Kunst verstehen: Beate Passow - sehr politisch und textil
Kunst verstehen: Beate Passow - sehr politisch und textil
Kunst verstehen: Beate Passow - sehr politisch und textil

Darf es „politisch“ sein? und das in München? und das 75 Jahre nach dem Weltkriegs-Ende? - Ja, und das in der historischen Stuck Villa! Hier wird die Ausstellung „Beate Passow. Monkey Business“ im 2. Stock - aktuell verlängert bis Sonntag, 28. Oktober 2020 - gezeigt!

Der ehemals fünfteilige Bilderzyklus „Monkey Business“ (Synonym für Blödsinn - fauler Zauber - Unfug - Affentheater usw.) entstand 2017 im Rahmen einer „gleichnamigen Ausstellung im Staatlichen Textil- und Industriemuseum, Augsburg. Für die Museum-Villa-Stuck-Ausstellung hat Beate Passow die Bilderserie sogar um drei weitere neue Arbeiten erweitert, die nun hier erstmals öffentlich zu sehen sind (Berlin 2019, Dublin 2019 und Brexit 2020).

Die „politische“ Künstlerin Beate Passow (geboren 1945 - Ende des II.Weltkriegs) in Stadtoldendorf/Niedersachsen arbeitet gegen das „Vergessen“, das jedenfalls behauptet der Kunsthistoriker Dr. Helmut Friedel. Die Künstlerin gilt als eine "Archäologin des 20.Jahrhunderts“. Sie will sichtbare Gegebenheiten aufdecken und verdeutlichen - zur Hilfe kommt ihr dabei als geeignetes Ausdrucksmittel und Dokumentation die Fotografie. Der Betrachter soll sich ein Bild von der „Vergangenheit“ machen, um daraus eine bessere Zukunft zu gestalten.

Etwas Traditionelles aktualisieren

Beate Passow unterläuft die große Tradition der gewebten Tapisserie (es sind auch „Gobelins“ mit sorgsam ausgewählten Bildinhalten, die wichtige repräsentative Funktion bei der Inszenierung von Macht haben). Die Künstlerin lobt keine Helden und Ruhmestaten, sondern übt jetzt optisch „Kritik“!

Die Bildergalerie:
(Die schwarze Bild-Umrahmung ist der visuelle Hinweis für eine Textilarbeit

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - Beate Passow, aus dem Monkey Business Zyklus "Wall Street“, 2017 - Tapisserie 153 mal 212 Zentimeter - © Beate Passow Foto: Nikolaus Steglich - Das Foto zeigt zwei Symbole der Börse: den „Bullen (Hausse - steigende Börsenkurse)“ und den „Bären (Baisse - fallende Börsenkurse)“, die den jeweiligen aktuellen Börsenmarkt bewerten. Bei diesem Foto kopulieren die beiden Symboltiere (eine kapitalistische Vermehrung? oder Minimierung?). Der Kapitalismus ist eben sexy und geil (!) - In Deutschland wurde die Skulpturengruppe „Bulle und Bär“ durch die Börsennachrichten-Sendung im TV besonders beliebt und bekannt. Sie, die sich bis heute vor der Börse in Frankfurt am Main befindet und im Jahre 1985 vom Künstler Reinhard Dachlauer geschaffen wurde).

Beate Passow, "Gibraltar", 2017
Beate Passow, "Gibraltar", 2017Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 2 - Beate Passow, "Gibraltar“, 2017 - Tapisserie 201 mal 157 Zentimeter - © Beate Passsow Foto: Nikolaus Steglich - Dieses Motiv dokumentiert wie gemächtlich ein Berberaffe auf einem ausgedienten Kanonenrohr, im oberen Teil der Enklave Gibraltar, hockt. Er ist der „Wächter“ Europas (Gibraltar) und „bewacht“ die Grenze zwischen dem europäischen Kontinent und dem nur wenige Kilometer entfernten Afrika. (Und in Gibraltar gilt bis heute das Motto: Solange die Berberaffen hier "hausen“, so lange bleibt Gibraltar britisch!)

Beate Passow,  "Lampedusa", 2017
Beate Passow, "Lampedusa", 2017Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 3 - Beate Passow, "Lampedusa", 2017 - Tapisserie 200 mal 155 Zentimeter - © Beate Passow - Ein Sinnbild für die Flüchtlingskatastrophen an Europas Außengrenzen, hier der Hafen von "Lampedusa“. Blickfang ist ein Bootsfriedhof, zertrümmerte Kähne und in der Bildmitte ein großes Skelett - der Tod kommandierte eine Flotte und zerstörte Schiffe, die auf furchtbare Schicksale verweisen. Hier ist z.Z. Europas geografische Grenze (Mittelmeer), eine "Linie“ zwischen Leben und Tod, zwischen Humanität und Barberei (!).

Beate Passow, "Gelbwesten-Protest am Pariser Triumphbogen“, 2018/19
Beate Passow, "Gelbwesten-Protest am Pariser Triumphbogen“, 2018/19Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 4 - Beate Passow, "Paris“, 2018/19 - Tapisserie 162 mal 245 Zentimeter - © Beate Passow Foto: Nikolaus Steglich - Es ist ein "gewebter Teppich nach Foto eines Gelbwesten-Protestes in Paris am Triumphbogen (Arc de Triomphe). Die Gelbwesten-Bewegung ist eine über soziale Medien organisierte Bürgerbewegung von landesweiten Protesten in Frankreich zwischen November 2018 bis Frühjahr 2019. Die "Bezeichnung" stammt von den "gelben Warnwesten", die als Erkennungszeichen getragen wurden und die ziemlich radikale Forderungen z.B.: Senkung aller Steuern, Anhebung des Mindestlohnes und der Renten aufgestellten.

Beate Passow, "Daily Express (Brexit)", 2020
Beate Passow, "Daily Express (Brexit)", 2020Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 5 - Beate Passow, "Brexit", 2020 - (Titelbild des Daily Express, einer britischen Boulevardzeitung vom Freitag, dem 31. Januar 2020) - Tapisserie 230 mal 160 Zentimeter - © Beate Passow - Ein typisches "politisches" Motiv für die bis heute andauernden Austrittsverhandlungen Großbritanniens aus der Europäischen Union (!).

Beate Passow, "Wunden der Erinnerung", 1993 bis 1995
Beate Passow, "Wunden der Erinnerung", 1993 bis 1995Foto-Quelle: © Beate Passow und Andreas von Weiszäcker

Bildergalerie Bild 6 - Beate Passow, "Wunden der Erinnerung“, 1993 bis 1995 - Erstmals begegnete ich einem passowschen Werk - einem Denkmal - in München-Schwabing. Konzepiert wurde es von Beate Passow und Andreas von Weiszäcker in den Jahren von 1993 bis 1995. Das Erinnerungswerk existiert bis heute an der Schellingstraße/Ecke Ludwigsstraße (Bushaltestelle „Universität“ der Linien 153 und 154) und dokumentiert (nochimmer) "eindringlich" Einschuss- und Einschlagslöcher in der roten Backsteinwand der Ludwig Maximilian Universitätsbibliothek. Eine wirkungsvolle Dokumentation im öffentlichen Raum Münchens von Spuren des Zweiten Weltkrieges (!). Durch die angebrachte Glasscheiben-Aufschrift "Wunden der Erinnerung - B. Passow A. v. Weizsäcker“ wird man auf "das Objekt" glaubhaft aufmerksam gemacht, erinnert und läßt ein wirkliches Mahnmal entstehen (!). (Im Jahre 1995 fand im Münchner Haus der Kunst - zum 50. Jahrestag des Kriegsendes - eine Ausstellung zu diesem Kunstprojekt "Wunden der Erinnerung“ statt. (Zu dem Projekt gehören insgesamt 32 Farbfotographien der Installationen von Laurenz Berges).

Beate Passow, "WANTED",  2016/17
Beate Passow, "WANTED", 2016/17Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 7 - Beate Passow, "WANTED“, 2015/2017 - Serie von acht Fandungs-Plakaten - Das abgebildete Plakat (1972) ist eines von acht Motiven ihrer WANTED-Fandungs-Plakat-Serie. Typische "Fandungsfotos" von den anarchistischen Gewalttätern der "Rote Armee Fraktion" sind hier veröffentlicht. - Tapisserie (Foto mit Stickerei) - 120 mal 90 Zentimeter, 2015/2017 - © Beate Passow

Beate Passow, "Burkas im Biergarten", 2006
Beate Passow, "Burkas im Biergarten", 2006Foto-Quelle: © Beate Passow

Bildergalerie Bild 8 - Beate Passow, Fotoaktion "Burkas (im Biergarten)“, 2006 - © Beate Passow - Dieses Fotos mit drei farbenkräftigen Burkas fällt einfach auf: Es geht um drei verschleierte Personen - man kann sie nicht erkennen (ob Mann oder Frau?). Bei den Burkas denkt man direkt an den "Islam" und nimmt an, dass es Frauen sind. Hier in Deutschland (in einem bayerischen Biergarten) hat Beate Passow diese Burka-„Träger“ fotografiert (es gibt noch weitere Motive z.B.: vor der Frankfurter Börse, auf einem Motorrad, auf der Münchener Maximilianstraße usw.). Trifft man eigentlich überall in Deutschland die islamische Kultur? Hat sich im christlichen Abendland schon eine islamische Parallel-Gesellschaft etabliert? Hat Beate Passow diese Fotos inszeniert? - Sie will sicher kein karnevalistisches Verkleidungsspiel! Kann man die Situationskomik des Foto genießen, so wie es die anderen Biergarten-Besuchern auch tun ? - trotz "dieser" Kontraste.

Beate Passow, Farbfoto um 2020
Beate Passow, Farbfoto um 2020Foto-Quelle: © Audio BR/Bild privat

Bildergalerie Bild 9 - Beate Passow, ein Farbfoto aus dem Jahre 2020 - © Audio BR/Bild privat


Links:



(Beate Passow - Biografie)
https://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Passow

(Aktionskunst)
https://de.wikipedia.org/wiki/Aktionskunst

(Politische Kunst/Performance (Kunst))
https://de.wikipedia.org/wiki/Performance_(Kunst)

(Konzeptkunst)
https://de.wikipedia.org/wiki/Konzeptkunst

(Tapisserie/Bildwirkerei)
https://www.google.com/search?client...=Tapiserie+


Map-Data:
Museum München Stuck - Ausstellung „Beate Passow. Monkey Business“ - Prinzregentenstraße 60, 81675 München

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