Gladbach gegen Bayern heute Topspiel - Klassiker in den 70ern

Wenn am 7. Dezember um 15.30 Uhr die Mannschaften von Borussia Mönchengladbach und des FC Bayern München im Spitzenspiel aufeinandertreffen, dann steht nicht nur das aktuelle Spitzen-Personal der Fußball-Bundesliga auf dem Feld. Es schwingt auch jede Menge Nostalgie mit.

April 1975: FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach 1:1 - Jubel nach de ...
April 1975: FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach 1:1 - Jubel nach dem Tor zum 0:1 durch Christian Kulik, Sepp Maier und Hans Georg "Katsche" Schwarzenbeck geschlagen, 2.v.re. Uli StielikeFoto-Quelle: Imago

Richtig ist: Es gab mal eine Zeit, da machten Borussen und Bayern die Meisterschaft praktisch unter sich aus. Mit Vorteilen für Gladbach!

Die Borussen holten zwischen 1970 und ’77 - unter Kult-Trainer Hennes Weisweiler, mit der legendären "Fohlen-Elf" und Spielern wie Berti Vogts, "Hacki" Wimmer, Günter Netzer und Jupp Heynckes - fünfmal die Schale. Bayern wurde mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller dreimal Meister.

Schnee von gestern? JEIN!

Denn wenn nun die Borussen auf die Bayern treffen, dann ist das nach Jahren der Dürre für Gladbach und Meisterschaften am Stück für Bayern - endlich! - wieder ein Spitzenspiel. Erster gegen Vierten.

Oktober 1972: Franz Beckenbauer und Günter Netzer
Oktober 1972: Franz Beckenbauer und Günter NetzerFoto-Quelle: Imago

Futter für Nostalgiker und Freunde des modernen Fußballs gleichermaßen. Die Begegnung zweier Top-Teams im Kampf um die Schale.

Gladbach so erfolgreich wie seit 42 Jahren nicht

Da ist die Borussia: Seit Wochen oben mit dabei. Erfolgreich wie seit 42 Jahren nicht mehr. Mit neuem Trainer, Marco Rose, den Gladbach-Manager Max Eberl vom österreichischen Serienmeister und Pokalsieger RB Salzburg holte - obwohl Vorgänger Dieter Hecking zuletzt mit Platz 5 in der Meisterschaft und der Qualifikation für die Europa League alles erreichte, was man sich in Gladbach von der Mannschaft erhofft.

Diesmal aber will Eberl, der noch im Oktober - ausgerechnet! - mit einer Liebeserklärung an den FC Bayern aufhorchen ließ ("der Verein, der mir viel bedeutet"), mehr. Er will es jetzt. Und die Chancen stehen gut.

Marco Rose hat die Borussia taktisch umgepolt und der klassischen Gladbacher Spielidee vom Konterfußball ein Update verpasst. Die Mannschaft tritt jetzt entschlossener und selbstbewusster auf. Rose lässt aggressiv nach vorne spielen. Und er hat, dank Eberl, auch das Personal dazu.

Bullen-"Sturm" Embolo, Plea und Thuram

Verteidiger vom Schlag eines Stefan Lainer zum Beispiel, der unermüdlich wie einst Berti Vogts die rechte Außenbahn beackert. Oder: Denis Zakaria. Der Sechser funktioniert nicht nur als Abräumer vor der Abwehr, sondern auch als genialer Ballverteiler aus dem (defensiven) Mittelfeld - Bayern und ManU hätten ihn gern, in Gladbach sehen sie in ihm schon den neuen Günther Netzer.

Die Krönung aber ist Gladbachs neuer "Bullen-Sturm": Breel Embolo, der aus Schalke kam, Alassane Plea und - Marcus Thuram. Der 22-jährige Zugang aus der Ligue 1, den auch Frankreichs Nationalcoach Didier Deschamps auf dem Zettel hat, hat schon bewiesen, dass er einer ist, der den Unterschied macht: Mit seinem Tor in allerletzter Minute gegen den AS Rom hat er Gladbach vor dem vorzeitigen Ausscheiden in der Europa League bewahrt.

Sieges-Serie nach Auftaktniederlagen

Überhaupt ist die Borussia des Jahrgangs 2019/2020 ein unerschrockenes Team. Dem Stolperstart mit drei Niederlagen zu Saisonbeginn ließen sie eine Serie von Siegen folgen. Und wenn sie wie neulich mal bei Union Berlin mit 0:2 verlieren, winken Opinion Leader der Mannschaft wie Christoph Kramer, ab: "Das war nichts, wo man sich danach fragt: Wie soll das in den nächsten Wochen weitergehen?" Sie wissen, dass es kein Spaziergang wird, wenn sie oben bleiben wollen. Aber: Man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Bayern mit Flick fast unbesiegbar

Mächtig erschrocken haben sich dagegen zuletzt die Münchner Bayern, als im Herbst die Ergebnisse nicht stimmten. Wieder mal, muss man sagen. Denn schon vor einem Jahr war man ebenfalls im Herbst, vor eigenem Publikum in der Allianz Arena, gegen die Gladbacher Borussia (!) mit 0:3 baden gegangen.

Heuer kassierten die Bayern dort unter anderem eine 1:2-Heimniederlage gegen Hoffenheim. Aber erst das an Verweigerung grenzende 1:5 in Frankfurt, bei dem sich die Mannschaft dem Gegner scheinbar willenlos ergab, kostete Trainer Niko Kovac den Job. Hansi Flick übernahm.

Kann Hansi Flick wieder jubeln?
Kann Hansi Flick wieder jubeln?Foto-Quelle: imago images/ActionPictures

Jetzt stimmen zwar die Ergebnisse wieder, wenn man mal den Ausrutscher gegen Leverkusen am vergangenen Wochenende beiseite lässt. Flick, der die Mannschaft zunächst nur für zwei Spiele - gegen Olympiakos Piräus in der Champions League und gegen Borussia Dortmund in der Liga - coachen sollte, darf nun offiziell bis Weihnachten weitermachen.

Und wenn es nach Jupp Heynckes geht - seines Zeichens Grandseigneur des deutschen Fußballs und Trainer beider Vereine, dann könnte der ehemalige Assistent von Bundestrainer Jogi Löw sogar eine Ära bei den Bayern prägen. "Flick ist prädestiniert für die Aufgabe als Cheftrainer des FC Bayern und der ideale Mann für diese Position - und zwar über diese Saison 2019/20 hinaus", schreibt Heynckes in seiner "Kicker"-Kolumne.

Flick war übrigens drei Jahre lang Spieler unter dem Bayern-Trainer Heynckes, von 1987 bis 1990. Heynckes wörtlich: "Ich kenne ihn in- und auswendig." Man darf gespannt sein.

Wackeliges Team stabilisiert

Hansi Flick hat mit einigen Kunstgriffen und ein bisschen Psychologie die wackelige Statik des Teams stabilisiert. Er hat den unter Kovac weinend auf der Ersatzbank schmachtenden Javi Martinez zum Turm in der Innenverteidigung gemacht. Den Weltklasse-Linksverteidiger David Alaba versetzte er in die Mitte, neben Martinez, wo der Österreicher nun fast noch mehr und überraschendere spieleröffnende Akzente setzt als auf seiner angestammten Position.

Auch der Rest der Abwehr, die sich nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Lucas Hernandes und Niklas Süle schon aufzulösen schien, funktioniert prächtig: Alphonso Davies zeigt auf der Alaba-Position, dass er beißen, kratzen und vor allem schnell nach vorne verteidigen kann, wie Flick sich das wünscht.

Von Benjamin Pavard, der nach rechts rückte, weil Flick seinem neuen Aggressive Leader Joshua Kimmich die Sechs anvertraute, kam unter anderem die Flanke zu Robert Lewandwowskis 1:0 gegen Dortmund. Aber auch über die neue Mittelachse - von Martinez über Kimmich bis zum von Kovac schon aussortierten Thomas Müller, der bei Hansi Flick nun wieder fast "immer spielt" - läuft viel.

Reifeprüfung für beide Mannschaften

Die neuen Bayern kommen jetzt nicht nur mehr über Außen mit dem pfeilschnellen Coman und dem völlig unausrechenbaren Gnabry, sondern auch durch die Mitte. Sie sind, vielleicht, so stark wie lange nicht. Und: Sie haben ja Lewandowski!

Gladbach gegen Bayern an diesem Samstag ist eine Reifeprüfung. Für beide Teams.

Der Klassiker, nein: nicht reloaded. Sondern brandneu aufgelegt!

22 Kommentare

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Eine Mannschaft nur mit Legionären -- Fussball ein Spiel wie seinerzeit im "Alten Rom" als martialischer Lustersatz .
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Alfred Walter Müller, Dein Kommi müßte sofort gelöscht werden...!
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Oh weh Klara, Fussball ist ein Kommerzgeschäft bester Güte, Die Akteure darin dienen zur Volksbelustigung. Wer löschen will zeigt seine Intoleranz gegenüber der freien Meinungsbildung.
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Was hast Du denn für Hobbies?
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Ich vermute mal Blödsinn verzapfen...
wize.life-Nutzer
Das geistige Niveau , nicht zu verwechseln mit Nivea, zeigt sich an Kommentaren wie K.P und W.K
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Ja Alfred ! Im Alten Rom in der Arena ....und die Gladiatoren hatten ja "freie Berufswahl" ...besser in der Arena als im Gefängnis
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wize.life-Nutzer
An die Redaktion:

Die Meisterschaften wurden schon ab 1969 (!) zwischen BMG
und FCB ausgefochten. Dem entsprechend hat der FCB vier (!)
Titel geholt, BMG deren fünf.

Quelle:

https://www.kicker.de/1-bundesliga/titeltraeger

Warum wird die erste Meisterschaft des FCB von 1969 hier
ausgeklammert? Nur wegen der > 70er < Jahre?

Kopfschüttel...

MfG
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Ergebnis 2:5 - das hat aber weniger mit Bayern zu tun, sondern mit 2-3 begnadeten Fuß-/Kopfballern. z.B. ein Pole und ein Ex_Schalker.
Mir auf keinen Fall sein mir.
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Werter Ferdi,

woher weißt Du das?

Der FCB wird heuer im Borussiapark mit ohne Punkte
die Heimreise antreten - 3:2 für die Fohlenelf!

MfG
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Ich weiß es natürlich nicht. Schauen wir mal, was Lewandowski allein so schafft.
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Nun ja, es scheint wohl, dass Lewa allein
nichts ausrichten konnte...

Der FCB hätte zur Pause mit 4:0 vorne liegen müssen (!).

Doch BMG hatte heute in der 2ten Hälfte
auch das Glück des Tüchtigen.

Tabellenführung verteidigt, FCB auf Platz 7.

Fohlenherz, was will ich mehr?

MfG
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Tja so gehts ... verpasste 100%-Chancen und schon geht es bei Bayern den Bach runter. ... so ist nun mal der Fußball.
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wize.life-Nutzer
Super interessant aber auch- was gehts mich an??
wize.life-Nutzer
Wenn es Dich nichts angeht: was schreibselst Du du dann hier rum?
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wize.life-Nutzer
Ich drücke auf jeden Fall schon mal alle für die Gladbacher Fohlen...!
wize.life-Nutzer
Werte Klara,

auch ich drücke alle Daumen für "meine" Fohlenelf.

MfG
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Dann sind wir ja schon mal Zwei! Schönes WE!
wize.life-Nutzer
Soo ein Taag, so wunderschöön wie heeuutee...

Auch Dir ein schönes WE

MfG
wize.life-Nutzer
Was war das denn für ein tolles Spiel von den Gladbachern....?! Und die Bayern waren noch nie so schnell in den Katakomben - vor allem der "weltbeste" Torwart war sichtlich angefressen!!!!!
wize.life-Nutzer
Werte Klara,

BMG darf sich nicht beschweren, wenn es zur Pause 0:4 steht.

Wir sind erst in die Gänge gekommen, als der FCB das Tor macht.

Und ja, MN hätte wohl gerne gewonnen...

Einen schönen Start in die Woche

MfG
wize.life-Nutzer
Das ist wohl wahr, Willi - Dir auch einen guten Wochenanfang...!
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