Feuer bei Tschernobyl - Ziehen radioaktive Wolken nach Deutschland?

Seit Wochen brennen Wälder in der Sperrzone nahe Tschernobyl. Die Gegend ist seit der Explosion des Atomreaktors 1986 durch giftige und radioaktive Stoffe belastet. Umweltschützer befürchten, dass radioaktives Material aufgewirbelt und vom Wind weiter transportiert wird. Bei ungünstiger Wetterlage bis nach Deutschland.

In der Region um die Atomruine Tschernobyl schwelen zwei Wochen nach dem Aus ...
In der Region um die Atomruine Tschernobyl schwelen zwei Wochen nach dem Ausbruch immer noch Brände.Foto-Quelle: Glomex/Euronews German

Seit dem 3. April brennen die Wälder in der Sperrzone nahe der Reaktorruine von Tschernobyl in der Ukraine. Bisher wurden nach Angaben von Greenpeace über 48.000 Hektar von den Flammen erfasst.

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Seit der Explosion des Atommeilers 1986 sei "ein Großteil der Flächen" stark durch hochgiftige und radioaktive Substanzen belastet, teilt die Umweltschutzorganisation mit. Die Böden seien mit Cäsium 137, Plutonium 239 und Strontium 90 belastet.

"Die Feuer wirbeln dieses radioaktive Material in die Luft. Winde verteilen es anschließend weitläufig", so Greenpeace.

Satellitenbilder zeigen, wie der Rauch aus der Sperrzone über die Ukraine ziehen, über die Hauptstadt Kiew hinweg.

Nach Angaben von örtlichen Behörden liegen die Messwerte bisher im Normalbereich. Am Freitag erreichten die Rauchwolken die etwa 70 Kilometer entfernte Hauptstadt Kiew. Bürgermeister Vitali Klitschko hatte via Facebook mitgeteilt, "in Kiew gibt es nur Rauch, keine Radioaktivität". Zuvor hatte die Stadtverwaltung dazu geraten, die Fenster zu schließen und nicht auf die Straße zu gehen.

Im Video: Brände in Tschernobyl: Die Rauchverbreitung in Europa

"Auch andere Teile Europas wurden mittlerweile von den stark verdünnten Rauchschwaden erreicht", sagte Alex Rosen, Vize-Chef der "Internationalen Ärzteorganisation zur Verhinderung eines Atomkriegs" (IPPNW ) am Montag (20. April 2020).

"Auch Deutschland könnte von radioaktiven Wolken betroffen sein"

Er warnt: "Bei ungünstiger Wetterlage und Windrichtung könnte auch der Rest Europas, könnte auch Deutschland von den radioaktiven Wolken betroffen sein."

Zumal der Wind in Deutschland gerade aus Osten und Nordosten kommt.

Die Ärzteorganisation beruft sich auf die französische Strahlenschutzbehörde IRSN, die mitgeteilt habe, dass Radioaktivität durch die Feuer freigesetzt worden sei.

"Jede zusätzliche Strahlenbelastung sollte vermieden werden"

"Die aktuellen Versuche, die Waldbrände zu verharmlosen sind daher unverantwortlich und gefährlich", sagt Rosen. "Es ist wichtig, jetzt zu handeln, bevor die Feuer sich weiter ausbreiten."

Die IPPNW hat die Bundesregierung aufgerufen, auf Ebene der EU Unterstützung für die Ukraine zu organisieren, um die Brände so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen.

"Es ist wichtig, zu verstehen, dass es keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen Radioaktivität ungefährlich wäre", so der Arzt Alex Rosen. "Jede zusätzliche Strahlenbelastung sollte möglichst vermieden werden."

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