verträgen gemacht haben, erwägt Einschränkungen bei der privaten Altersvorsorge, wenn sich die Finanzlage nicht bessert. 14 Prozent überlegen die Kürzung von Versicherungsverträgen.

Für die repräsentative Umfrage befragte INSA Consulere 2061 Menschen über 18 Jahren vom 8. bis 11. Mai 2020.

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