Forscher: Gang gibt frühzeitig Hinweise auf Demenzgefahr

Beeinträchtigungen beim Gehen, insbesondere ein Verlangsamen, können auf eine entstehende Demenz hinweisen, wie Forscher herausgefunden haben. Sie fordern Routine-Tests, die die Diagnose von Krankheiten wie Alzheimer ermöglichen sollen, bevor es zu größeren Beeinträchtigungen im Gehirn kommt.

Der Gang verrät laut Forschern viel darüber, ob ein Demenzrisiko besteht
Der Gang verrät laut Forschern viel darüber, ob ein Demenzrisiko bestehtFoto-Quelle: Susanne Pälmer / pixabay

Die Art und Weise, wie Menschen gehen, zeigt an, wie sehr Gehirn und Körper altern. Forscher um Manuel Montero-Odasso von der University of Western Ontario haben deshalb aktuelle Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Gangstörungen und Demenz beschäftigen, zusammengestellt und analysiert. Sie berichten darüber in einer Sonderausgabe des "Journal of Alzheimer's Disease" (JAD).

Gehstörungen sagen etwas über Demenzrisiko aus

In den vergangenen zwei Jahrzehnten zeigten laut Montero-Odasso epidemiologische Studien, dass Gehstörungen "in frühen Phasen der Demenz auftreten können oder sogar vorhersagen, wer ein Demenzrisiko hat".

Beeinträchtigungen können subtil sein

Bei älteren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz treten demnach häufiger subtile Beeinträchtigungen beim Gehen auf, die mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sind.

Die Forscher schlagen deshalb vor, die motorischen Fähigkeiten sowie die kognitive Leistung bei älteren Menschen zu testen, sobald sich leichte Beeinträchtigungen ergeben.

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Forscher: Gangtests sollen zur Routineuntersuchung gehören

Den Gang von Menschen zu testen könne helfen, die Untergruppe der Risikopatienten zu erkennen, die am meisten von invasiven Diagnoseverfahren oder frühzeitigen Eingriffen profitieren können. So könnten Patienten ein "goldenes Zeitfenster" gewinnen, so Montero-Odasso.

"JAD"-Chefredakteur George Perry, der Professor an der University of Texas in San Antonio ist, unterstreicht:

Wir sind der Meinung, dass einfache Gangtests Teil der klinischen Routineuntersuchung für ältere Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen sein sollten.

Frühe Alzheimer-Diagnose möglich?

Montero-Odasso hält es für denkbar, "dass wir in Zukunft die Diagnose Alzheimer und andere Demenzen stellen können, bevor Menschen überhaupt einen erheblichen Gedächtnisverlust haben".

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So gebe es bei älteren Menschen mit mäßiger kognitiver Beeinträchtigung ein siebenfach erhöhtes Risiko, binnen fünf Jahren Alzheimer zu entwickeln, wenn sie ihr Gehtempo um mehr als ein Fünftel verlangsamen, sobald sie eine zusätzliche kognitive Aufgabe bekommen.

Weltweit 50 Millionen Demenzkranke

Demenz ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlust der kognitiven Funktion: Gedächtnis, Denken, Orientierung, Verständnis, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen werden beeinträchtigt – und das in höherem Maß als bei normalem Altern.

Weltweit leiden dem Magazin zufolge rund 50 Millionen Menschen an Demenz. Jährlich kommen fast 10 Millionen neue Fälle dazu. Alzheimer ist die häufigste Form und macht etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle aus.

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