Weniger Verkehr in der Coronakrise - wird dadurch auch die Luft besser?

Die Ausgangsbeschränkungen in der Coronakrise führen zu deutlich weniger Autos auf den Straßen in Deutschland. Die Luftqualität ist offenbar besser geworden, das zumindest zeigen Satellitenbilder. Doch in einigen Städten werden trotz des geringeren Verkehrsaufkommens höhere Feinstaubwerte gemessen. Wie kann das sein?

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Wegen der in der Coronakrise geltenden Ausgangsbeschränkungen ist weniger los auf den Straßen - wie hier auf der Inntalautobahn Anfang AprilFoto-Quelle: wize.life

Wie sehr sich die Coronakrise auf den Verkehr auswirkt, das zeigte an Ostern ein Blick von den Autobahnbrücken in ganz Deutschland: Die sonst vor und nach den Feiertagen so vollen Fernverkehrsstraßen waren beinahe gespenstisch leer.

"Historisch wenig Verkehr an Ostern", so die Bilanz des ADAC. Kaum Autos, kaum stockender Verkehr. Dabei zählen die Osterfeiertage "normalerweise zu den staureichsten Zeiten des Jahres", so der Automobilclub.

Auch im Alltag ist weniger los auf den Straßen. Zahlreiche Menschen sind im Homeoffice, damit entfällt der Weg zur Arbeit. Läden und Restaurants sind geschlossen, es gibt weniger Gründe, in die Stadt zu fahren.

Satellitenbilder zeigen weniger Luftverschmutzung

Das bleibt nicht ohne Wirkung auf die Umwelt: Satellitenbilder - wie sie etwa kürzlich die "Europäische Allianz für Öffentliche Gesundheit" (EPHA) veröffentlicht hat - zeigen, dass die Belastung mit schädlichem Stickstoffdioxid (NO2) in europäischen Städten zuletzt abgenommen hat. Darunter auch in deutschen Metropolen wie Frankfurt, München und Stuttgart.

Die Bilder zeigten, "dass die Luftverschmutzung in Städten rund um die Welt in Folge der Covid-19-Quarantänemaßnahmen dramatisch zurückgegangen ist", heißt es dazu vonseiten der EPHA.

Ähnlich sah es etwa einen Monat zuvor auch in China aus: Hier zeigten Satellitenbilder der Nasa im Februar einen signifikanten Rückgang des schädlichen Stickstoffdioxids. Experten führten dies auch darauf zurück, dass die Wirtschaft des Landes wegen der Quarantänemaßnahmen teilweise lahmgelegt war.

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"Die aktuell vielerorts deutlich unter dem Jahresgrenzwert liegenden NO2-Werte verringern die Gefahr, zum Beispiel an Asthma zu erkranken", so am Mittwoch (15. April) die Deutsche Umwelthilfe.

Dass die Stickstoffdioxid-Belastung der Luft in den vergangenen Wochen zurückgegangen ist, bestätigte auch eine Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Umwelt dem Bayerischen Rundfunk (BR).

Geringere Stickstoffdioxid-Belastung

Seit dem 21. März - dem Tag des Beginns der Ausgangsbeschränkungen in Bayern - falle auf, dass die Stickstoffdioxid-Immissionen an den vom Verkehr stark belasteten Stellen "mit unterschiedlicher Ausprägung" zurückgegangen seien.

Ein Zusammenhang mit den Ausgangsbeschränkungen sei daher wahrscheinlich. Aber vermutlich nicht der einzige Grund: "Auch ohne die Ausgangsbeschränkungen wäre der NO2-Wert deutlich gesunken", zitiert der BR die Sprecherin.

Der Grund: das Wetter. Die veränderte Wetterlage mit starkem Ostwind, der kalte Luft und Turbulenzen gebracht habe, sorge für "eine Verdünnung der Schadstoffe".

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Deshalb sei es unmöglich, jetzt schon zu sagen, was vor allem zu einer Reduktion Stickstoffdioxid-Immissionen führe: Die wegen des Coronavirus geltenden Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren? Oder das Wetter?

Erst 2021 weiß man Genaueres

Um dazu eine Aussage treffen zu können, müssen den Experten zufolge die Daten über einen längeren Zeitraum hinweg - etwa ein Kalenderjahr - analysiert werden.

Erst dann "sind belastbare Aussagen möglich", so die Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Umwelt gegenüber dem Sender. Erst Anfang 2021 weiß man demnach Genaueres. Die Schwankungen seien zu groß.

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So waren Stickstoffdioxid-Werte an einzelnen Messtationen sogar morgens erhöht, worauf eine Expertin des Umweltbundesamts in der Süddeutschen Zeitung hinweist. "Teils ist die morgendliche NO2-Spitze sogar höher als üblich, vielleicht weil die Leute öffentliche Verkehrsmittel meiden", zitiert das Blatt die Leiterin des Fachgebiets Luftqualität.

Auch sie weist darauf hin, dass es zu früh ist für seriöse Aussagen zur Auswirkungen der Coronakrise auf die Luftqualität.

Teils höhere Feinstaub-Werte

In Sachen Luftqualität ist die Stickstoffdioxid-Konzentration das eine. Feinstaub das andere.

Und hier waren die Werte in einigen Städten - wie etwa in München - sogar trotz des geringeren Verkehrs teilweise leicht erhöht.

Auch hier gehen Experten davon aus, dass das Wetter eine wichtige Rolle spielt. Fast seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen herrscht eine Inversionswetterlage vor.

Was eine Inversionswetterlage bedeutet, erklärt ein Meteorologe auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) so: "Bei einer Inversion befindet sich eine wärmere Luftschicht über einer kühleren."

Bedeutet: Unten am Boden kommt es nur zu geringem Luftaustausch.

Schadstoffe sammeln sich am Boden

"Feuchtigkeit und Abgase sammeln sich unter der Inversionsschicht in der bodennahen Kaltluft", sagt der DWD-Experte.

Dies könnte ein Grund für eine erhöhte Feinstaubkonzentration sein. Doch auch hier gilt Experten zufolge: Für ist eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh.

Im Video: Kampf gegen Corona: Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen - das sind die aktuellen Regeln

1 Kommentar

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wize.life-Nutzer
Na klaro weniger Verkehr= ruhigere Atmung = bessere Luft
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