Wunder gibt es immer wieder
Wunder gibt es immer wieder
Wunder gibt es immer wieder

Der heutige Morgen war schrecklich.
Sofort, nachdem ich sie geweckt hatte, rannten meine beiden kleineren Töchter aufgeregt zur Haustür, um nachzuschauen, was ihnen der Nikolaus in der Nacht gebracht hatte. Nur meine Große war seltsam verhalten und vermied es, ebenfalls zur Tür zu gehen. Sie trödelte in ihrem Zimmer herum und ich ahnte bedrückt, was passiert war. Nachdem ich sie auch im Hinblick auf die knapper werdende Zeit und den nicht auf sie wartenden Schulbus drängte, endlich auch zu gucken, tat sie mir den Gefallen. 
Ihre Schwestern waren im Bad und sie saß vor ihrem prall gefülltem Stiefel und dem kleinen Geschenk und fing bitterlich an zu weinen. Da hatte ich Gewissheit, dass sie mich am Abend dabei beobachtet hatte, wie ich die Süßigkeiten und Geschenke verteilte und das rief sie mir auch vorwurfsvoll und voller Trauer zu. Ich wusste aber auch, dass es sie bis ins Innerste erschüttert haben musste, weil sie mit ihrem Glauben an einen Nikolaus der kommt und den Kindern Freude bereitet, den Glauben an sämtliche wundersamen Dinge verloren hatte. Und sowas macht Angst, denn es bedeutet, dass wir ganz alleine sind auf der Welt. Dass uns von guten Mächten keine Hilfe zuteil wird, wenn wir in Not sind. Dass das Schlechte in der Welt schlecht ist, weil es das Gute nicht gibt und keine Hoffnung. Dass ihre verstorbene Oma ihr gar keine Briefe aus dem Himmel schreibt...
Ihr im Sommer vereendetes geliebtes Kaninchen nur in der Erde verrottet und nicht auf einer Wolke fröhlich umherhoppelt. Dass der Tod nur tot sein bedeutet, kein Leben in einer anderen Welt, weil es kein Christkind und keine Engel gibt. Ich war entsetzt und konnte kaum aushalten, mein Kind so von Schmerz erfasst zu sehen. Da begann ich intuitiv, ihr von den Wundern zu berichten, die mir in meinem Leben widerfahren sind. Zuerst mit brüchiger Stimme, weil ich so berührt war, dann immer kraftvoller. Die Erlebnisse, die kein Zufall waren, sondern mir zeigen sollten, dass auch die schlimmen Dinge, die ich durchgemacht habe, einen tiefen, guten Sinn hatten. Ich berichtete ihr auch von den Wundern, die Freunde von mir erlebt haben, bis mir nichts mehr einfiel, das ich ihr noch erzählen konnte. Ich beendete meinen Vortrag mit den Worten, dass ein Mensch niemals aufhören sollte, an Wunder zu glauben, auch wenn wir sie häufig nicht wahrnehmen, weil sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sind und unsere Herzen durch Abgeklärtheit, Angst und Trauer blind.
Sie sah mich an, hörte auf zu weinen und fiel mir in die Arme. „Ich hab Dich lieb Mama.“ Dann lächelte sie und fragte mich nach mehr Wundergeschichten. Ich versprach ihr, mich auf die Suche zu machen...

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