Integration JA - aber bitte nur die Anderen
Auswandern
AuswandernFoto-Quelle: yipee.de

Nur dumm, dass der Deutsche genau so handelt... Bei den unzähligen Beiträgen zum Thema "Deutsch sein" und "Integration" frage ich mich, was eigentlich darunter verstanden wird. Ich sehe das pragmatisch. Integration ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Doch der Deutsche ist eines der unwilligsten Wesen, wenn es um eigene Integration geht. Wieviele Deutsche wandern in andere Gebiete aus, um es schön warm zu haben, günstiger leben zu können und seine eigene Kultur ohne Rücksicht unter die Leute zu bringen.

Und auch der Deutsche lebt im Ausland vorzugsweise in seiner eigenen Parallelgesellschaft - ohne auch nur annähernde Kenntnisse der Landessprache, ohne Akzeptanz der Gepflogenheiten im Gastland und mit der unglaublichen Arroganz, dass sich alle ihm anzupassen haben. Und damit meine ich nicht Touristen, die in dieser Hinsicht schon schlimm genug sind. Es geht um die Ausgewanderten, die sich entschlossen haben, im Ausland zu leben.

Wenn jemand 5 Jahre z.B. in Spanien lebt und trotzdem für jeden Furz einen Übersetzer braucht, weil der Spanier nicht so dumm ist, alles 8-sprachig anzuschreiben, läuft etwas verkehrt. Oder wenn erwartet wird, dass man in einem spanischen Spezialitätenlokal deutsche Bratwurst mit Sauerkraut bekommt und sich dann auch noch lautstark beschwert, was es denn für ein unterentwickeltes Land wäre, wenn es nicht einmal die "Grundbedürfnisse" des Deutschen decken könnte.

Meine Reaktion darauf erzähle ich ganz gerne, weil es Denjenigen vielleicht nachhaltig zum Nachdenken gebracht hat: Als meine Schwester zu Besuch war, sind wir bei dem netten - schon von Weitem an Socken und Sandalen erkennbaren Deutschen vorbei gegangen und ich konnte es mir nicht verkneifen, laut genug mit meiner Schwester zu reden... "Jetzt sind wir schon 2 Wochen hier und immer noch nix zum Vögeln gefunden - Schwesterchen, da musst Du wieder dran glauben" Das rot angelaufene Gesicht von dem netten Touri werde ich ebenso wenig vergessen, wie seinen Griff nach den Herztabletten.

Es ist schon erstaunlich, dass viele "angeblich Ausgewanderten" zwar gerne alle Vorteile wie die günstigeren Kosten annehmen, aber das spanische Krankenversicherungssystem und andere Vorschriften nicht einmal annähernd akzeptieren, ohne Aufenthaltsgenehmigung im Ausland leben, demnach noch in Deutschland versichert sind, weil sie sich nie umgemeldet haben und sich als U-Boot illegal im Land aufhalten. Einzelfälle ? Nein! Es sind Viele, die sich weder gesellschaftlich integrieren wollen noch Hemmungen haben, im Grunde genommen als Kriminelle ihr da sein zu genießen und andererseits gegen Ausländer in Deutschland hetzen. Das ist der Moment, in dem sich kollektive Alzheimer breit macht.

Diese Leute befinden sich allerdings nicht in einer Ausnahmesituation oder sind auf der Flucht (ausser vielleicht vor der Justiz).Es wäre einfach, sich zu integrieren, wenn man nur wollte. Anders verhält es sich mit "echten Flüchtlingen", die nicht nur gezwungen wurden, alles aufzugeben, nicht wissen, was mit ihren Familien passiert und dann auch noch am besten innerhalt von Tagen oder Wochen eine völlig neue Kultur leben sollen. Zumindest versuchen sie es - und das haben sie dem Deutschen voraus, der versucht, Hilfe-Suchende zu erziehen und dabei völlig vergisst, dass "erziehen" in erster Linie "vorleben" bedeutet.

Regeln gelten ja nur für Andere, jedoch nicht für den Deutschen. Aber der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Und dann ist das Geschrei groß. Dann sieht man wieder genau das, was man von Deutschland schon kennt: Das kollektive Jammern!

Vielleicht ist es ja die Angst der Deutschen, dass Alle sich wirklich integrieren und auch alle deutschen Eigenschaften annnehmen - inklusive Hass, Neid und Ablehnung gegenüber allem Fremden. Ehrlich gesagt: Diese Angst könnte ich verstehen...

Und nein, es geht nicht um die Frage, ob und wie Politik gescheitert ist, sondern einfach darum, dass man nur das erwarten kann, was man auch selbst zu tun bereit ist.

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