Darmkrebs in der Familie - Angehörige gehen zu selten zur Vorsorge

Darmkrebs in der Familie ist der größte Risikofaktor für Angehörige, ebenfalls einen bösartigen Tumor in Dick- oder Mastdarm zu entwickeln. Jede dritte Erkrankung ist auf eine familiäre Vorbelastung zurückzuführen. Experten raten deshalb dazu, früh zur Vorsorge zu gehen. Doch viele Betroffene tun dies nicht.

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Menschen, deren direkte Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind, haben selbst ein erhöhtes Darmkrebsrisiko und sollten daher früh zur Vorsorge.Foto-Quelle: detailblick/Fotolia

Fast die Hälfte der Menschen mit einem Fall von Darmkrebs in der näheren Familie geht nicht zur Vorsorge, wie Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) jetzt mithilfe einer Umfrage festgestellt haben, deren Ergebnisse sie im Fachmagazin "Clinical Gastroenterology and Hepatology" veröffentlicht haben.

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Die Forscher haben eine Umfrage unter mehr als 28.000 Menschen im Alter zwischen 40 und 54 Jahren ausgewertet. Davon hatte etwa jeder Zehnte einen direkten Verwandten (Eltern oder Kinder) mit Darmkrebs.

"Menschen mit einer solchen familiären Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko, selbst an einem bösartigen Tumor des Darms zu erkranken", so das (DKFZ).

Ein familiäres Risiko für Darmkrebs liegt immer dann vor, wenn Großeltern, Eltern, Geschwister oder Halbgeschwister an Darmkrebs erkrankt sind. Betroffene sollten daher bereits im Alter von 40 Jahren mit der Vorsorge beginnen.

Wann Menschen ohne erhöhtes Risiko zur Vorsorge sollten

Wer kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs hat - also nicht an Darmpolypen, Colitis Ulcerosa oder Diabetes leidet und nicht stark raucht oder trinkt - dem wird die Vorsorgeuntersuchung ab einem Alter von 50 Jahren empfohlen.

Dieses hohe Risiko war vielen Teilnehmern der Umfrage offenbar auch bekannt: Mehr als die Hälfte (54,5 Prozent) hatte sich bereits einer Darmspiegelung unterzogen. Unter den Befragten ohne familiäre Vorbelastung hatte dies nur ein Viertel getan.

„Anders herum betrachtet heißt das jedoch auch: Fast die Hälfte der Menschen mit erhöhtem familiären Risiko nützt die Chance eines früheren Starts der Vorsorge nicht“, sagt Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ und vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg.

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Dabei ist eine möglichst frühzeitige Vorsorge gerade bei Darmkrebs enorm wichtig. Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Doch bei keiner anderen bietet die Früherkennung so große Chancen, eine Krebserkrankung noch zu verhindern.

Vorsorge kann Entwicklung von Krebs verhindern

Denn bei Vorsorgeuntersuchungen können Polypen entdeckt und entfernt werden – bevor sich die lange Zeit gutartigen Polypen zu Krebs entwickeln.

Ohne Vorsorge ist es viel schwerer, Darmkrebs zu entdecken: Denn das Tückische ist, dass die Krankheit zunächst nicht durch Symptome zu erkennen ist. Kommt es zu Beschwerden wie etwa Blut im Stuhl, ist die Krankheit häufig schon fortgeschritten.

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Die Studie des DKFZ hat aber Grenzen, wie die Forscher zugeben. Das Problem: Darmkrebs tritt häufig erst im höheren Alter auf.

Wird etwa bei einer 70-Jährigen Darmkrebs diagnostiziert, sind ihre Kinder häufig selbst jenseits der 40 - und haben damit den empfohlenen Zeitpunkt für den Start der Früherkennung verpasst.

Mit 40 wissen viele nicht, dass sie zur Risikogruppe gehören

So zeigte die Studie, dass bei den Befragten mit steigendem Alter auch die Häufigkeit einer Darmkrebserkrankung eines direkten Angehörigen zunahm: Unter den 40 bis 44-jährigen Studienteilnehmern hatten 7,5 Prozent einen Darmkrebsfall in der Familie, unter den 50 bis 54-jährigen waren es bereits 10,9 Prozent.

"Daraus wird deutlich, dass Menschen um die 40 oftmals noch gar nicht wissen, dass sie zur Risikogruppe gehören und sich daher auch nicht an die speziellen Empfehlungen zur Darmkrebs-Früherkennung halten können", sagt Hermann Brenner.

Neben der familiären Vorgeschichte spielten auch viele andere Faktoren, wie die Lebensgewohnheiten eine große Rolle für das Darmkrebsrisiko.

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