Verpackungswahnsinn: Warum Amazon zu große Kartons verwendet

Kleine Produkte in riesigen Verpackungen: Trotz Kritik und Kampagnen gegen Verpackungsmüll versenden viele Online-Händler ihre Waren weiterhin in unnötig großen Kartons und umwickelt von Unmengen an Füllstoff. Ein Spezialist verrät, warum.

107 Kilo Verpackungsmüll produziert im Schnitt jeder Deutsche
107 Kilo Verpackungsmüll produziert im Schnitt jeder DeutscheFoto-Quelle: Jacqueline Macou / pixabay

Das rbb-Verbrauchermagazin „Super.Markt“ forderte seine Zuschauer auf, die größten Verpackungssünden zu dokumentieren. Die mehr als 70 Fälle zeigten Erschreckendes: Vor allem kleine Gegenstände werden mit unverhältnismäßig viel Füllstoff verschickt – so wurden Scheibenwischer demnach mit circa 75 Meter Füllstoff umwickelt. Auch überdimensionierte Pakete für Fernbedienungen fielen negativ auf.

Wirtschaftliche Gründe

Grund für die überdimensionierten Verpackungen ist offenbar, dass es zeit- und somit auch geldsparend ist, nur eine begrenzte Zahl von Verpackungsgrößen zu verwenden. "Entscheidend für die Verpackungskosten sind die Lohnkosten darin", erklärt Karl-Heinz Behrens, Verpackungsmittel-Mechaniker und Inhaber der 150 Jahre bestehenden Berliner Kartonagenfabrik FaPack. "Wenn der Verpacker zu lange Zeit hat, sich zu überlegen, welche Größe er nimmt, ist das teurer als die größte Schachtel."

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Große Kartons kosten nicht viel mehr als kleine

Die Preisunterschiede zwischen den Kartongrößen sind Behrens zufolge gering – seine Firma bietet hunderte Größen an. Zudem werden die Versandkosten von Paketdiensten nach Gewicht statt Größe berechnet.

Amazon setzt auf Algorithmen

Auf rbb-Nachfrage erklärte der Online-Versandhändler Amazon, das Unternehmen habe 30 verschiedene Kartongrößen im Angebot. Gearbeitet werde mit Algorithmen: Taucht ein Artikel zum ersten Mal im Logistik-Zentrum auf, werden Daten wie Gewicht, Größe, Höhe und Breite gespeichert. Das System gibt dann an der Packstation die Empfehlung für den passenden Karton.

Scheibenwischer in gesonderter Verpackung

Scheibenwischer hätten bei Amazon jedoch keine Standardkartonage, so das Unternehmen. Es sei weiter nicht möglich, Scheibenwischer ohne gesonderte Verpackung zu verschicken, da die Originalverpackung zu schmal sei, um das Versandlabel aufzudrucken. "Wir weisen aber gleichzeitig darauf hin, dass Scheibenwischer nicht dazu taugen, zu verallgemeinern", hieß es.

107 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr

Der international agierende Versandhändler Conrad Electronics benutzt sechs Standard-Kartongrößen: "Dadurch kann es vorkommen, dass kleine Artikel in einem vergleichsweise großen Karton ausgeliefert werden", erklärte das Unternehmen dem Magazin.

Mit 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen ist in Deutschland laut Umweltbundesamt ein neuer Höchststand erreicht. Das sind pro Kopf 107 Kilo im Jahr.

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2 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Wo ist die Politik, wenn man sie braucht?
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wize.life-Nutzer
Hallo Leute
Soviel zum Thema Umweltschutz.
Gewinne sind wichtiger als der Umweltschutz.
Zum Glück können die Verantwortlichen ihr Geld nicht ins Grab nehmen.
Gruß
Karl-Heinz
der alte Sack
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