Corona turbodigitalisiert Studium: Trotzdem wird es den Campus weiter geben

Leere Hörsäle, kaum Leben auf dem Campus, Sprechstunden am Computer: Studenten und Professoren sind in Zeiten von Maskenpflicht, Abstandsregeln und Turbo-Digitalisierung, kurz: Corona in den virtuellen Raum gezogen. Doch für wie lange? Ein Blick in Gegenwart und Zukunft des Studiums am Beispiel der TH Deggendorf (THD).

Studium in Zeiten von Corona am Computer - wie lange noch?
Studium in Zeiten von Corona am Computer - wie lange noch?Foto-Quelle: Adobe Stock

Mit dem Rad bequem zum Campus in der City. Den Donau-Strand quasi vor der Haustür. Und mit der TH Deggendorf eine der renommiertesten und schnellst wachsenden Hochschulen des Landes als Startpunkt für die Karriere. So könnte Studentenleben heute aussehen: Ein Hauch von California Feelin‘, Dreamin‘ und Learning in Niederbayern. Wäre nicht Corona.

Das Virus hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Angestellte fanden sich plötzlich im Homeoffice wieder, Schüler lernten Homeschooling überhaupt erst kennen. Klassenzimmer, Kindergärten und Büros waren oder sind ebenso verwaist wie Hörsäle und Labore. Auch das Campus-Leben wurde weltweit offline genommen, die Lehre findet seitdem hauptsächlich virtuell statt. Und das durchaus mit Erfolg. Verändert Corona das Studium also dauerhaft? Werden Online-Angebote Präsenzvorlesungen komplett ersetzen? Kommen Hochschulen wie die in Deggendorf dadurch sogar gestärkt aus der Krise?

TH Deggendorf im Feld der Großen

Deggendorf ist eine moderne und lebendige Stadt, kultureller, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Mittelpunkt der Region. Studierende aus über 100 Nationen genießen zwischen Stadt, Land, Fluss den hohen Freizeitwert in der Region, vor allem aber eine erstklassige Ausbildung an der internationalsten Hochschule Bayerns.

So ist etwa bei dem 2020 erstmals vorgestellten WURI (Worlds Universities with Real Impact)-Ranking der Fußabdruck der TH Deggendorf deutlich sichtbar, gerade in den Kategorien "Entrepreneurial Spirit" ("Unternehmergeist", Platz 8) und "Student Mobility and Openness" ("Weltoffenheit", Platz 26). Auch im Gesamtklassement der innovativsten Hochschulen und Universitäten ist die THD mit Platz 43 unter den TOP-50-Hochschulen weltweit. Nur geschlagen von so bekannten Institutionen wie etwa Princeton, Berkeley, University of Tokyo, Stanford, Harvard oder dem MIT.

Von nah und fern - die THD zieht Studenten an
Von nah und fern - die THD zieht Studenten anFoto-Quelle: THD

"Entrepreneurship und Weltoffenheit, das sind auch für junge Menschen Kriterien, die ganz großgeschrieben werden. Wir sind also auf dem richtigen Weg", erklärt Hochschul-Präsident Prof. Dr. Peter Sperber diesen Lehr- und Lern-Erfolg. Es tut sich viel in Deggendorf. Wissenschaft, Politik und Wirtschaft fahren in der 37.000-Einwohner-Stadt anderthalb Autostunden nordöstlich von München nicht auf Sicht, sondern offensichtlich sehr vorausschauend.

Die Corona-Pandemie samt Lockdown im Frühjahr 2020 kam deshalb keiner Vollbremsung bei Vollgas gleich, wenngleich Gewohntes und jahrelang erfolgreich Einstudiertes plötzlich anders ablaufen musste. Online only, lautete die Devise - in Deggendorf wie im Rest der Welt. Wohl dem, der hier bereits über eine funktionierende Infrastruktur verfügte.

Vorreiter bei digitaler Lehre

An der TH Deggendorf ist der überwiegende Teil der Lehrenden wie Lernenden mit virtuellen Angeboten vertraut. So zählte die niederbayerische Hochschule bereits vor Corona zu den Vorreitern in Sachen digitaler Lehre. Im vergangenen Jahr erst gehörten die THD mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt zu den drei Hochschulen, die von der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) die höchste Förderung für die Erstellung von virtuellen Lerneinheiten erhielten.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler lobte im "Wochenblatt": Die THD habe bereits früh die Zeichen der Zeit erkannt und sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. "Sie zählt zu den Vorreitern in Sachen digitaler Lehre in Bayern". Mit dem bereits vorhandenen virtuellen Kursangebot und den Kursen, die jetzt noch hinzukommen würden, biete sie ihren Studentinnen und Studenten ein richtungsweisendes Studium der Zukunft. "Ich freue mich über so viel Fortschrittsdenken und Innovationskraft", so Sibler.

Aber braucht es bei so viel Zukunftsdenken überhaupt noch Gebäude? Oder könnten die Studierenden ihren Bachelor oder Master auch genau so gut am Laptop Zuhause machen?

"So schnell wie möglich zur Präsenzlehre zurückkehren"

Die Vorlesungen an den bayerischen Hochschulen sollen Stand heute im Wintersemester 2020/2021 am 1. Oktober 2020 starten. Wie Prof. Waldemar Berg, Vizepräsident Studium und Studierendenangelegenheiten, gegenüber wize.life betont, gibt es bereits konkrete Pläne für Lehr-Formate in einer Post-Corona-Zeit: "Präsenzlehre mit starker Unterstützung durch ein digitales Ergänzungsangebot", lautet die Formel. Das Beste aus zwei Welten also. "In jedem Fall werden wir so schnell wie möglich zur Präsenzlehre zurückkehren wollen und müssen", sagt Berg.

Studenten und Professoren vermissen Campus-Leben

Denn die Präsenzlehre, die Interaktion zwischen Studierenden und den Lehrenden sei nicht zu ersetzen. "Gleichwohl werden wir aus den Erfahrungen der derzeitigen Online-Lehre unser Lehrangebot optimieren und den Studierenden künftig noch mehr ergänzende Inhalte als wir ohnehin schon haben, digital zur Verfügung stellen", konkretisiert Hochschul-Vizepräsident Berg.

Ein Bild aus Vor-Corona-Tagen: Gemeinsam studieren macht einfach mehr Spaß
Ein Bild aus Vor-Corona-Tagen: Gemeinsam studieren macht einfach mehr SpaßFoto-Quelle: THD

"Die Studierenden wünschen sich mehrheitlich natürlich möglichst schnell wieder in den Präsenzmodus zurückzukehren", berichtet Berg. "Sie vermissen das Campus-Leben und die Interaktion mit den Kommilitonen. Auch die Lehrenden wünschen sich eine schnelle Rückkehr zur Präsenzlehre."

Digitale Lehre ersetzt Präsenz nicht

Damit bestätigt Berg entsprechende Studien, die bei allen Bereicherungen digitaler Art, den Lehrer beziehungsweise Professor als entscheidenden Faktor für den Lernerfolg sehen. Sie oder er begeistert, motiviert, hält Kontakt. Und das ist auf Distanz einfach nicht so gut möglich.

So findet etwa auch der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer von der Universität Ulm im Gespräch mit dem "Bayerischen Rundfunk": "Es geht nichts über Präsenz. Wenn alle präsent sind, ist es unmittelbar und interaktiv und so soll es sein." Lernen erfordere Konzentration und Fokussierung. Wenn etwas ablenke oder geistige Arbeit abnehme, dann tauge es nicht zum Lernen.

10.000 Studierende an TH Deggendorf bis 2030

Die THD zählt mit ihrem Campus in Pfarrkirchen insgesamt 7000 Studierende, über 6000 sind es allein in Deggendorf. Damit soll noch lange nicht Schluss sein. Die Vision der Hochschule lautet: 10.000 Studierende bis 2030, was durchaus realistisch erscheint. So gab etwa im Herbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder grünes Licht für das nächste Großprojekt: Den Aufbau eines Digitalisierungszentrums mit einer Fakultät für angewandte Informatik und einer Kapazität für 1000 weitere Studierende.

Campus-Leben an der TH Deggendorf - vor und hoffentlich auch wieder nach Cor ...
Campus-Leben an der TH Deggendorf - vor und hoffentlich auch wieder nach CoronaFoto-Quelle: THD

Diese rasante Entwicklung war so bis in die 1990er-Jahre nicht abzusehen. Viele Jahre lag Deggendorf im Dornröschenschlaf. Doch heute ist die Präsenz der Studierenden auch ohne Präsenzvorlesungen an vielen Ecken spürbar. Unterschiedlichste Kulturen und Nationen tragen zum vielfältigen Stadtbild bei. Tradition und Moderne ergänzen sich perfekt.

Moderate Lebenshaltungskosten

Trotz dieses rasanten Wachstums war die Atmosphäre am Campus in der Vergangenheit aber immer noch familiär. Sie wird es vermutlich auch wieder sein, wenn die Studierenden hoffentlich bald zurückkehren. Hinzu kommen die vielen weiteren Vorteile von Deggendorf als Hochschulstadt: kurze Wege, ein großes Sport- und Freizeitangebot - und vor allem auch die vergleichsweise moderaten Lebenshaltungskosten. Ein eminent wichtiger Punkt bei der Wahl des Studienorts!

Großartige Landschaft: Deggendorf am Zusammenfluss von Donau und Isar
Großartige Landschaft: Deggendorf am Zusammenfluss von Donau und IsarFoto-Quelle: Landkreis Deggendorf/Fotograf Christian Schreiner

Denn eines ist klar: Der finanzielle Druck auf einen Großteil der rund drei Millionen Studierenden in Deutschland nimmt stetig zu. "Weil das BAföG nicht ausreicht, kompensieren das die Studierenden mit vermehrter Erwerbstätigkeit, und die Eltern müssen sie stärker unterstützen", sagte der Präsident des Deutschen Studentenwerkes Dieter Timmermann bei der Vorstellung der jüngsten Sozialerhebung 2017.