Testsets für Großbritannien mit dem Coronavirus kontaminiert

Großbritannien hinkt bei der Zahl der Coronavirus-Tests hinterher. 25.000 Tests pro Tag sind avisiert – derzeit liegt der Stand bei rund 7000. Jetzt gibt es einen neuen Rückschlag: Wichtige Komponenten für die Testkits seien mit dem Virus infiziert, heißt es.

Bestandteile von Testsets sind mit dem Virus kontaminiert (Symbolbild)
Bestandteile von Testsets sind mit dem Virus kontaminiert (Symbolbild)Foto-Quelle: pixabay/Gerd Altmann

Wie die Zeitung "The Telegraph" erfahren hat, wurden am Montag Laboratorien im ganzen Land gewarnt, dass es eine Verzögerung bei der Auslieferung von Testsets geben werde. Der Grund: An wesentlichen Bestandteilen seien Spuren des Virus' entdeckt worden.

Sonden und Primer verseucht

Betroffen ist die in Luxemburg ansässige Firma Eurofins, die dem Bericht zufolge staatlichen Laboratorien in Großbritannien am frühen Montagmorgen per E-Mail die Hiobsbotschaft überbracht hatte. Demnach sind Sonden und so genannte Primer verseucht. Dabei handelt es sich um kurze Nukleotidketten, die als Startersequenzen bei der Erbgut-Vervielfältigung benötigt werden.

"Kontaminationen auf der ganzen Welt"

Die Firma räumte demzufolge "ein Problem" ein, verwies gleichzeitig aber darauf, dass damit auch andere private Anbieter zu kämpfen gehabt hätten: "Wir sind uns bewusst, dass Kontaminationen der erwähnten Art von mehreren Primer- und Sondenherstellern auf der ganzen Welt beobachtet wurden, nachdem sie Sars-CoV-2-Positivkontrollen hergestellt hatten. Diese anfänglichen Probleme lassen sich leicht durch geeignete Reinigungs- und Produktionstrennungsverfahren lösen", wird ein Eurofins-Sprecher zitiert.

Details, wie es zur Kontamination kommen konnte, gab die Firma nicht bekannt.

Kein Kommentar der britischen Regierung

Hochrangige Mitarbeiter im Gesundheitswesen betonten laut "Telegraph", dass die Verzögerung das Testprogramm des Vereinigten Königreichs nicht wesentlich beeinträchtige.

Die britische Regierung wollte keinen Kommentar dazu abgeben.

Wenige Tests in Großbritannien

Sie steht unter in der Kritik, weil Großbritannien bisher vergleichsweise wenige Tests durchgeführt hat. Laut Statista waren es bis zum 20. März dieses Jahres 64.621, Deutschland hatte bis dahin 167.000 und Spitzenreiter Südkorea 316.664 Menschen getestet.

Irritationen über Testmengen

London hat sich zum Ziel gesetzt, bis Mitte April 25.000 Tests täglich durchzuführen. Zuletzt gab es allerdings Irritationen, da statt angenommener 10.000 Tests gerade mal 7000 am Tag vollzogen werden. Firmen aus dem UK verkaufen Tests-Kits ans Ausland mit dem Hinweis, dass Großbritannien wegen Personalmangels ohnehin keine größeren Mengen Verwendung fänden.

Die Regierung unter Boris Johnson hatte zunächst auf Beschränkungen des öffentlichen Lebens weitgehend verzichtet, damit die Bevölkerung schnell eine Herdenimmunität ausbilde. Da Infektions- und Totenzahlen stark zunahmen, schwenkte sie schließlich um und erließ am 23. März straffe Ausgangsbeschränkungen für zunächst drei Wochen: Demnach darf man nur noch für Arbeit, Einkaufen und Sport raus, wobei täglich nur eine Sporteinheit im Freien erlaubt ist. Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit sind verboten - es sei denn man lebt zusammen.

Der Premier, der selbst an Covid-19 erkrankt ist, stimmte die Bürger auf eine harte Zeit ein, nachdem er zunächst noch geprahlt hatte, er schüttele jedem die Hand und werde dies auch weiter tun.

Laut John Hopkins University gibt es im UK, Stand 02.04.2020, 2357 Corona-Tote und 29.865 Infizierte.

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