Einkommensrisiko Pflege - Frauen trifft es besonders hart

Angehörige zu pflegen, ist bei aller Liebe ein Knochenjob - physisch wie psychisch. Ein weiterer Aspekt sind die finanziellen Einbußen des pflegenden Familienmitglieds. Wie Forscher nun berechnet haben, büßen erwerbstätige Angehörige bei der privaten Pflege über längere Zeit 2,7 Prozent ihres Stundenlohnes ein.

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Pflege nimmt viel Zeit in Anspruch - und kostet vor allem Frauen viel Geld bei aller LiebeFoto-Quelle: Robert Kneschke - Fotolia

Deutschland altert. Der Bedarf an professioneller Pflege ist enorm. Gleichzeitig übernehmen auch viele Familienangehörige den harten Job, weil es doch die geliebte Mama oder der herzensgute Papa ist. Damit gehen oft finanzielle Einbußen einher. So reduziert sich der Stundenlohn um etwa 2,7 Prozent, sobald Erwerbstätige beginnen, Angehörige zu pflegen - sowohl bei Frauen als auch Männern, wenn denn letztere die Pflege übernehmen.

Das ist Ergebnis der Studie "Einkommensrisiko Pflege? Der Zusammenhang von familiärer Pflege und Lohn", die jetzt von der Soziologin Lara Minkus, dem Gerontologen Moritz Heß (beide SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen) und der Soziologin Ulrike Ehrlich (Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin) veröffentlicht wurde. Sie ist in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie erschienen.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass erhebliche Lohneinbußen bestehen, die mit gängigen Faktoren wie zum Beispiel mangelnder Arbeitsmarkterfahrung nicht begründet werden können", so Lara Minkus.

Männer lassen Frauen den Vortritt bei der Pflege

Die Studie bietet darüber hinaus eine weitere Erklärung für den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen, den so genannten Gender Pay Gap. "Frauen übernehmen häufiger als Männer die familiäre Pflegearbeit und sind daher auch deutlich öfter von den damit einhergehenden negativen Lohneffekten betroffen, was zu einer Verstetigung der geschlechtsspezifischen Lohnlücke führt", erklärt Minkus.

Die Wissenschaftler fordern Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Erwerbstätigkeit zu schaffen. Auf betrieblicher Ebene würden Möglichkeiten für eine flexible Arbeitsplatzgestaltung Pflegende unterstützen, heißt es. So könnten etwa durch eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung potentielle Reibungspunkte zwischen familiärer Pflege und Arbeitnehmerinnenpflichten umgangen und somit auch Loheinbußen vermieden werden.

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