Wegen Corona: Adidas will keine Mieten zahlen - Politiker verbrennt T-Shirt

Die Ankündigung von Adidas, aufgrund der Corona-Krise keine Mieten mehr für geschlossene Filialen zu zahlen, sorgt für Entrüstung im Land. Zahlreiche Politiker verurteilten das Vorgehen des Sportartikelherstellers, ein SPD-Bundestagsabgeordneter rief gar zum Boykott auf. Doch jetzt wollen sich andere Konzerne Adidas anschließen. Von Solidarität keine Spur.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post (38) konnte seine Wut über Adidas-Ankündigung nicht mehr zurückhalten. Auf Instagram veröffentlichte der Münchner ein Video, indem er ein T-Shirt des Sportartikel-Riesen verbrannte.

"Ich bin der Meinung, dass wir unser Gesetz letzte Woche nicht dafür beschlossen haben, dass sich Dax-Konzerne schadlos halten. Auch teilweise einseitig die Kosten der Corona-Krise an kleinere Vermieter abzuwälzen, ist unsolidarisch", so Post in seinem Clip.

"Daher bin ich der Meinung, dass man sein Konsumverhalten speziell für die Zeit nach der Krise überdenken sollte. Ich werde keine Adidas-Sachen mehr tragen. Aus diesem Grund möchte ich ein Zeichen setzen." Dann zündete der 38-Jährige ein Adidas-Shirt in einer Tonne an.

Milliarden-Konzern nutzt Schutzvorschrift für Mieter in Not aus

Auch Katarina Barley, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, will keine Adidas-Schuhe mehr kaufen. Auf Twitter schrieb die SPD-Politikerin:

"Als globaler Konzern mit 3,2 Milliarden Gewinn 2019 eine Schutzvorschrift für MieterInnen in Existenznot auszunutzen, ist schäbig."

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nannte den Adidas-Vorstoß in "Bild" eine "inakzeptable Botschaft". "Das Signal ist nicht das Unterhaken, das man von jedem Bürger verlangt. Wir geben die Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger: ‚Seid vernünftig!‘ Da müssen große Konzerne aber auch vernünftig sein."

Das Bundesjustizministerium stellte auf "Bild"-Nachfrage klar, dass der Kündigungsschutz für Mieter nur greife, wenn Mieter aufgrund der Corona-Krise nicht zur Mietzahlung in der Lage seien. Gerichte würden das im Einzelfall prüfen.

Andere Konzerne wollen sich Adidas anschließen

Ungeachtet dessen wollen sich offenbar weitere Milliarden-Konzerne Adidas anschließen.

So planen u. a. Deichmann, C&A, Hunkemöller, Pimkie und Apollo-Optik Mietkürzungen bzw. einen Mietstopp. Das berichtet "Bild" unter Berufung auf Vermieterkreise.

Die Corona-Pandemie sei ein "Ereignis höherer Gewalt..., das C&A zur vollständigen Aussetzung seiner Verpflichtung zur Zahlung von Mieten berechtigt", heißt es etwa in einem Scheiben des Bekleidungs-Konzerns an die Vermieter, das auch der Zeitung vorliege.

Kanzlerin jetzt gefordert

Jetzt ist die Politik gefordert, so Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund.

"Die Handelsketten nehmen das Gesetz vorsätzlich zum Anlass, um Mietzahlungen auszusetzen. Es untergräbt die Zahlungsmoral. Sollte sich das durchsetzen, haben wir in zwei Wochen keine funktionierende Wirtschaft mehr. Wir erwarten ein Statement von der Kanzlerin, dass das so nicht geht."

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