Der Flüchtling und die Garage
Der Flüchtling und die Garage
Der Flüchtling und die GarageFoto-Quelle: Gerd Altmann bei Pixabay

Wenn sich ein unbedarfter und uninformierter Mensch mit dem festen Willen, eine Community zu spalten, das Moria-Flüchtlingproblem kleinredet, kommt ein Geschichtlein gerade recht; ein zusammengebasteltes Geschichtlein vom bösen Nachbarn, dem man doch gutmütig die Garage als Notunterkunft überlassen hat, und der sie abfackelt und dem man dann nicht mehr vertrauen kann.
Böser Nachbar!
Und so undankbar!

Genaueres Hinschauen ergibt: Dieses Geschichtlein ist nicht etwa irgendein „Netzfund“, wie beiläufig beschrieben, sondern ein wissentlich und willentlich zur Hetze eingesetzter Beitrag bei Twitter; geschrieben von Thilo Schneider; wohlbekannt für diverse andere Hetzbeiträge, gesperrt und gelöscht bei Facebook, nun seine ätzende Satire streuend bei der „Achse Des Guten“ im Schulterschluss mit Sarrazin und Broder und Lengsfeld -- um nur die ganz Bekannten zu nennen.
Ach so!
Thilo Schneider nennt seinen Beitrag "Auf den Punkt gebracht".
Nein, Herr Schneider, mitnichten auf den Punkt gebracht. Sie 'vergaßen' die Menschlichkeit.

Was nämlich nicht erkannt wird: Das Gleichnis geht meilenweit am Problem vorbei, und das schöne deutsche Wort vom "Hinkenden Vergleich" fällt mir ein. Bloß der hier hinkt nicht, der bewegt sich geradezu im Rollstuhl fort, nur mühselig stockend und holpernd.

Zwischen Wize-Life-Empörung (großflächig gelöscht) und Jubel (80? LW) über den "treffenden Vergleich" mit der Garage habe ich allerdings etwas gefunden, das es wert ist, extra erwähnt zu werden, und das mit wenigen nackten Zahlen diese hübsche kleine Garagennotiz in meinen Gedanken dorthin beförderte, wohin sie gehört:
Auf den Müll.

Zunächst mal die hier von Jens Em, der ein feines kleines Bild zeichnet:

<“Euer Haus brennt also ab.
Am Ende werdet Ihr auf einem Campingplatz untergebracht mit Sanitäranlagen für 50 Personen .. auf dem Platz sind allerdings schon 400 andere, aber Ihr seid DANKBAR! Ihr müsst dort Wochen, Monate verbringen, wisst nicht, nicht wie es weiter geht, nur das Ihr dort aktuell nicht rausdürft, aber Ihr seid DANKBAR.
Rund um euch herum (DICHT! herum) sind Menschen, die ihr nicht kennt, deren Sprache ihr nicht versteht, aber ihr seid DANKBAR, auch nach 6 Monaten noch. Auch, als Euch jemand sagt: sorry, jetzt dürft ihr den Platz garnicht mehr verlassen, seid Ihr dankbar , denn ihr habt ja eine Decke auf der Ihr schlafen könnt. Wer braucht ein Bett?

Und irgendwann zündet am anderen Ende jemand, den Ihr nicht kennt, noch nie gesehen habt, den Campingplatz an. Ihr rennt um Euer Leben, vielleicht mit Euren Kindern im Arm? Mehr als das was Ihr beim Rennen tragen könnt, habt Ihr ja sowieso nicht mehr.

Und Ihr nehmt Eure Schuld daran an, denn offensichtlich wart Ihr doch nicht dankbar genug, jetzt habt IHR keine Hilfe mehr verdient.“>

Hut ab!

Und noch eine zweite Sicht auf die Dinge, gleich hinterher, von Sus Anne, die uns in dieser von Sascha Lobo zitierten Aufstellung ruckzuck verdeutlicht, wie die Bedingungen in Moria seit JAHREN aussehen:

<“Moria ist für eine 'vorübergehende' Unterbringung von 2.800 Asylsuchenden ausgelegt. Zeitweise wurden dort über 20.000 Menschen eingepfercht ... zur Zeit sind es über 13.000, darunter 4.000 Kinder. Eingepfercht auf einer Fläche die in etwa die Größe von 6 Fußballfeldern entspricht.
Zum Vergleich, damit jedem aufgeht, worüber hier geschrieben wird:
Deutschland: 240 Einwohner pro km² - Berlin: 4.000 Einwohner pro km²...
Hochgerechnet hätte demnach Moria 260.000 Einwohner pro km² ... ungefähr so, als hätte Berlin 230 Millionen Einwohner und die meisten davon ohne fließendes Wasser und Strom.
Im Klartext heißt das: Es ist die Hölle !!!
Verhältnisse, die menschenunwürdig sind ... ohne Zugang zu ausreichend frischem Wasser, genügend Nahrung, vernünftiger ärztlicher Versorgung, von Schulbildung für die Kinder mal ganz abgesehen.
Sie vegetieren dahin, denn eine Möglichkeit, sich selbst zu helfen, bleibt ihnen ebenfalls verwehrt, und alle schauen weg.
Und dann treten im März die ersten Corona-Fälle auf, mit dem Resultat, dass das Lager gar nicht mehr verlassen werden darf, sonder unter Quarantäne gestellt wird.
Ich glaube jeder dieser Menschen wäre heilfroh in einer Garage hausen zu dürfen, so abartig ich diesen Gedanken auch finde, denn dort hätten sie wenigsten einen Boden unter den Füßen und keinen Schlamm, und feste Wände, die wenigstens einigermaßen Schutz bieten.
Vielleicht wäre die Garagenbesitzerin sogar so gnädig, einen Ofen reinzustellen im Winter ...
Obwohl, nein, sie nennt sich ja selbst ein wenig herzlos.
Und nein, ich finde es nicht gut, dass Feuer gelegt wurde aber ich kann es zumindest verstehen. Mit der gleichen Verzweiflung haben sich nämlich diese Menschen auf den Weg gemacht, wohl wissend, dass sie auf der Flucht ums Leben kommen könnten.“>

Und noch einmal: Hut ab!
Und danke den beiden, dass sie auf diese Weise eine dumme und lächerliche Notiz mit wenigen Worten ad absurdum geführt haben. Ich hoffe, sie verzeihen mir geringe Korrekturen ihrer Kommentare.

84 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Am vergangenen Wochende sa ich in den Nachrihten im TV, daß einige Demonstrierende ein Plakat vor sichher trugen, mit den Worten: Wir haben Platz! Da fiel mir auf, daß wir anscheinend keine Wohnungsnot mehr haben? Warum werden dann die Hauseigentümer von dieser Regierung immer noch gegängelt? Warum haben wir immer noch Menschen die unter Brücken wohnen, mit Kartons als Dach über ihrem Kopf? Was sind wir doch ein Volk von Pharisäer, den eigenen Landsleuten wird ene Hilfe versagt, aber für Andere Menschen wird demonstriert. Leider habe ich noch keine Nachricht erhalten, wo es denn den Platz für Familien gibt. Wer kommt für die neu Zugewanderten dann auf? Und wer bremmst den weiteren Zuzug? Vielleicht denken wenigstens mal einige darüber nach?
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wize.life-Nutzer
Bei dem Vergleich hat´s mich geschüttelt.-wie hemmungslos,unwissend,-sarkastisch-unüberlegt,-perfide ...In einem Wort zusammengefasst Menschenunwürdig. Danke für Deinen Beitrag Polly.
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wize.life-Nutzer
Für Hunderttausende Kämper der normale Urlaub der hier geschildert wird. "Am Ende werdet Ihr auf einem Campingplatz untergebracht mit Sanitäranlagen für 50 Personen .. auf dem Platz sind allerdings schon 400 andere, aber Ihr seid DANKBAR! Ihr müsst dort Wochen, Monate verbringen, wisst nicht, nicht wie es weiter geht, nur das Ihr dort aktuell nicht rausdürft, aber Ihr seid DANKBAR.
Rund um euch herum (DICHT! herum) sind Menschen, die ihr nicht kennt, deren Sprache ihr nicht versteht, aber ihr seid DANKBAR, auch nach 6 Monaten noch. Auch, als Euch jemand sagt: sorry, jetzt dürft ihr den Platz garnicht mehr verlassen, seid Ihr dankbar , denn ihr habt ja eine Decke auf der Ihr schlafen könnt. Wer braucht ein Bett?"
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wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Danke, wize.life-Nutzer!!!
wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Sehr gut..... Nun kann sich auch der uninformierteste Mensch vorstellen, wie unter den Augen der Industrieländer dort Menschen leiden.....
wize.life-Nutzer
Hier kommen mehrere ungelöste politische Konflikte zusammen. Einmal der Erdgasstreit zwischen Griechenland und dem Natopartner Türkei. Des Weiteren kommt die Flüchtlingspolitik, wenn man sie als diese überhaupt bezeichnen kann, viel mehr Hinhaltepolitik. Die Staaten geben diesen Grenzländern Geld und die machen das dann schon.
Alles kommt jetzt ans Licht und das auf Kosten vieler geflüchteten Menschen. Hinzu kommt der weltweite Rechtsruck!
Es ist eine Schande für die Welt und die Menschenrechte, was dort gerade auf Lesbos und in vielen anderen Flüchtlingslagern abgeht!
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wize.life-Nutzer
Alles gesagt ... Bleibt nur noch zu sagen, dass es das richtige war.
wize.life-Nutzer
Genauso ist es!
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wize.life-Nutzer
Danke wize.life-Nutzer für deine Worte, dann wollen wir mal hoffen, alle die so fleißig LW: verteilt haben, begreifen es auch obwohl, ich bin mir da nicht so sicher.
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