Obdachlose brutal zugerichtet - "Wie kann man einer Frau sowas antun?"

Das Foto der Frau zerreißt einem schier das Herz: Das Gesicht der 50-Jährigen ist übersät mit Prellungen, roten Flecken, auf der Stirn hat sie eine Schnittwunde. Ihre Augen sind geschlossen, trotzdem sieht man, dass sie weint. Die Obdachlose wurde vermutlich von ihrem Freund so übel zugerichtet.

Prellungen, rote Flecken, eine Schnittwunde auf der Stirn: Unklar ist, was z ...
Prellungen, rote Flecken, eine Schnittwunde auf der Stirn: Unklar ist, was zu den Verletzungen der Obdachlosen geführt hat. Der Verein "Little Home" sucht nun nach einem Platz im Frauenhaus für die 50-JährigeFoto-Quelle: Facebook/Screenshot/Little Home

"Wie kann man nur einer wohnungslosen Frau sowas antun?", fragt Sven Lüdecke, Initiator der Kölner Obdachlosen-Initiative "Little Home". "Das ist feige, eine hinterhältige und armselige Tat", schreibt Lüdecke auf Facebook, wo er das Foto - mit Einwilligung der Frau - veröffentlicht hat.

Er habe das Bild aus Wut gepostet, "weil man so nicht mit Menschen umgeht", sagte der 42-Jährige der "Bild".

Die geschundene Frau namens Gabriele ist eine Bewohnerin der "Little Homes" in Köln-Neuehrenfeld. Dort lebt sie in einer der wenige Quadratmeter großen Holzhütten, zuletzt offenbar mit ihrem Freund.

Was ist an jenem Abend passiert?

Was genau an jenem Abend passiert ist, an dem die Polizei Gabriele mit schweren Verletzungen im Gesicht vorgefunden hat, ist unklar.

"Bitte verzeiht uns, wenn wir aktuell nicht mehr zum Tathergang sagen können", schreibt Lüdecke auf Facebook. Grund seien die laufenden Ermittlungen der Polizei.

In dem grünen Holzhäuschen lebte die Obdachlose bisher.
In dem grünen Holzhäuschen lebte die Obdachlose bisher.Foto-Quelle: Facebook/Screenshot/Little Home

Offenbar waren Gabriele und ihr Freund Adam in Streit geraten. Angeblich ging es um das letzte Bier. Wegen des Streits habe die 50-Jährige den Little Home-Initiator Lüdecke angerufen, berichtet die Bild. Der wiederum alarmierte die Polizei.

Keine Anzeige erstattet

Als die Beamten vor der kleinen grünen Hütte in Köln-Neuehrenfeld eintrafen, hatten sich Gabriele und Adam wieder vertragen, so die Zeitung. Die übel zugerichtete Frau wollte demnach keine Anzeige erstatten und auch keine ärztliche Hilfe.

Gabriele und ihr Freund Adam hatten offenbar an jenem Abend getrunken. Bei ihr wurden 1,8 Promille im Blut festgestellt, bei ihrem Freund 1,6 Promille.

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Der Freund behauptete der Zeitung zufolge, Gabriele habe sich im Rausch mehrmals mit einem Hammer ins Gesicht geschlagen.

Ob das stimmt, werden die Ermittlungen der Kriminalpolizei zeigen.

"Sie hat Angst"

Die Obdachloseninitiative Little Home kündigte auf Facebook an, jetzt für Gabriele einen Platz in einem Frauenhaus zu suchen. "Sie hat Angst", sagte Sven Lüdecke dem Onlineportal "Der Westen".

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In ihrem kleinen Little Home-Häuschen könne sie womöglich nicht mehr bleiben, schreibt die Bild. Denn für die Bewohner seien Alkohol und Drogen tabu.

Jede Stunde wird eine Frau durch ihren Partner verletzt

Sven Lüdecke, der seit Jahren zusammen mit anderen Freiwilligen kleine Häuschen für Obdachlose zimmert und dafür den Verein „Little Home“ gegründet hat, will durch die Veröffentlichung des Fotos auch auf diese furchtbare Tatsache hinweisen: „Mehr als einmal pro Stunde wird statistisch gesehen eine Frau durch ihren Partner gefährlich verletzt“, schreibt er auf Facebook und bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamts.

Erst kürzlich, am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey die neuesten Statistiken präsentiert: "Sie zeigen, dass weiterhin viel zu viele Frauen unter Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner leiden“, so die SPD-Politikerin.

Mehr Fälle von Partnerschaftsgewalt

Den BKA-Daten zufolge sind im vergangenen Jahr mehr Frauen in Deutschland Opfer von Partnerschaftsgewalt geworden - die Zahl stieg von von 113.965 auf 114.393 an. All diese Frauen wurden Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch Ehemänner, Partner oder ehemalige Partner. 122 Frauen starben 2018 durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners.

Auch Gewalt gegen Männer verzeichnet die BKA-Statistik, allerdings in weit geringerem Umfang: Etwa 26.000 Männer wurden 2018 von ihren Partnern, Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen.

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