Einfach schön: die Reiteralm bein Hinterglemm
Einfach schön: die Reiteralm bein HinterglemmFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München
Drei Orte, ein Skicirkus - und ein Haufen grübige Hütten

Saalbach-Hinterglemm, Leogang, Fieberbrunn – drei Skiorte in Österreich, deren Nennung die Herzen zahlreicher Skifreunde bereits höher schlagen lassen. Auf jeden Fall derer, die dort schon die bestens präparierten Pisten heruntergewedelt sind. Wer einen der Orte zum ersten Mal ansteuert, ist angenehm überrascht über die Abwechslung, die sich auf den 270 Kilometern an Skipisten finden lässt. Das liegt aber nicht nur an den Pisten selber, von denen 140 als leicht, 110 als mittelschwer und 20 als schwer eingestuft sind. Sondern vor allen an der Vielfalt der gesamten Wintersportregion. Als Abfahrtssüchtiger zieht man tagsüber seine Schwünge auf den winterlich gekleideten Bergen, sucht im Backcountry nach unverspurten Freeridehängen oder tummelt sich in Snowparks Funslopes und Snow Trails, die sich erstrecken sich über das gesamte Gebiet verteilen.

Das Bergpanorama in Saalbach-Hinterglemm kann sich sehen lassen.
Das Bergpanorama in Saalbach-Hinterglemm kann sich sehen lassen.Foto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Nichtskifahrer kommen aber auch zu ihrem Recht. Sie verbringen den Tag oder einige Stunden auf Schneeschuhen, erkunden die zahlreichen Winterwanderwege oder spazieren in Fieberbrunn mit Lamas durch die verschneiten Wälder. Romantiker gleiten eingehüllt in warme Decken auf dem Pferdeschlitten durch den Talschluss des Glemmtals und genießen die Idylle auf der Aussichtsplattform des Baumzipfelwegs. Nicht nur Eltern und Kids sondern auch bei den Geschwindigkeitsbegeisterten hoch im Kurs steht der „Timoks Coaster“, der sich ab der Mittelstation Streuböden in Fieberbrunn in die Tiefe windet. Die flotten Fahrten sind übrigens im Preis des Skitickets inkludiert.

Auf zwei Kufen durch die Nacht

Ob tagsüber oder bis spät in die Nacht hinein – auch wer gerne auf zwei Kufen über den Schnee rattert, findet hier auf zahlreichen Strecken seinen Spaß. Von der beleuchteten Rodelbahn am Reiterkogel in Hinterglemm, „Leo's Kufengaudi“ in Leogang bis zur Naturrodelbahn „Diretissima“ in Fieberbrunn – rasant bergab geht es allemal. Besonders beliebt, auch bei den Einhemischen, ist die Rodelbahn an der Talstation Hinterburgstubn in Saalfelden.

Ein Highlight für Rodelfans: die Naturrodelbahn beim Bergbauernhof Hinterbur ...
Ein Highlight für Rodelfans: die Naturrodelbahn beim Bergbauernhof Hinterburgstuben bei SaalfeldenFoto-Quelle: Bergbauernhof Hinterburgstuben

Von dort nutzt man entweder den Shuttledienst des Bergbauernhofs Hinterburgstuben oder steigt zu Fuß auf – Gehzeit etwa eine Stunde. Hier lohnt es sich einzukehren, vor allem wegen der schmackhaften Hausmmanskost mit Ripperln oder Haxn. Sportliche Gemüter laufen noch ein Stünderl weiter hoch bis zur Bergstation mit dem zweiten Rodelverleih. Dafür warten dann statt drei sogar sechs Kilometer Abfahrt auf die Fleißigen.

Das Skigebiet Fieberbrunn gilt als Paradies für Freerider.
Das Skigebiet Fieberbrunn gilt als Paradies für Freerider.Foto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Gut zu wissen aber auch: Die drei Orte, die Tirol mit dem Salzburger Land verbinden, könnten mit ihrem jeweiligen Charakter kaum unterschiedlicher sein: Saalbach-Hinterglemm pflegt vor allem den „hier ist was geboten“-Charakter mit teilweise heftigem Apres-Ski und „Humba-Täterä“ vorm Hotel Unterschwarzach bis zur kultigen Goaßen-Alm. Leogang wiederum bietet ein breites Spektrum an sportlichen und kulturellen Aktivitäten, von der Nostalgie-Ski-WM bis zum Jazzfestival. Und Fieberbrunn, das seit der Saison 2015/2016 den Skicirkus komplett macht, lockt zum einen als „der“ Freeride-Hotspot in den Kitzbüheler Alpen auf seine teils jungfräulichen Tiefschneehänge und zum anderen mit ruhiger, familiärer Atmosphäre und sehr viel Platz auf den Pisten.

Hilfreiches Pisten-Leitsystem

Vor allem für Neulinge im Skigebiet besonders hilfreich ist das markante Pistenleitsystem des Skicirkus: Es ist aufgeteilt in zehn alphanummerische Zonen und signalisiert in sechs Farben unterteilt Schwierigkeitsgrade, Sicherheitshinweise und Attraktionen. Wie bei einem Straßenverkehrsleitsystem werden nahende Abzweigungen mit Vorankündigungs-Schildern angezeigt. An den Kreuzungen sind dann die Abzweiger-Schilder positioniert.

Idyll an der Skipiste in Saalbach
Idyll an der Skipiste in SaalbachFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Beide Schilderarten führen die für den aktuellen Moment relevanten Informationen an. Sämtliche Wegeschilder zeigen durch ihre Grundfarbe zusätzlich den Schwierigkeitsgrad der Piste. Bei zahlreichen Abzweiger-Schildern sind zudem Panoramakarten (Gesamtpanorama und Detailpanorama) zur erneuten Orientierung angebracht.

Von Hüttenfrühstück bis Apres-Champagner

Das Tüpfelchen auf dem i sind allerdings die vielen grübigen Hütten, die Skifahrer je nach Vorliebe vom Frühstück bis zum Apres-Champagner mit ihren unterschiedlichen Angeboten locken. Das Verwöhnen bei typisch österreichischer, alpenländischer Kulinarik, kühlen Getränken und heißen Rhythmen haben sie hier jedenfalls alle drauf.

Die alte Stube im Wildalp-Gatterl bei Fieberbrunn.
Die alte Stube im Wildalp-Gatterl bei Fieberbrunn.Foto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

In Fieberbrunn ist beispielsweise das Wildalp Gatterl seit Jahren ein kulinarischer Magnet bei Einheimischen und Gästen. Es liegt direkt an den Ausstiegsstellen der Tellerlifte Zillstatt und Gatterl auf 1300m. Direkt neben einem Wildgehege mit Damwild sitzt man hier auf der Terrasse oder in der hundertjährigen Jägerstube und bestaunt die einzigartige Sammlung von Wintersportplakaten oder schmunzelt über die historischen Fotografien in der Speisekarte.

Deftige Skihüttenkost im Wildalp Gatterl: Erdäpfelblattln mit Kraut
Deftige Skihüttenkost im Wildalp Gatterl: Erdäpfelblattln mit KrautFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Die Alm ist Mitglied von „KochArt“, einer Vereinigung von 22 Betrieben aus der Region Kitzbüheler Alpen, die sich gemeinsam für Regionalität und Nachhaltigkeit in der Gastronomie stark machen. In Zusammenarbeit mit ausgewählten heimischen Bauern werden alte Tierrassen und Gemüsesorten wiederentdeckt und in den Küchen der KochArt-Wirte verfeinert. „Unser Brot wird im Holzofen gebacken. Gemüse, Kräuter, Blumen und Beeren ernten wir aus dem eigenem Garten. Die Pilze stammen aus den umliegenden Wäldern, das Damwild aus eigener Zucht“, sagt Wirtin Angie Fürhapter mit stolzer Stimme. Auf der Karte finden sich neben himmlichen Klassikern wie einem Knödeltris aus Spinat-, Speck- und Kaspressknödeln oder dem Steirischen Backhendl mit Kartoffel-Vogerlsalat auch Skihüttenkost wie hausgemachte Kartoffelblattln mit Sauerkraut.

Hinterhag-Alm bei Saalbach: Mittags feine Küche, am Nachmittag Party
Hinterhag-Alm bei Saalbach: Mittags feine Küche, am Nachmittag PartyFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Mit seinen dunkelbrauen, sonnengegerbten Holzbalken schon rein optisch ein Anziehungspunkt ist die Hinterhag-Alm. Sie liegt direkt an der Kohlmais-Talabfahrt nur wenige Meter oberhalb des gleichnamigen Hotels und nur einen Sprung von Saalbach entfernt. Für die schnellen Skifahrer, die mittags hungrig sind oder sich auf der Sonnenterasse bräunen lassen wollen, hat die Hinterhag Alm ab 11 Uhr geöffnet und bietet ein Selbstbedienungslokal. Im à la carte Restaurant mit offenem Kamin liegt eine kleine feine Speisekarte mit traditionellen Gerichten wie Tiroler Speckknödelsuppe oder Spinatnockerln, natürlich dem berühmten Wiener Schnitzel und einem Kaiserschmarren für die Süßen.

Bis um 15 Uhr hat man hier seine Ruhe. Seit der Eröffnung hat sich die Hinterhag Alm aber einen legendären Ruf erarbeitet: Hinter dem alten Holz der Fassade finden sich täglich um 16 Uhr eine schier nicht enden wollende Menge an Skifahrern in der Alm ein, um drei Stunden gemeinsam lang eine Alm-Partie zu feiern. Gleich auf zwei Stockwerken wiegt man sich drinnen und raußen eng an eng im Takt der täglichen Live-Musik.

Immer für einen Einkehrschwung gut: Die Panorama-Alm bei Saalbach
Immer für einen Einkehrschwung gut: Die Panorama-Alm bei SaalbachFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Weiter oben, auf 1650 Metern – und daher mit einem tollen Ausblick versehen – liegt die Panorama-Alm, unmittelbar am Panorama-6er-Lift und der Kohlmais-Gipfelbahn, direkt an der Abfahrt nach Saalbach. Die 1946 gebaute Alm wird seit 40 Jahren von seiner Familie betrieben, erzählt Alex Röck bei einem „Seiterl“ – wie die Österreicher ein 0,3-Liter-Einkehrschwung-Bierchen liebevoll nennen.

Panorama-Hüttenwirt Alex: "Des is eh ois guad!"

Wer einen Platz auf der bei Sonne immer prall gefüllten Terrasse ergattert, wird mit einem herrlichen Ausblick auf das wunderschöne Winterpanorama des gesamten Glemmtales, dem Talschluss sowie den Hohen Tauern belohnt. Eine Batterie an Liegestühlen steht zudem kostenlos zur Verfügung. Hier ist die Speisekarte etwas breiter gefächert, von traditioneller, österreichischer Hausmannskost bis zu internationaler Küche ist für jeden Geschmack etwas zu finden. „Des is ois guad, weist eh“, schmunzelt Alex und empfiehlt dann doch das Hirschsteak von der eigenen Jagd und anschließend einen Heidelbeerschmarrn mit Beeren aus den heimischen Wäldern.

Anziehungspunkt für fesche Skihaserl: der Has'n Stall am Sonnhof bei Saalbac ...
Anziehungspunkt für fesche Skihaserl: der Has'n Stall am Sonnhof bei SaalbachFoto-Quelle: Sonnhof

Wer nach schweißtreibenden Schwüngen eine knackige Erfrischung sucht, findet genau das Richtige direkt an der Piste im Has’n Stall beim Sonnhof. Die gemütliche Schneebar mit dem wohl originellsten Klo der Alpen liegt direkt an der Hochalm-Piste in Leogang und kann getrost als einer der beliebtesten Treffpunkte im Skicircus bezeichnet werden. Vor allem Samstag, wenn DJ Noel dort einen Club-Sound auflegt, der direkt in Blut und Beine dringt. „Abwechslungsreiche Musik, gepflegte Wein- und Bierkultur, gute und erlesene Schnäpse und Brände – die Gaudi beim Einkehrschwung ist auf jeden Fall gesichert“, grinst Stall-Wirt Günther Dragosics. „Die wahre Attraktion, vor allem für Kinder, ist aber der Iglu, den ein Gast jedes Jahr hier für uns zu Beginn der Saison baut.“

Der frühe Start in den Skitag belohnt mit unberührten Pisten.
Der frühe Start in den Skitag belohnt mit unberührten Pisten.Foto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Frische Beeren, Joghurt, Müsli, knusprige Semmeln, Bergbutter, Käse, Schinken, Avocado dazu frische Milch, Säfte und Kräutertee aus dem eigenen Garten – und alles garniert mit einem einzigartigen Ausblick auf die Gipfel des gegenüberliegenden Schattbergs – so sieht an einem sonnigen Wintertag das Frühstück auf der Reiteralm aus. „Auffakemma zum Owakemma, also Heraufkommen zum Entspannen, lautet unser Motto, nach dem wir unsere Gäste bedienen“, sagt Hüttenwirt Toni Rees.

Das Hüttenrühstück auf der Reiteralm bei Hinterglemm ist nicht zu toppen.
Das Hüttenrühstück auf der Reiteralm bei Hinterglemm ist nicht zu toppen.Foto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Die Hütte hat der frühere Hotelier vor acht Jahren übernommen und sie inzwischen so erweitert, dass auf der einen Terrasse die etwas eiligeren Skifahrer bewirtet werden können, während auf der anderen bei chilliger Lounge-Musik eher jene verweilen, die es gemütlicher angehen und lieber ihren Wein, Sekt oder Cocktail genießen möchten. Wer mittags kommt, findet auf der Karte als Spezialität auch Enten, Tafelspitz und Blutwurst, sowie Pasteten und Ziegenkäse aus der Region. Die ehrwürdige Hütte aus dem Jahr 1771 ist vom Ort aus in einer knappen Viertelstunde zu erreichen über die Reiterkogel-Gondel und den Sunliner Sessellift.

Spektakuläres Hüttenkonzept: die Hendl Fischerei in Leogang.
Spektakuläres Hüttenkonzept: die Hendl Fischerei in Leogang.Foto-Quelle: Hendl-Fischerei

Völlig aus dem Rahmen der traditionellen Almhütten fällt dagegen der Hendl Fischerei Mountain Club, direkt an der Bergstation von Asitzbahn und Steinbergbahn und der Abfahrt nach Leogang. Renate und Hubert „Huwi“ Oberlader, gleichzeitig Inhaber der Hotels Priesteregg und Mama Thresl in Leogang, haben hier ein architektonisch einzigartiges Hüttenkonzept in den Hang gestellt. Draußen gewährt der überhängende, halbrunde 270-Grad-Balkon einen Logenblick auf die Alpenkette. Drinnen beeindruckt ein wahres Kunstwerk: Angelehnt an die fließenden Formen von Antonio Gaudi schuf der Kärntner Holzbildhauer Gottfried Kaschnig hier nach den Vorgaben der Besitzer die geschnitzten Holzelemente, die sich im Innenraum der Bar über zwei Stockwerke ziehen.

Gäste-Beschallung mal anders: Deep House statt Ballermann

„Wir wollten Qualität vor Quantität, Stil und Design, Deep House statt Ballermann und Geborgenheit mit Freiheit zusammenbringen“, erläutert Wirtin Renate das Konzept. Das Ergebnis ist die wohl die stylischste Schirmbar der Alpen – denn bei schönem Wetter lässt sich die Fensterfront komplett öffnen und das Dach teilweise automatisch versenken.

"Huwi", Hüttenwirt der Hendl-Fischerei, haut jeden Nachmittag Kaiserschmarrn ...
"Huwi", Hüttenwirt der Hendl-Fischerei, haut jeden Nachmittag Kaiserschmarrn in die Maxi-PfanneFoto-Quelle: Heiner Sieger/Redaktion München

Kulinarisch gibt´s dort mittags Huwi´s berühmte Grill-Hendl und köstliche Fisch-Spezialitäten – daher auch der Name – untermalt von lässigem Ibiza DJ-Sound. Und während Huwi am Eingang höchstpersönlich in zwei überdimensionalen Pfannen tellerweise Kaiserschmarrn zubereitet, sind drinnen die ersten Gäste längst zum Apres-Champagner übergangen – passend zum Gefühl, dass die Hütte und ihr grandioser Ausblick vermitteln.

Service-Information
Wer in der Region Urlaub macht, kann mit der Gästekarte den öffentlichen Regiobus kostenlos nutzen. Quer durch die Kitzbüheler Alpen (von Hochfilzen bis Wörgl) geht’s gratis per S-Bahn und Zug (REX).

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