Kaspers kulinarische Kapriolen: Kampf dem Hugo-Preis-Terror
Kaspers kulinarische Kapriolen: Kampf dem Hugo-Preis-Terror
Kaspers kulinarische Kapriolen: Kampf dem Hugo-Preis-Terror

Der Juni ist ein famoser Monat. Die ersten lauen Nächte, duftende Gärten und Vorsommerfeeling. Beliebtes Begleit-Getränk: der Hugo. In Straßencafés zu horrenden Preisen angepriesen. Ich sage dem Wucher den Kampf an, nutze die Gunst der Stunde und bastle mir selbst einen Hugo. Schließlich blüht gerade der Holunder.

Es ist wieder soweit: In großen Dolden hängen die gelblich-weißen kleinen Blüten am Hollerbusch, zu finden in Gärten, am Waldrand und an Häuserecken. Und es duftet unvergleichlich nach Frühsommer, lauen Nächten ... Der Holunder ist einer der häufigsten Sträucher in ganz Deutschland, ein anspruchsloses Gewächs, das mit wenig auskommt. Und um das sich Geschichten und Mythen ranken. Früher hieß es, zu jedem Haus gehört ein Holler, wie das Gewächs in Bayern heißt. Denn im Holler wohnt Frau Holle, die das Haus beschützt und Unbill jeglicher Art abwendet. So schützt der Busch vor Feuer und Blitzeinschlag, ja sogar Hexen und schwarze Magie soll er abwenden können. Und es galt als schweres Verbrechen, einen Holunderbaum zu fällen, da dies angeblich Unglück und sogar Tod bringen konnte. Bei so viel Talent ist es kein Wunder, dass es früher hieß, vor dem Holunder müsse man den Hut ziehen.

Überdies dient der Holler auch als Heilpflanze. Die getrockneten Blüten werden bei Erkältung und Grippe zum Schweißtreiben als Tee verabreicht, sollen Gicht und Arthritis lindern. Die Früchte, die im frühen Herbst geerntet werden, enthalten viel Vitamin C und beugen so Erkältungskrankheiten vor. Blätter und Rinde sollen eine leicht abführende Wirkung haben, da sie aber leicht giftig sind und zu Magen- und Darmbeschwerden führen können, sollte man lieber die Finger davon lassen.

Hugo treibt sein Unwesen

In der Küche macht man aus den Blüten die berühmten Hollerkücherl (die Blüten werden in einen Pfannkuchenteig getunkt und im Fett ausgebacken), Limonaden und Sirup, mancherorts sogar Sekt. Später im Jahr, wenn die Früchte reif sind, sind Hollerkoch (auch Hollertauch oder Hollerbriah genannt), also ein Kompott aus den Beeren, oft gemischt mit anderen spätsommerlichen Früchten wie Birnen, Äpfel oder Zwetschgen, aus der regionalen Küche nicht wegzudenken.

Die Legenden und Heilkräfte dürften heute bei den meisten in Vergessenheit geraten sein, indes erobern die Holunderblüten in Limonaden, Joghurt und Halsbonbons neuerdings die Supermärkte. Und nicht zu vergessen der stylische Hugo, der in den  In-Lokalen dies- und jenseits der Alpen sein Unwesen treibt. Hugo wer? Angeblich in Südtirol erfunden, avancierte der Holunderblüten-Prosecco-Cocktail schnell in der Münchner Szene zum Must-have. Und weitete seinen Siegeszug langsam aber stetig auf Restdeutschland aus.  Spritz war gestern, wer heute etwas auf sich hält, greift zum Hugo. Und in der Tat ist der Cocktail aus Holunderblütensirup, etwas Zitronensaft, Prosecco, Mineralwasser  und Minze eine gelungene Erfrischung für heiße Sommertage. Wäre da nicht der oft horrende Preis von bis zu sieben Euro pro Gläschen.. Doch mit der Geldschneiderei soll nun Schluss sein. Dank dem Holler schlägt jetzt die Stunde für den Hugo-Selbstversorger. Denn der Sirup ist einfach und schnell gemacht und die Hauptzutat am Waldrand oder im Garten für lau eingesammelt. Dann sollen sich die Hugo-Wucherer mal warm anziehen!

Hier das Rezept:

40 Hollerblüten
4 Kilogramm Zucker
4 bis 5 Liter Wasser
4 bis 5 Zitronen
150 Gramm Weinsteinsteinsäure (gibt's im Bioladen beim Backpulver)

Hollerblüten gut waschen und vor allem nach Blattläusen schauen. Zusammen mit den Zitronen und dem Zucker mit kochendem Wasser übergießen, stehen lassen, bis alles erkaltet ist. Ganz kalt die Weinsteinsäure einrühren. 5 Tage stehen lassen und immer wieder umrühren. Kalt in Flaschen füllen.

Und hier noch das Rezept für den Hugo:

Eine Limette oder Zitrone achteln, eine Spalte mit Eis in ein Glas geben. 2 cl Holunderblütensirup darüber geben und mit 150 Milliliter Prosecco und einem Schuss Mineralwasser aufgießen. Mit Minzblättern garnieren. Man kann sie auch ein wenig zerdrücken und ins Getränk geben. Cheers!

Alle Beiträge von "Kaspers kulinarische Kapriolen"

Bild: Maja Dumat/pixelio.de

6 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
Ich habs dieses Wochenende nicht geschafft. Jetzt hoff ich, dass noch irgendwo Blüten am Baum sind. Und dann wird Hollersekt und Sirup gemacht, bis es die Flaschen zerreißt!
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
Hugo-Wucherer haben bei uns dahoam seit Jahren keine Chance. Hollersirup + Blanc de Blanc nach einer Rennradltour ist Standard.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ina Gesellensetter
DANKE! Auch wir haben schon selbst Hugo gemacht, zur Grillparty als Aperitif oder einfach mal so. Und die Preise in den Kneipen sind in der Tat eine Frechheit. Und noch ein Tipp für die ganz faulen ( oder die, die so gar keinen Zugriff auf Hollerblüten haben): Den Sirup gibt es auch im Supermarkt für billi Geld. Zugegeben, nicht ganz so gut, wie der seblstgemachte, aber in jedem Fall eine ratsame Alternative zu der Geldschneiderei in den Kneipen ( die den Sirup sicher auch nicht selbst machen! )
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Alexander Schiechel
Haben auch gerade ein große Flasche mit selbstgemachter Hollerlimonade im Kühlschrank stehen, schmeckt wunderbar
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
wacholder ist schon mal gut, aber das destillieren könnte schwierig werden ...
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
liebe frau gesellensetter, den aperol und den averna kriegen wir hin, spätburgunder wird teuer ... aber wie wär's mit gin?
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.