Bildung in Deutschland - Misere oder Paradies?
Unterrichtsmethoden
UnterrichtsmethodenFoto-Quelle: priv.

Eigentlich bin ich kein Focus-Leser. Aber jemand drückte mir die Ausgabe vom 14. Dezember in die Hand-
Zunächst überraschte mich das Foto von Jürgen Klopp auf der Frontseite.
Er ist unter den 100 Menschen, die 2019 „die Welt bewegten“ die Nummer 1.
Nr. 2: Ursula von der Leyen
Nr 5: Greta

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Der Artikel von Jan Fleischhauer – „Die große Bildungsillusion“ - auf S. 5/6 überraschte mich nicht, denn ich hatte schon an anderer Stelle gelesen, dass Deutschland sich mittlerweile auf den mittleren Rängen, gleich nach Rumänien, wohlfühlt und die ersten Plätze von den Ostasiaten und Finnland belegt werden.

Was ist passiert?

Jeder 5. Schüler im Alter von 15 Jahren verlässt die Schule und kommt mit längeren Sätzen nicht zurecht.
Jeder zweite Schüler macht zur Zeit das Abitur.
Die Zahl der Einser-Abiturienten ist binnen 10 Jahren von 20 % auf 25% gestiegen!
Früher benötigte man ein Einser-Abitur, um zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Jetzt haben so viele eine EINS, und dennoch gibt es zu wenige Ärzte im Land.

Wie kommt es nur zu solch paradoxen Ergebnissen?

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Fleischhauer befragte dazu den Didaktik-Professor Hans-Peter-Klein (Frankfurt).
Dieser war ursprünglich Biologe. Als er mit den Absolventen der deutschen Bildungsanstalten in Kontakt kam, musste er feststellen, dass die Erstsemester über gar keine Grundkenntnisse verfügten.
70 % fallen also bei der Prüfung durch.

Klein fand heraus, dass die Kultusminister den Bildungsschwerpunkt verändert haben: das E r w e r b e n von Kenntnissen ist zweitrangig geworden.
An erster Stelle steht die A n w e n d u n g von Wissen.

Hinzu kommt der Föderalismus: Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg verhalten sich konservativ, die anderen Länder fortschrittlich, d.h. sie erwarten weniger und weniger.
Klein begründet das so, dass die Sozialdemokratisierung der Gesellschaft vor den Gymnasien nicht Halt machte.
Am schlimmsten gehe es zu in Berlin und Bremen. Das Motto: Lieber alle gleich schlecht, als die einen schlecht und die anderen gut.

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Mich erinnert die Situation an meine Erfahrungen in den Sechziger Jahren in den USA.
Ich hatte es dort zwei Jahre lang beruflich mit den Abgängern der Highschool zu tun, also mit Studenten, die den B.A. oder B.Sc. erreichen wollten.
Das Niveau entsprach in etwas der deutschen Mittleren Reife, aber niemals dem Abitur.
Die Erfahrung war ebenso deprimierend wie erhellend.

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Vielleicht braucht man aber den Abstieg Deutschlands im Bildungssektor gar nicht zu bedauern. Er gehört zu der kulturellen Transformation, der wir ausgesetzt sind.
Ich vertraue auf das Genie des Individuums, das sich auch an schlechten deutschen Schulen durchsetzen wird.

In den USA haben sich auch Spätzünder zu großen Wissenschaftlern entwickeln können. Am Ende ist es immer die individuelle Genialität, die sich über alle Hindernisse hinweg durchsetzt.

ez

26 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Dass asiatische Länder mit ihren Paukschulen vorne liegen, ist kein Wunder. Für einen Schüler in Asien gilt mehr als 5 Stunden Schlaf z. B. als Luxus. Wollen wir das?
wize.life-Nutzer
Das ist ein anderes Extrem, Heidi. In einer bestimmten Entwicklungsphase ist das sicher angezeigt.
Bei uns gab es ja auch noch vor zwei Generationen Schläge in der Schule. So lange ist das gar nicht her, dass auch Ehrgeiz und Gehorsam als gute Charaktereigenschaften galten.
Heute ist für viele der Hauptfaktor im Leben FUN.
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wize.life-Nutzer
Nun, wenn alles doch so leicht geworden sein soll einen Schulabschluss und gar das Abitur zu erreichen, dann frage ich mich weshalb es denn so viele Schulabrecher gibt und so viele Kids die Schule mit nicht mal einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen?
Mein jüngster Sohn schreibt gerade seine Bachelorarbeit. Er hatte nach der Mittlerenreife erst mal keinen Bock auf Schule mehr, ging arbeiten und später aufs Abendgymnasium. Während dieser Zeit wurden die Bedingungen für die Abi-Prüfungen erschwert und nicht erleichtert (Hessen) und es flatterte auch nicht ein Grossteil der Schüler mal eben mit einem 1-er Zeugnis durch.
Im Gegensatz zu unserer Zeit, wo Love,Peace und Politik in Küchen irgendwelcher Kommilitonen nächtelang mit einem Kasten Bier unterm Tisch durchdiskutiert wurde,lernen die Studenten heute wie blöde in freiwilligen Gruppen und verbringen ihre freien Tage in Bibliotheken. Ihnen ist mehr bewusst als uns damals, dass es darauf ankommt in zügiger Zeit einen vor allem guten Abschluss zu erreichen. Die jungen Leute sind sowas von ehrgeizig, das man sich als alter Hase nur wundern kann.
Das der Lehrplan sich in den Jahren mal modernisiert hat und sich dem akteullen Stand der Technik und Alltag angepasst hat, dürfte ja nichts falsches sein. Es ist in der heutigen Zeit wirklich nicht mehr vonnöten Schillers Glocke auswengig aufsagen zu können und nicht das Anfang und Ende einer jeglichen Schlacht im Kopf zu haben. Das kann man schnell im Netz nachschlagen, wenn es erforderlich sein soll.
wize.life-Nutzer
Genau, wikipedia erlaubt, keine Enzyklopädien anzuschaffen. Man kann alles nachschlagen. Das ist sicher eine tolle Zeitersparnis.
Aber ohne über eine gewisse Menge von Fakten in einem Sachgebiet zu verfügen, kommt man auch nicht weiter.
Beides gehört zusammen: Erwerb von Wissen UND Anwendung von WIssen.

Allerdings bin ich nicht davon überzeugt, dass die Einführung der internationalen Prüfungen Bachelor und Master die früheren Prüfungen Staatsexamen und Diplome ersetzen.
Sogar die Wirtschaft wünscht sich die DIplome zurück.
Ich habe diese Prüfungen in den USA kennengelernt, sie verschulen die Universitäten.
Der em. Prof. f. Psychologie, Hans Werbik, empfindet das ebenso.

Sehr viel schwerer ist die Wegstrecke vom Wiss. Assistenten über den Privatdozenten zum Professor in Deutschland zu bewältigen. Das ist in den USA leichter zu schaffen.
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wize.life-Nutzer
Auf der anderen Seite ist der Weg ins Studium, ob TH oder Uni durchlässiger geworden. Berufliche Ausbildung, Lehre, gekoppelt mit Abschluß Fachabitur am Berufskolleg, bestandene Meisterprüfung, duales Studium, usw.
wize.life-Nutzer
Ja, das ist auch ein sehr positiver Aspekt, den ich super finde.
Ich hatte einen Bekannten, Unternehmer mit Meisterprüfung, der noch mit 68 Jahren anfing, Jura zu studieren, hier an der HD Uni und der inzwischen Staatsanwalt ist!!
Das war eine tolle Leistung!
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wize.life-Nutzer
Misere, die Anforderungen werden so nach und nach runtergestuft, deshalb ist es auch wohl möglich, die Kids bis zum Abi durchzumogeln. Man muss sich ja auch nur die PISA-Studie angucken.
Ich hoffe immer, wenn ich zum Arzt muss, dass ich nicht auf so einen Jüngling treffe, weil ich schon wirklich krasse Erfahrungen mit einigen gemacht habe.
wize.life-Nutzer
Die Anforderungen müssen angesichts der sprachlichen Vielfalt sinken. Das ist anders ja gar nicht möglich.
Eine ehemalige Lehrerin an einer Brennpunktschule in Berlin hat ja ein Buch über diese Misere geschrieben. Sie ist jetzt Direktorin an einer österreichischen Schule.
wize.life-Nutzer
Ja natürlich. Ich habs schon mal geschrieben hier. Vor ein paar Wochen war ich in einem Wohnviertel, wo ca. 3/4 Ausländer wohnen.
Die Schule war gerade aus. Es kamen Kinder in Scharen aus der Schule, alle mit schwarzen Haaren, anscheinend nicht ein einziges deutsches Kind dabei. Da müssen die Anforderungen sinken.
wize.life-Nutzer
Fria, vielleicht muss man ein paar Jahrzehnte überspringen. Ich mache mir so selber ein wenig Hoffnung.
Die Kinder meiner Verwandten, die alle in die USA ausgewandert sind, sprechen gar kein Deutsch mehr, sondern fühlen sich als Amerikaner und haben dort alle Karriere gemacht.
Hier - dessen bin ich mir auch sicher - wird es nur einem geringeren Teil gelingen, sich in der doch relativ fremden deutschen Kultur und einer extrem schwierigen Sprache zurechtzufinden und einen Beruf zu erlernen.

Deutschland ist das Risiko eingegangen - es wird die Folgen tragen müssen.
wize.life-Nutzer
Ja, ein Experiment, wie Yasha Mounk es so schön genannt hat. Eines das voll in die Hosen gehen wird, wie es jetzt schon absehbar ist.
In ein paar Jahrzehnten guck ich mir die Radieschen schon lange von unten an und ich glaube, der Zeitpunkt ist für mich genau richtig gewählt.
wize.life-Nutzer
Mal kurz zu dem Arzt-Problem: Mein verstorbener Mann war Arzt hier in Deutschland; seine Tochter aus 1. Ehe studierte Medizin in England und ist nun auch dort als Ärztin tätig. Jetzt ratet mal welches Studium der Medizin intensiver ist und die Anforderungen deutlich höher liegen. England ist es jedenfalls nicht
wize.life-Nutzer
Andrea, nichts steht in dem Artikel darüber, ob sich das STudium verschlechtert hat. ES ging hier nur um die Schul-Situation.
Ich denke auch, dass das Medizinstudium in D ziemlich gut ist
Aber es werden eben auch einige durchfallen, fürchte ich.
wize.life-Nutzer
Das mag ja alles stimmen , wize.life-Nutzer mal von meinen Erfahrungen abgesehen, ich rede nicht gerne über persönliche Unpässlichkeiten.
Ich weiß nur, dass eine gute Bekannte mit undefinierbaren Beschwerden ins KH musste, ihr wurde ein Herzschrittmacher eingepflanzt, danach ging es ihr noch schlechter. Sie starb kurz danach, weil sie Lymphdrüsenkrebs hatte.
wize.life-Nutzer
Als mein Kardiologe, den ich sehr schätzte, einen Kollegen in seine Praxis nahm, der offenbar ein Experte für Herzschrittmacher war, wurde mir das auch empfohlen, obwohl ich überhaupt keine Beschwerden hatte/habe.
Glücklicherweise habe ich eine Apothekerin/Ärztin als Freundin, die mir diesen Zusammenhang andeutete.
wize.life-Nutzer
Das kann natürlich sein Edith, dass ihr allerdings nur dieser Schrittmacher eingesetzt wurde und der Krebs selbst nicht erkannt wurde, lässt mich doch inzwischen zweifeln. Ich selbst könnte ein Buch über Ärzte schreiben. Ich habe mal mitgezählt, im Laufe meines Lebens 14 Fehldiagnosen, mal weniger schlimm, mal richtig schlimm.
wize.life-Nutzer
Heute nach der Fehldiagnose der zur Folge einen Unfall hatte, glaube ich einem Arzt genauso viel wie einem Richter, auch nicht ein Wort.
wize.life-Nutzer
Ich gehe nur noch zum Arzt, wenn ich den Kopf unterm Arm trage, ich habe einfach mit denen zuviel erlebt.
wize.life-Nutzer
Dazu könnte ich auch eine lange Liste beisteuern.
wize.life-Nutzer
Ich dachte schon manchmal, dass ich ein besonderes Händchen dafür habe.. mein Misstrauen ist schon ganz gewaltig, was Diagnosen betrifft.
wize.life-Nutzer
Die Grünen haben es geechafft den gesamten Sozialbereich incl. Gesundheit herunterzufahren und kaputtzusparen.
wize.life-Nutzer
Heute gibt Dir der Arzt die Diagnose, die ihm ein gutes Honorar einbringt. Was mit dem Patienten geschieht ist danach völlig egal.
wize.life-Nutzer
Fria, ich verdanke einem Chefarzt in K. mein unheilbar krankes Kind, das mit einer Stoffwecvhselstörung auf die Welt kam, weil medikamentös in den ersten 8 SChwangerschaftswochen eingegriffen worden ist.
Ich hätte ihn anzeigen können, weil ein junger Gynäkologe Zeuge hätte sein können.
Aber ich habe darauf verzichtet und 22 Jahre lang meine Tochter gepflegt, meinen Beruf auf 50 % reduziert, um Zeit für sie zu haben.

Damals hatte ich 200 % Vertrauen, heute vielleicht noch 10 %.
wize.life-Nutzer
Solche Fehler sind nie wieder gutzumachen.
Nur den Arzt treffen die Folgen nicht und einen Prozess zu führen ist sinnlos. Der Arzt übergibt es seiner Versicherung und diese kämpft dafür, nicht zu bezahlen.
In D gibt es nur verlorene Prozesse oder Vergleiche. Beides ist Verlust!
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wize.life-Nutzer
sehr gut !
wize.life-Nutzer
Fleischhauer sieht das Ganze sehr kritisch . Mir hat der Vergleich mit der Situation in den USA geholfen, das Ganze ohne allzu große Sorge zu bewerten.
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