München startet bislang größte Coronavirus-Studie

Beim neuen Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es viele Unbekannte – auch in Bezug auf Verbreitung und Ansteckungsgefahr. Forscher des Tropeninstituts der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität planen deshalb eine groß angelegte Studie im stark betroffenen München, die Entscheidungen nicht nur in Bayern beeinflussen könnte.

In München startet eine groß angelegte Studie zu den Sars-CoV-2-Fallzahlen
In München startet eine groß angelegte Studie zu den Sars-CoV-2-FallzahlenFoto-Quelle: Pixabay

3000 Menschen sollen ab Sonntag in der bayerischen Landeshauptstadt auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet werden, wie Michael Hölscher, Direktor des Tropeninstituts der Uniklinik, am Freitag auf einer Pressekonferenz mit dem bayerischen Ministerpräsident Markus Söder bekanntgab. Erste Ergebnisse soll es schon nach wenigen Tagen geben, kündigte Söder an. Die Studie namens Covid-19-Kohorte sei allerdings auf ein Jahr angesetzt, um Erkenntnisse über die langfristige Entwicklung zu gewinnen.

Ziel ist es herauszufinden, wie weit verbreitet Covid-19 tatsächlich in der Bevölkerung ist und wie ergriffene Maßnahmen wirken.

Keine Gesamtbild zur Infizierung der Bevölkerung

Bislang gibt es zwar Fallzahlen zu Infektionen. Diese zeigen aber nur, wie viele Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Belastbare Daten, wie hoch die Infektionsrate in der Bevölkerung tatsächlich ist, gibt es nicht, eine Dunkelziffer kann nur geschätzt werden. Das erschwert, Entscheidungen zur Steuerung der Infektion zu treffen.

Viele Positiv-Getestete ohne Symptome

Bei den täglich rund 100 Corona-Testungen im Tropeninstitut werde festgestellt, "dass eine nicht unerhebliche Zahl an infizierten Menschen über den gesamten Verlauf ihrer Infektion überhaupt gar keine Symptome haben", erläuterte Hölscher. Insofern sei auch mit einer nicht unerheblichen Anzahl unentdeckter Infektionen zu rechnen, die Schätzungen lägen zwischen 1 und 10 Prozent der Bevölkerung.

Auf Basis derart vager Daten lasse sich nicht kalkulieren, wie lange es beispielsweise dauert, bis eine 60- bis 70-prozentige Infektionsrate erreicht ist, die nötig sei, um die Verbreitung des Virus‘ auch ohne Impfstoff zu stoppen.

Das soll die neue Antikörper-Studie ändern. Antikörper entstehen, wenn sich der Körper gegen eingedrungene Erreger wehrt. Anhand ihres Nachweises lässt sich nachvollziehen, ob sich jemand - in diesem Fall mit Sars-CoV-2 - infiziert hat, auch ohne Symptome.

Aus der Erhebung sollen sich aber auch Erkenntnisse ableiten lassen dafür, ob beispielsweise Maßnahmen gelockert werden können, für den Bedarf an Krankenhausbetten und Beatmungsgeräten, über die Verbreitungsgeschwindigkeit zum Beispiel innerhalb von Familien und ähnliches.

So verläuft die Studie

Konkret werden stichprobenartig und repräsentativ 3000 Münchner ermittelt, mit Informationen zur Studie versorgt und schließlich um eine Blutprobe (3 Milliliter, entspricht etwa einem Teelöffel) für den Antikörpertest gebeten. Zudem werden medizinische Daten per elektronischen Fragebogen erhoben. Das Ganze wird alle drei Wochen wiederholt. Dadurch könne erstmals die Dynamik des Infektionsgeschehens beobachtet werden, stellvertretend für die Gesamtbevölkerung, erläutert Hölscher.

Polizisten als Echtheits-Garantie

Begleitet wird das medizinische Personal, das zu den Bürgern nach Hause kommt, übrigens zunächst von Polizisten, damit die angefragten Münchner sicher gehen können, dass keine Betrüger vor ihrer Tür stehen – nicht nur zu Corona-Zeiten versuchen Gauner mit allerlei Tricks, sich Zugang zu Wohnungen zu verschaffen.

Warum München? Die bayerische Landeshauptstadt ist mit gut 3000 Corona-Infizierten vergleichsweise stark betroffen und eignet sich laut Hölscher als Test-Region, da es viele unabhängige Infektionsherde gebe – wie es in vielen Städten und Landstrichen Deutschlands der Fall sei. Anders in Tirschenreuth oder Heinsberg (dort gibt es eine ähnliche Studie im kleineren Umfang), wo sich das Sars-CoV-2 maßgeblich über ein großes Event – Karneval, Starkbierfest – verbreitet hat.

Hölscher räumte ein, dass die derzeit erhältlichen Antikörper-Tests für das Coronavirus noch verbesserungswürdig seien. Deshalb würden alle Proben aufgehoben und nochmals untersucht, wenn es bessere Tests gebe.

Erstes Steuerungsinstrument

Dessen ungeachtet liefern nach seiner Überzeugung die bald erzielten Ergebnisse Bayern ein erstes Steuerungsinstrument, die Wirksamkeit von Maßnahmen und Entwicklung der Epidemie werde sichtbar.

Langfristig sei wichtig, dass deutschland- und weltweit ähnliche Studien durchgeführt würden, so Hölscher. Bereits jetzt stehe man im Austausch mit nationalen und internationalen Wissenschaftlern und Instituten.

Bayern gründet Expertenrat

Bayern kündigte zudem an, einen interdisziplinären Expertenrat mit Mikrobiologen, Virologen und Medizinern zu gründen, der fortan die Landesregierung beraten wird.

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16 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Das ist doch keine Erfindung von München hat Bonn längst in Heinsberg gemacht .Fällt ihn sehr spät ein
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wize.life-Nutzer
Die Zahlen, die wir täglich zur Kenntnis nehmen müssen sind alles andere als erfeulich. Die Fallzahlen steigen, also Menschen mit "positiv" - was für die betroffenen Menschen absolut negativ ist.
Getestet wird nur, wer entweder aus Risikogebieten kommt oder Symtome zeigt. So weit, so gut.
Doch wieviele Tests wurden denn schon gemacht und wie ist das Verhältnis in Zahlen zwischen negativ und positiv ?
Deutschland aht ca. 85 Mio Einwohner. Davon könnten ca. 60 % betroffen sein sagen die Virologen.
Davon schaffen das ca. 4/5 zu überstehen. Bleibt also eine Restsumme von ca. 10 Mio, die es ggf. nicht schaffen. Denen nützt ein Impfstoff in 2021 nicht mehr viel.
Jetzt ist die Jahreszeit für Erkältung auf bakterieller Basis (wir Norddeutschen kennen dafür das Wort "der hat sich verkühlt" - und hustet und schnieft. Das hat dann aber nichts mit Corona zu tun. Wer sich jahreszeitgemäß nicht passend anzieht, der riskiert eine Erkältung.
Zugegeben, dazu kommt jetzt die Pandemie mit Corona "oberdrauf". Das ist Infektion und keine Erkältung wegen kalter Füße etc. (wer sich bei der Gartenarbeit nicht gut kleidet etc. der erkältet sich - machmal.
Wenn ich "heute" getestet" werde und "negativ bekomme, kann sich das evtl. nächste Woche ändern, wenn man zu leichtsinnig ist (Abstandsregel etc.).
Was nützt ein Impfstoff, der erst Ende 2020 oder später kommt, dann ist der große Teil bereits betroffen. Was soll dann - die Virologen gehen von 2 Jahren aus - dann noch passieren. Alle Rentner ab 60 / 65 strikter Hausarrest und sozial Einsamkeit.
Bekannt ist, ältere Menschen sind immer anfälliger für dieses oder jenes.
Was ist zu tun ? Einen noch nicht genehmigten Impfstoff versuchen oder alternatriv es darauf ankommen lassen ?
Was mit Ärzten passiert, die es am Menschen testen und es geht schlecht aus - mit dem Arzt möchte ich nicht tauschen. Der wird in den Medien "verfrühstückt" 1. Klasse.
In diesem Sinne ein schönes Wochenende - bleibt gesund und viel Glück.
Das ganze Leben ist ein Risiko.
Viele verlassen uns teils zu früh u.a. wegen Tabakrauch, Alkohol, Drogensucht, Hygienemangel in den Kiniken (siehe Aktion STERN vor ca. 4 Jahren), Unfällen, Masern etc.
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wize.life-Nutzer
Da kann man nur hoffen dass dieser ganze Spuck alsbald vorbei ist, denn irgendwann weiß man sowieso nicht mehr was "Hinten und Vorne" ist.
Ich wahr heute im DM-Markt und habe die Kassiererin gefragt ob ich den auch Bar bezahlen kann. Die Antwort wahr ernüchternd: Wieso fragen Sie ! beim DM hat sich nichts geändert, hier ist alles so geblieben wie es immer wahr.....
wize.life-Nutzer
Der Spuck ist erst vorbei, wenn es eine Immunisierung und Impfstoff gibt!
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wize.life-Nutzer
es wird wohl immer Menschen geben die das Hirn nicht einschalten.-
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wize.life-Nutzer
Danke für diesen Beitrag, der sachlich gut informiert. Ich habe mir die gestrige Pressekonferenz auch angehört und bin begeistert, wie schnell die Wissenschaft in Deutschland agiert.

Schade, dass die zwei Kommentare unter mir etwas "unterirdisch" klingen, oder sagen wir mal sachlich "uninformiert"
wize.life-Nutzer
Die Überforderung spricht da durch, sei nachsichtig.
wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Schade das Dummheit nicht sichtbar ist
wize.life-Nutzer
Sorry, hast du irgendwie den Durchblick verloren? Was soll dumm sein?
wize.life-Nutzer
wer???
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wize.life-Nutzer
die können machen was die wollen in München.Vielleicht sind die Probennehmer selbst infiziert.
wize.life-Nutzer
Was verstehst du denn an dem Beitrag nicht?
wize.life-Nutzer
Es geht in Deutschland nicht um den Virus--sondern um die schwachen Immunsysteme und die Vor- Erkrankungen.Der gesunde Mensch hat ca. 2 KG Microbiom im Darm--und der Virus hat keine Chance.Wir haben "kein" Gesundheits-System, sondern eine Krankheits-Industrie.
wize.life-Nutzer
und die Sonne geht im Westen auf.
wize.life-Nutzer
sehe ich ähnlich. Herr Hänisch.Besonders auf die die am besten mackieren können.Das können viele Deutsche gut.Werden dann noch kranker gemacht als sie sind.Da kann ich als Steinmetz,-Fliesenlegermeister einiges von berichten.Mein Betrieb umfasste in meinen 36 Jahre Selbstständigen Jahre fast bis 60 Arbeitnehmer.
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