"Geht zu laut": Schwerbehinderter Frau droht Rauswurf aus Wohnung

Carmen Erol, 58, ist schwerbehindert. Sie hat nur einen Arm und ist auf Gehhilfen angewiesen – der Verdacht: Muskelschwund. Unter den Umständen eine Arbeit zu finden ist schwierig. Jetzt könnte es noch dicker kommen: Die Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen will die 58 Jahre alte Frau vor die Tür setzen.

Eine schwerbehinderte Frau droht ihre Wohnung zu verlieren (Symbolbild)
Eine schwerbehinderte Frau droht ihre Wohnung zu verlieren (Symbolbild)Foto-Quelle: ThomasxImo/photothek/imago

Carmen Erol wohnt zusammen mit ihrem 20 Jahre alten Sohn Maurice in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, 59 Quadratmeter, mit Balkon im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Spandau, wie die „bz-berlin.de“ berichtet. Seit 2012, zu einem vergleichsweise günstigen Mietvertrag.

Nachbarn beschweren sich

Seit Juli hat sie schlaflose Nächte. Denn der Eigentümer, die Deutsche Wohnen, die deutschlandweit rund 167.000 Wohnungen besitzt, hat ihr gekündigt. Der Grund: Beschwerden von Nachbarn, Carmen Erol würde nachts Möbel herumtragen und "laut laufen". So schilderte es Erol der Zeitung. Sie fragt sich: "Wie soll ich das in meinem Zustand machen?"

Neuer Mietvertrag würde mehr Geld bringen

Ihre Vermutung ist, dass der Deutschen Wohnen der günstige alte Mietvertrag ein Dorn im Auge ist – sie zahlt 650 Euro Miete. "Bei Neuvermietung bekämen sie sicherlich mindestens 1000 Euro", glaubt sie.

Schimmel in der Küche

Mit Hilfe eines Anwalts ließ sie die Kündigung anfechten. Ihrer Schilderung zufolge wurde dann auch noch Schimmel in Küche und Kinderzimmer gefunden. Die Kosten für die Renovierung - 500 Euro – musste sie übernehmen. Nicht einfach für eine Hartz-IV-Bezieherin.

Räumungsklage, da Wohnung nicht sauber gehalten werde

Bei einer Wohnungsbegutachtung habe eine Vertreterin der Deutschen Wohnen ihr vorgeworfen, dass sie und die Wohnung stänken – es folgte eine Räumungsklage ein. Wegen ihrer Behinderung könne die Frau die Wohnung nicht in Ordnung halten.

Gesellschaft: Beschwerden häufen sich stark

Dazu befragt sagte ein Sprecher der Immobiliengesellschaft: "Natürlich fällt es uns nicht leicht, einer Frau in dieser Verfassung zu kündigen. Doch in den letzten zwei Jahren haben sich Beschwerden gegen Frau Erol angehäuft, auf die wir im Dienst der Nachbarn reagieren müssen."

Gerichtsstreit noch offen

Aus ständiger Angst vor dem Rauswurf nimmt die Angeklagte inzwischen Schlaftabletten. Tatsächlich suche sie auch schon nach einer neuen Bleibe, allerdings vergeblich.

Vor Gericht blieb der Streit zunächst ohne Einigung, im Januar geht er in die nächste Runde.

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