Nach Mord an Walter Lübcke: Deutsche fürchten Rechtsextreme mehr als Islamisten

Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke mutmaßlich durch einen Täter aus der Neo-Nazi-Szene wirkt tief in die Gesellschaft. Das zeigt eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrends im Auftrag der ARD-Tagesthemen. Demnach äußert aktuell eine Mehrheit, dass Rechtsextremisten den Staat verändern könnten.

ARD-DeutschlandTrend im Ersten: Angst vor Rechtsextremismus steigt
ARD-DeutschlandTrend im Ersten: Angst vor Rechtsextremismus steigtFoto-Quelle: ARD/WDR

So teilen zwei Drittel der Befragten (67 Prozent; +6 Punkte im Vgl. zu Dezember 2011) diese Angst. 31 Prozent sehen das nicht so. Von den AfD-Anhängern äußern nur 17 Prozent diese Sorge, bei den Grünen-Anhängern sind es 75 Prozent.

66 Prozent aller Befragten (-15 Punkte im Vgl. zu Dezember 2011) sind der Ansicht, der Staat lasse Neonazis und Rechtsextremisten zu oft freie Bahn. 29 Prozent stimmen dieser Aussage nicht zu. Zustimmung findet diese Aussage bei 26 Prozent der AfD-Anhänger und 73 Prozent der Grünen-Anhänger.

Rechtsextreme Positionen sind in letzter Zeit in Deutschland gesellschaftsfähiger geworden.

Dieser Aussage stimmen 65 Prozent der Befragten zu, 30 Prozent stimmen nicht zu. Die Hälfte (48 Prozent) der AfD-Anhänger stimmen dieser Aussage zu und 80 Prozent der Grünen-Anhänger. Ebenfalls zwei Drittel (65 Prozent) sind der Ansicht, die Sicherheitsdienste sollten zusätzliche Befugnisse bekommen, um die Kommunikation im Internet und in den sozialen Medienstärker zu überwachen. In dieser Frage stimmen 54 Prozent der AfD-Anhänger und 57 Prozent der Grünen-Anhänger zu.

Angst vor rechtsextremen Übergriffen

71 Prozent der Befragten (-13 Punkte im Vgl. zu Oktober 2016) erachten die Gefahr von rechtsextremen Übergriffen und Anschlägen als sehr groß oder eher groß; 27 Prozent als eher gering oder sehr gering. Die Gefahr von islamistischen Übergriffen oder Anschlägen erachten 60 Prozent (-8 Punkte) in Deutschland als sehr groß oder eher groß; 37 Prozent als eher gering oder sehr gering. Eine Minderheit von 41 Prozent der Befragten sieht eine sehr große oder
eher große Gefahr von linksextremen Übergriffen und Anschlägen (-11).

IM VIDEO | Stephan E. widerruft Geständnis im Mordfall Lübcke


Knapp eine Woche nach seinem Geständnis widerrief der Tatverdächtige Stephan E. am 2. Juli sein Geständnis. Nach seiner Festnahme hatte der 45-Jährige am 25. Juni bei der Polizei gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten auf der Terrasse dessen Wohnhauses im hessischen Wolfhagen erschossen zu haben.

Konstantin von Notz empört über Youtube: Hasskommentare müssen gelöscht werden.

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz ist empört über den Umgang von Youtube mit Hasskommentaren unter Videos zum Fall Walter Lübcke. Von Notz sagte der "Heilbronner Stimme" (Freitag): "Es ist unglaublich, dass Youtube die menschenverachtenden Kommentare trotz all der Diskussionen der letzten Wochen noch immer nicht moderiert und löscht. Es ist widerlich, was dort zu lesen ist. Und es ist nicht tolerierbar, dass nach dem Mord an Walter Lübcke im Netz so weitergemacht wird und Hassparolen gepostet werden, als sei nichts geschehen. Das ist empörend."

Mit Blick auf Youtube sagte er weiter: "Der Konzern müsste, alleine schon um einen massiven Imageschaden abzuwenden, doch ein Interesse daran haben, das Kommentarforum unter einem solchen Video zu moderieren. Es geschieht aber selbst nach entsprechenden Meldungen häufig nichts. Das ist nicht nur ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht, sondern auch unerträglich gegenüber der Familie und den Freunden von Walter Lübcke."

10 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Also für mich ist die speziell von der Merkel-Regierung geförderte oft illegale Einreise von Islamisten und den Nebenwirkungen wesentlich gefährlicher als alle Gefahr von rechts...
wize.life-Nutzer
Die wenigsten der einreisenden Muslime sind Islamisten. Extremisten JEDER Religion sind gefährlich. Wie meinte doch schon Karl Marx: Religion ist Opium fürs Volk.
Nein ich bin keine Anhängerin von Karl Marx, aber wo er Recht hat er eben Recht.
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wize.life-Nutzer
Ich sehe nur 3 Ursachen für dieses Dilemma:
1. Die Gerichte haben seit ca. 30 Jahren die Jugendkriminalität teilweise als Kavaliersdelikte abgetan
2. Die Erziehung durch die Eltern begann nach einem arbeitsreichen Tag erst am Abend
3. Die Überfremdung brachte den Rest

Denkt mal in Ruhe darüber nach und schiebt mich nicht gleich wieder in die "rechte Ecke"!
Für Punkt 4. usw. wäre ich sehr dankbar.
wize.life-Nutzer
4. Rechtsextrem und wertkonservativ werden in einen Topf geschmissen. Jede Kritik, die nicht in eine bestimmte Ideologie passt ist grundsätzlich auf irgend eine Weise "feindlich" oder" diskriminierend". So wird es unmöglich gemacht, einen Diskurs zu führen.
wize.life-Nutzer
@Lucia - genau so ist es!
Hat noch jemand Punkt 5. ???
wize.life-Nutzer
Die Reden führender Vertreter des 'Flügels' bei der diesjährigen Kyffhäuser-Tagugng lassen kaum noch Zweifel daran aufkommen, welche Richtung die AfD in naher Zukunft einschlagen wird. Mehr und mehr bestimmen die Radikalen um HÖCKE die Zielrichtung, auch wenn Gauland und Meuthen dies bestreiten. Die 'alternative Mitte' wird die Radikalisierung durch den 'Flügel' nicht mehr stoppen können. Der Mordfall Lübke ist der Anfang, ist noch nicht aufgeklärt, und mehr davon ist zu erwarten. Wachsamkeit ist geboten!
wize.life-Nutzer
@Lucia und Riese: Wie definiert ihr denn "wertkonservativ"?
wize.life-Nutzer
Bestimmt nicht eine Erfindung der AfD.!
wize.life-Nutzer
Ich definiere nicht, sondern es gibt hierfür eine gültige Definition.
wize.life-Nutzer
Danke für den Hinweis Lucia. Ich habe es nachgelesen.
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