Zecken auf dem Vormarsch: So geht man mit den Blutsaugern um!
Geschichten aus der Praxis : Vom richtigen Umgang mit Blutsaugern
Geschichten aus der Praxis : Vom richtigen Umgang mit BlutsaugernFoto-Quelle: Pixabay

„Ich bin gestern von einer Zecke gebissen worden. Die Zecke habe ich entfernt. Und eine Zeckenimpfung habe ich auch. Muss ich jetzt noch irgendetwas beachten?" Solche Fragen höre ich in der Praxis fast täglich. Die klare Antwort lautet: Ja. Und zwar eine ganze Menge.

„Ich bin gestern von einer Zecke gebissen worden. Die Zecke habe ich entfernt. Und eine Zeckenimpfung habe ich auch. Muss ich jetzt noch irgendetwas beachten?" Diese Frage – in unterschiedlichen Variationen – stellen mir meine Patienten im Frühsommer fast täglich. Die Antwort lautet ganz klar: Ja.

Eine Zecken- Impfung schützt lediglich vor der durch Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis (FSME). Deutlich höher ist die Gefahr, sich mit einer anderen unangenehmen Krankheit, der Borreliose anzustecken. Dagegen gibt es keine Impfung, sie muss daher mit anderen Mitteln bekämpft werden. Aber der Reihe nach.

Gemein - der gemeine Holzbock

Zecken sind gemeine Biester, Spinnentiere, die sich vom Blut anderer Lebewesen ernähren, und dabei leider auch Krankheiten übertragen. Sie leben bei Temperaturen ab 8 Grad, immer in der Nähe feuchter Erde – also nicht nur um Wald, sondern auch im Gras oder auf dem heimischen Balkon. Von da aus suchen sie sich eine geeignete Stelle für ihre nächste Blutmahlzeit. Warme, weiche Körperregionen wie z.B. die Leistenregion, Kniekehlen, Hals, Ohren und Kopf sind besonders begehrt.

Dort beisst die Zecke am häufigsten zu und saugt sich satt. Dabei wird der Speichel der Zecke in die Bissstelle gespritzt. Immer wieder, oft über Stunden hinweg. Deshalb steigt das Risiko einer Infektion auch, je länger die Zecke saugt.

Folgende Krankheiten werden bei uns am häufigsten durch Zecken übertragen:

FSME

Auch wenn die Angst vor FSME weit verbreitet ist: Tatsächlich ist sie eine relativ seltene Viruserkrankung, die überwiegend in Süddeutschland vorkommt und meist recht harmlos verläuft. Nur zehn bis 30 Prozent der Infizierten entwickeln eine Art grippalen Infekt. Schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen, sind eher selten.

Schutz gegen FSME bietet eine Impfung. Wer also in einem der Verbreitungsgebiete lebt und häufig in der Natur zu tun hat, sollte sich impfen lassen.

Borreliose

Im Gegensatz zur FSME ist die Borreliose eine echte Volkskrankheit. Während das Robert-Koch-Institut im Jahr 2011 gerade einmal 423 FSME-Fälle in Deutschland zählte, infizierten sich (je nach Quelle) zwischen 60 000 und 750 000 Menschen mit Borreliose. Und zwar Jahr für Jahr. Deutschlandweit. Das Risiko einer Infektion liegt nach einem Biss bei etwa 25 Prozent.

Zwar kann man die Krankheit gut in den Griff bekommen. Das Zeitfenster dafür ist aber relativ eng. Wichtig ist es daher, die vielen möglichen Symptome der Borreliose zu kennen, damit im Falle einer Infektion zeitnah behandelt werden kann.

 

  •  Hautausschlag. Die sogenannte „Wanderröte" tritt bei der Hälfte der Infizierten auf und zeigt sich fünf bis 30 Tage nach dem Biss. Wer in dieser Phase sofort Antibiotika einnimmt, dessen Chancen auf eine Heilung liegen bei nahezu 100 Prozent.
  • Nach vier bis 16 Wochen tritt das zweite Stadium der Borreliose ein. Der Erreger verbreitet sich im Körper. Gelenk- oder Nervenentzündungen aber auch Hirnhautentzündungen können die Folge sein.
  • In Stadium III der Erkrankung bleiben die Bakterien im Körper. Es kommt zu chronischen Erkrankungen. Eine vollständige Heilung ist in diesem Stadium kaum mehr möglich.


Biss im Erdbeerfeld

Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern leben ausschließlich bodennah in Gras und Büschen. Lange Kleidung ist daher der beste Schutz vor einem Biss, Nach dem Aufenthalt im Freien sollte man sich zudem gründlich nach Zecken absuchen, die zum Teil so klein sind, wie der Punkt am Ende dieses Satzes.

Und wenn dennoch mal etwas passiert? Keine Panik. Die Zecke vorsichtig entfernen und den Einstich desinfizieren. Und ganz wichtig: Den Biss und die Bissstelle nicht vergessen und bei möglichen Zeichen einer Infektion wie Grippe oder Wanderröte unbedingt den Arzt aufsuchen. Durch Bluttests lässt sich nach einigen Wochen eine Infektion sicher nachweisen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, hat auch die Möglichkeit, die Zecke für etwa 60 bis 80 Euro auf Krankheitserreger untersuchen zu lassen. Also Zecken mit Tesafilm auf ein Blatt kleben und ins Labor schicken. Aber gut verpackt!

16 Kommentare

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Alexander Schiechel
Stimmt! Und was mir auch gerade wieder einfällt, die tollen Bestellformulare:
- Falle, klapp, für Kleintier grau (Standard-Mausefalle)
- Falle, mobil, für Kleintier grau (Katze)
Aber jetzt bin ich schon zu weit vom Zeckenthema weg, Entschuldigung. Evtl. schreiben wir mal einen Beitrag zu unserer Bundeswehrzeit - sicher spannend.
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Ina Gesellensetter
Truppengattung hin oder her- was waren denn das für Zecken? Denn die Kampfanzüge, an die ich mich erinnere, hätten es einer Zecke doch schwer gemacht. Und wenn sie aus menschlichen Gründen geöffnet werden, dann doch meist nicht sooooo bodennah!!!
Ich kenn das eher bei kleinen Jungs nach dem Erdbeerenpflücken!
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Alexander Schiechel
Selbst ist der Mann. Und Fischen ein saugefährlicher Sport!
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Alexander Schiechel
Wir hätten zusammen bei der Bundeswehr sein können, Herr Timm!
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Alexander Schiechel
Es gibt auch ganz schlimme Stellen, an denen man eine Zecke haben kann. Wo ist nur der Rote-Kopf-Smiley aus Skype, wenn man ihn braucht...
PS an die Autoren: Die Zitate-Box und die Aufführungen für Beiträge werden in Kürze repariert, bitte nicht wundern/ärgern aktuell. Danke für euer Verständnis.
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wize.life-Nutzer
würde vorschlagen, den ästhetischen aspekt erst mal außen vor zu lassen, das kompliziert die sache nur unnötig ...
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Ina Gesellensetter
Tipp an die "ohne Socken- Fraktion": Zwischen den Zehen nach Zecken suchen, da ist die Haut warm und weich und da beißen sie gern!
Bemerkung an die "mit-Socken-Fraktion": Socken und Sandalen habe ICH NICHT EMPFOHLEN!! Zecken hin oder her...
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Ina Gesellensetter
Das ist richtig, das "Herausschrauben" ist Quatsch. Mit " kleine Drehbewegungen" meine ich eher so ein " herausnackeln", minimal hin und her, damit sich die Widerhaken ( oder was auch immer den Haltemechanismus der Viecher ausmacht ) löst. 1/10 mm nach rechts, 1/10 mm nach links und dabei gefühlvoller Zug!
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wize.life-Nutzer
Ich habe letzten Sommer von einer Studie gelesen, die mehr oder weniger besagte, dass das Drehen von Zecken sogar eher kontraproduktiv sein soll, da rein physiologisch kein Anhaltspunkt besteht, dass Drehen irgendwelche Vorteile bringt. Wenn, dann soll ein möglichst gerades Herausziehen der Zecken gut sein, da sie auch gerade in die Haut einstechen und dabei keine drehenden Bewegungen durchführen (und man beim geraden Herausziehen somit die beim Einstechen gefertigten "Bahnen" nutzt).
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Ina Gesellensetter
Was bei der Suche auch hilfreich ist, sind helle Baumwollklamotten, denn darauf sieht man die Krabbler, bevor sie zu Haut und Zielort gelangen. Und liebe Catrin, wenn Dir Darminhalt nicht gefällt, nennen wir es halt Verdauungssekret!
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