Limburg: Katholischer Priester verging sich jahrelang an seinem Pflegesohn

Limburg an der Lahn (Hessen). Sieben Jahre lang wird ein Junge von seinem Pflegevater, einem katholischen Priester, sexuell missbraucht. Als er 20 Jahre alt ist, wendet sich der junge Mann an eine Freundin seiner verstorbenen Mutter und erzählt ihr von den Übergriffen. Zusammen schalten sie einen Mitarbeiter des Bistums in den Fall ein - doch dieser vertuscht die Taten.

Limburg: Katholischer Priester verging sich jahrelang am eigenen Sohn
Limburg: Katholischer Priester verging sich jahrelang am eigenen SohnFoto-Quelle: Pixabay

Das ist das Ergebnis einer internen Untersuchung, die die Diözese in Auftrag gegeben hatte und deren Abschlussbericht am Mittwoch auf der Webseite des Bistums veröffentlicht wurde. Die Vorwürfe gegen den Priester waren im Herbst 2018 bekannt geworden, nachdem das Opfer Strafanzeige gegen seinen Pflegevater erstattet hatte.

Demnach begann der Missbrauch, als der Junge 1986 im Alter von zehn Jahren nach dem Tod der Mutter von Bayern nach Hessen zu deren Cousin zog. Schon wenige Wochen nach der Ankunft des Jungen begannen die Übergriffe - zunächst in der Form von Berührungen und Küssen, später auch von Penetration.

Aus Scham und Angst vor dem Pflegevater, von dem er sich abhängig gefühlt habe, habe er jahrelang nichts gesagt, erklärt der Mann heute im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk. Zu den Übergriffen sei es mehrmals in der Woche gekommen - zu Hause, in der Kirche und auch im Urlaub.

Personalreferent vertuschte Taten

Der Missbrauch dauerte bis zum Jahr 1993, als das Opfer im Alter von 17 Jahren den Pflegevater und die hessische Provinz verließ. Drei Jahre später vertraute er sich einer Freundin der verstorbenen Mutter an, die zusammen mit ihm das Gespräch mit dem damaligen Personalreferenten des Bistums aufsuchte.

Zweimal traf sich der Mitarbeiter mit den beiden. Zwar bot der Referent eine gute psychologische Betreuung für den Jungen an, dennoch ging es in den Gesprächen auch darum, "ein Absehen des Opfers von einer Strafanzeige zu erreichen", wie es im am Mittwoch veröffentlichten Abschlussbericht steht.

Tatsächlich verzichtete der 20-Jährige damals darauf, den Pflegevater anzuzeigen. Dieser musste sich zwar einer mehrmonatigen psychotherapeutischen Behandlung in einer kirchlichen Einrichtung unterziehen, durfte aber danach wieder an seine alte Pfarrei zurückkehren und normal weiterarbeiten.

Keine Konsequenzen für Pfarrer

Viele Jahre später suchte das Opfer noch einmal den Personalreferenten auf und erfuhr, dass der Pflegevater in einer anderen Pfarrei tätig war. Zu Konsequenzen seitens der Kirche war es nicht gekommen - in den Akten finden sich laut Abschlussbericht keine Hinweise auf den Missbrauch oder die Gespräche.

"Ich wollte es einfach wissen, ich wollte es persönlich hören: Wie können Sie das rechtfertigen? Keiner weiß, was er gemacht hat", erklärt der Mann. Auch dieses Gespräch blieb geheim. Erst als die Kirche 2018 ihre Missbrauchsstudie veröffentlichte, traf er die Entscheidung, den Pflegevater anzuzeigen.

In einer Stellungnahme auf der Webseite des Bistums entschuldigt sich der Personalreferent bei dem Opfer. Auch der damals zuständige Bischof, der von den Übergriffen nichts gewusst haben will, gibt in einer separaten Erklärung an, er habe "schwere Schuld" auf sich geladen, und gesteht schwere Fehler ein.

Der Priester und Pflegevater des Opfers lebt inzwischen im Ruhestand im Bezirk des Bistums Bamberg. Ihm droht nun die Entlassung aus dem Klerikerstand. Strafrechtlich sind die Vorwürfe gegen ihn verjährt.

Quellen: "Sexueller Missbrauch im Bistum Limburg wurde vertuscht" (HR), "Missbrauchs-Opfer bricht sein Schweigen" (HR)

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