Nahrungsergänzung zum Schutz vor Corona: Warnung vor leeren Versprechungen

Aus Angst vor dem neuen Coronavirus fragen sich viele Menschen, was sie selbst tun können, um sich vor einer Infektion zu schützen. Das nutzen jetzt einige Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln aus, hat die Verbraucherzentrale beobachtet. Experten warnen vor irreführenden Versprechungen, die falsche Hoffnungen wecken.

"Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuarti ...
"Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus (SARS-CoV-2) verhindern können", so die VerbraucherzentraleFoto-Quelle: Pixabay

"Grüner Tee und Vitamin C gegen Corona-Virus" - mit diesem Slogan warb kürzlich der Anbieter von Grüntee-Kapseln. Es ging um die Stärkung des Immunsystems.

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Es gebe "bestimmte Pflanzen, Getränke und Vitamine", die man zu sich nehmen könne, um "jeden viralen und bakteriellen Eindringling abzuwehren, einschließlich des neuartigen Coronavirus".

Falsche Versprechungen, blanker Unsinn

Wenn es so einfach wäre.
Tatsächlich ist dies: blanker Unfug.

Womöglich ist das der Grund, warum das Unternehmen diesen Werbetext inzwischen von seiner Webseite genommen hat. Doch ähnliche Versprechen anderer Anbieter kursieren noch immer im Netz.

Davor warnt jetzt die Verbraucherzentrale: Kunden sollten ihnen auf keinen Fall auf den Leim gehen.

Medikamente oder eine Schutzimpfung gegen das Virus gibt es bisher nicht. Da fragen sich viele besorgt: Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen? Was kann ich tun - mal abgesehen von Händewaschen und Kontaktverzicht? Genau das nutzen manche Anbieter aus.

In vielen Blogs und Foren seien Anbieter unterwegs, "die aus der aktuellen Pandemie und der Angst vieler Menschen für sich Profit schlagen wollen", so die Verbraucherorganisation.

Häufig finden sich demnach solche falschen Versprechen
für Nahrungsergänzungsmittel

  • mit Grüntee (bzw. den Inhaltsstoff Epigallocatechinagallat EGCG)
  • Cistus (Zistrosenkraut)
  • Propolis
  • Kapuzinerkresse
  • Schwarze Johannisbeere (Blattknospen)

Gegen Coronavirus helfen keine Nahrungsergänzungsmittel

Das Urteil der Verbraucherzentrale ist so klar wie eindeutig: "Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus (SARS-CoV-2) verhindern können."

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Das neuartige Coronavirus, das erstmals im Dezember 2019 in China auftauchte, ist erst seit einigen Monaten bekannt. Deshalb gebe es noch keine Studien, die beweisen, dass bestimmte Pflanzen, Vitamine oder Mineralstoffe etwas gegen das Virus ausrichten können.

Dennoch führen Anbieter solcher Nahrungsergänzungsmittel mitunter Studien als Beleg für deren angebliche Wirkung gegen das Coronavirus an.

Achtung, ein Trick!

Ein für Laien schwer zu durchschauender Trick: "Zitierte Studien beziehen sich in der Regel auf andere (Corona-)Viren", so die Verbraucherzentrale.

Denn Coronaviren sind nicht neu. Sie "wurden erstmals Mitte der 1960er Jahre identifiziert", heißt es vonseiten des Robert-Koch-Instituts.

Coronaviren gibt es schon lange

Coronavirus ist ein Oberbegriff für eine Viren-Familie, zu der neben dem aktuell grassierenden Coronavirus SARS CoV-2 auch das SARS-Virus gehört, das 2002/2003 eine Epidemie verursacht hat.

"Wissenschaftlich falsch"

Werbeaussagen, die nahe legen, dass ein bestimmtes Produkt über eine Stärkung des Immunsystems auch vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen könnten, "suggerieren nicht nur eine falsche Sicherheit, sie sind auch wissenschaftlich gesehen falsch", so die Verbraucherzentrale.

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Gefährliche Wundermittel

Das gelte erst recht für "unsinnige Tipps", die derzeit ebenfalls im Internet als Schutz gegen das Coronavirus angepriesen werden.

Als Beispiel nennen die Verbraucherexperten das angebliche Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), vor dem sie schon seit einiger Zeit warnen: "Von der Einnahme geht eine erhebliche Gesundheitsgefahr aus!" Teilweise werde es auch CDL (Chlordioxidlösung) genannt.

"Das ist ein Desinfektionsmittel und dient zum Bleichen von Textilien! Nicht einnehmen, gefährlich!"

Um ganz allgemein die Abwehrkräfte zu stärken, raten die Experten:

  • sich viel im Freien bewegen
  • etwas (nicht zu viel) Sonne an die Haut lassen, das regt die körpereigene Vitamin D-Produktion an
  • reichlich Gemüse und Obst essen, um sich mit Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen
  • ausreichend schlafen
  • "Halten Sie die eigene Körperhygiene und die Hygiene bei der Lebensmittelzubereitung auf hohem Niveau"

Zwar gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Pflanzenstoffe und Mikronährstoffe sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Allerdings in Maßen.

Warnung vor hochdosierten Vitamin-Präparaten

Vitamin C und Vitamin D zum Beispiel. Beide tragen - ebenso wie Folat, B12, B6 und Vitamin A - demnach zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

"Das heißt aber nicht, dass Sie dafür besonders große Mengen oder gar hoch dosierte Supplemente zu sich nehmen müssten", so die Ernährungsexperten.

Im Gegenteil. Empfehlungen wie: "Jetzt 5000 I.E. Vitamin D täglich" seien gefährlich, liegen sie doch weit über der absoluten Obergrenze für eine sichere Zufuhr.

Als Tageshöchstmenge empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung einen Bruchteil dessen: Nicht mehr als 20 Mikrogramm (= 800 i.E.).

Übrigens: Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Medizin. Zur Prävention oder Therapie von Krankheiten sind sie nicht gedacht.

Irreführende Werbung ist verboten

Deshalb sei eine gesundheitsbezogene Werbung mit Aussagen wie: "schützt vor Viren" in der EU verboten.

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Das gilt auch für irreführende Behauptungen. Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln dürfen diesen laut Verbraucherzentrale nur Eigenschaften zuschreiben, die "nach aktuellem wissenschaftlichen Stand als nachgewiesen gelten".

Mit Blick auf einen Schutz vor dem neuen Coronavirus gilt dies: Für kein einziges Produkt.

2 Kommentare

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wize.life-Nutzer
das heißt man soll lieber Gift von der Apotheke kaufen
wize.life-Nutzer
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