Mindestlohn: Pflegekräfte müssen 53 Jahre arbeiten für 814 Euro Rente

Pflegekräfte sind systemrelevant – das hat sich in Corona-Zeiten besonders gezeigt. Noch immer wird ihr Verdienst zu wenig mit entsprechendem Honorar gewürdigt. Das zeigt auch die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag.

Altenpfleger werden dringend gebraucht
Altenpfleger werden dringend gebrauchtFoto-Quelle: pixabay

Wer in der Pflege lediglich den Mindestlohn bekommt, müsste bei einer 35-Stunden-Woche 53 Jahre ununterbrochen arbeiten, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung von aktuell 814 Euro zu erhalten. Das geht aus der Antwort des Arbeitsministeriums hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Bei einer 30-Stunden-Woche erhöht sich der Wert sogar auf 62 Jahre.

Grundrente würde erheblich Abhilfe leisten

Basis der Berechnungen ist der ab Juli gültige Mindestlohn für ungelernte Pflegekräfte von 11,60 Euro im Westen.

Bei Einführung der Grundrente würde den Berechnungen zufolge die Dauer von 62 auf 36 Jahre beziehungsweise von 53 auf 35 Jahre reduzieren.

Linken-Politikerin dringt auf höhere Löhne

Linken-Pflegeexpertin Pia Zimmermann forderte gute und auskömmliche Löhne. Sie verwies darauf, dass in den kommenden Jahren in der Pflege Hunderttausende Beschäftigte zusätzlich gebraucht würden. Nötig seien allgemeinverbindliche Tarifverträge sowie Mindestlöhne, die vor Armut im Alter schützen. "Andernfalls steuern wir in der Altenpflege in eine Katastrophe", warnte die Linken-Politikerin.

Leichte Anhebung des Mindestlohns beschlossen
Die Bundesregierung hatte sich im April auf einen Pflegemindestlohn geeinigt. Mit der entsprechenden Verordnung folgt sie den Empfehlungen der Pflegekommission von Ende Januar.

Folgende Erhöhungen sind vorgesehen:

Pflegehilfskräfte: Der Pflegemindestlohn für ungelernte Pflegekräfte steigt um 16 Prozent (Ost) bzw. 11 Prozent (West) von derzeit 10,85 Euro bzw. 11,35 Euro pro Stunde schrittweise bis 2022 auf 12,55 Euro pro Stunde für West und Ost. Das entspricht bei einer 40-Stunden-Woche einem Monatsentgelt von rund 2.183 Euro. n einem ersten Schritt wird es ab 1. Juli 11,20 Euro im Osten und 11,60 Euro im Westen geben. Ab dem 1. September 2021 soll es keine regional unterschiedlichen Pflegemindestlöhne mehr geben.

Pflegekräfte mit ein- oder zweijähriger Ausbildung: Der Mindestlohn steigt bis 2022 um 22 Prozent (Ost) bzw. 16 Prozent (West) auf 13,20 Euro pro Stunde; damit liegt bei einer 40-Stunden-Woche das Monatsgrundentgelt bei 2.296 Euro.

Dreijährig ausgebildete Fachkräfte: Erstmals wird es ab Juli 2021 einen Pflegemindestlohn für dreijährig ausgebildete Fachkräfte geben. Dieser beträgt zum Start 15 Euro pro Stunde und er steigt im April 2022 auf 15,40 Euro pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche beträgt das Grundentgelt 2.678 Euro.

Urlaub: Pflegekräfte haben zudem künftig einen Anspruch von 25 bzw. 26 Tagen pro Jahr – statt dem gesetzlichen Anspruch von 20 Tagen.

Hier sehen Sie die Löhne für jedes Bundesland.

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