Die Ellerbeker Hunderunde
Ellerbeker Hunderunde
Ellerbeker HunderundeFoto-Quelle: Robert Kühl

Als langjähriger Hundehalter verfügt man schnell schon über einen reichhaltigen Alltags-Erfahrungsschatz, der das Wissen, das in Hundeschulen vermittelt wird, um ein Vielfaches übersteigen kann. Das wurde mir gestern wieder dankbar bewusst, als wir uns mit unserer Hunderunde auf der Hundewiese aufhielten.
Wir waren mit einem Rudel von knapp zehn großen Hunden unterwegs, als über den südöstlichen Eingang ein Hundehalter mit einem kleinen Welpen die Wiese betreten wollte – optimistisch, gutgelaunt und leinenlos! Erschreckt nahm er unsere Gruppe wahr und rief sogleich seinen Hund zurück, der jedoch schon unterwegs war, Ohren auf Durchzug, Brust am Boden, Zunge raus und hektisch mit dem Schwanz wedelnd. Panisch werdend rief Herrchen mehrfach seinen Namen und löste damit lautes Gelächter bei uns aus. Waren wir alle doch Profis für Hundrückrufe und hätten ihm gleich sagen können, dass das keinerlei Zweck hat. „Anfänger“ halt.
Im Laufe der Jahre lernt man seinen Hund kennen und weiß, welcher Rückruf der genau richtige ist. Das zeigt sich in seiner ganzen Vielfalt, wenn das Rudel geschlossen durchs Unterholz tobt – während Frauen geneigt sind, in allen Facetten verfügbarer Tonalität nach ihren Lieblingen zu kreischen (Lottis Frauchen beherrscht diesen abschreckenden Rückruf perfekt!), äußern Männer sich relativ verhalten.
Meine eigene Taktik ist Zuversicht. Allzu oft ist Mina dabei, wenn das Rudel aus unerklärlichen Gründen wieder zurückkehrt. Manchmal aber nicht, sie kommt dann halt später. Wenn es dann doch mal nötig sein sollte, sie zu rufen, mache ich das ungekreischt und voller Ruhe: „Mina, komm!“, was gerade Hundehalter, die mich nicht kennen, zur Bewunderung treibt. Allerdings kommt sie dann auch nicht – was unbedingt zu erwarten war und was ja auch gelebter Normalität entspricht.
Nein, Zuversicht allein genügt natürlich nicht für einen erfolglosen Hunderückruf. Besonders wichtig ist Konsequenz, die in der Hundeerziehung sowieso unabdingbar ist. Ich selbst habe da schon viel erlebt mit Mina (und sie mit mir). Sie weiß genau, was los ist, wenn ich schon zum dritten Mal rufe und sie nicht gehorcht: Ich werde weitergehen und sie hat dann ihre Ruhe.
Natürlich gibt’s Schreckensszenarien, die man aufbauen könnte. Die Erwähnung einer „Hundepeitsche“ hat mir im Tierheim einmal sehr viel Beachtung eingebracht. Umgekehrt könnte die Drohung, den Hund im Tierheim abzugeben (und vielleicht gegen einen Hamster einzutauschen), ein ziemlich probates Zwangsintrument sein und u.U. Panik verbreiten. Man könnte dem Hund auch androhen, einen Knoten in den Schwanz zu machen oder das Damoklesschwert lebenslangen Lekkerlieverbots über seinem Haupt verbreiten. Oder so, wie Lunas Herrchen, das zu längeren vernunftgeprägten Therapiegsprächen neigt, wenn der Hund denn wieder da ist. Eine recht eigenwillige und ungewöhnliche Taktik allerdings.
Für Anny gibt’s eine unhörbare Flöte, die melodiziös durch den Wald schallt und nur für den Menschen nicht unhörbar ist. Paul wird mit einem markanten „Paul-Rüdiger!“ zurückgerufen, weil er auf „Paul!“ alleine noch schlechter hört. Nur Buddys Herrchen meidet noch den erfolglosen Rückruf und kehrt oft mit dem Hund unterm Arm aus dem Unterholz zurück. Eine echte Lösung für ihn wäre die Rückruf-App (99 Cent, für Android und iPhone). Sie enthält eine Vielzahl Töne vom Swoppen einer sich öffnenden Kühlschranktür über das Abreißen eines Joghurtbecherdeckels bis hin zum Knistern einer Lekkerlietüte. Extratipp: Diese App soll's demnächst sogar mit entsprechenden Gerüchen geben für allerdings dann 5,99!
Nicht alle Hunde laufen mit dem Rudel mit. Der kleine Barney traut sich noch nicht, Persönlichkeit zu entwickeln und mitzulaufen, weil seinem Frauchen einfach noch die richtige Tonlage für den erfolglosen Hunderückruf fehlt – genauso wie die „Eltern“ von Theo und Lenny noch keine Idee für eine eigene Taktik entwickeln konnten. Dafür sind ihre Hunde wohl zu groß.
Überraschend ist allerdings, dass zur traditionellen, die Hunderunde abschließenden gemeinschaftlichen Lekkerlievergabe, fast alle Hunde ordnungsgemäß anwesend sind. Sogar die, die eigentlich nicht von Beginn an dabei waren.
Nur Mina fehlt. Dabei habe ich sie noch gar nicht gerufen ...

31 Kommentare

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Also bei Katzen geht das ja gaaar nicht mit dem Rückruf. Egal wie man es macht. Sie reagieren auf Geräusche. Z.B. auf das öffnen einer Whiskas-Dose in einem Bergwerkstollen, auf der anderen Seite der Erde.
wize.life-Nutzer
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Aber auch nur, wenn die Geschmacksrichtung genehm ist
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Pruuust ... da krieg ich ja Lust auf Gassirunde, obwohl ich gar keinen Hund hab
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Klasse geschrieben ......man fühlt sich irgendwie mitten drin
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Also meine beiden Löwen kommen sofort, wenn ich sie rufe, holen ihr Leckerli und zischen sofort wieder ab. Sie haben schließlich Wichtigeres zu tun.
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Also das muss ich sagen, auch meine Mina ist in Bezug auf Lekkerlies überaus zuverlässig!
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Siehste - gewusst wie.
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Rooobääärt, herr-lich geschrieben!
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Wundervoll ,ich hab das Gefühl ,du hast mit Minna an deiner Seite ,weitaus bessere Zeiten ,als mit einer Frau. Wunderschön die Geschichte
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Das stimmt tatsächlich
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Ich weiß nicht, was ihr habt ...
Mein Hund hört aus ´s Wort ...!

Wenn ich ihm sage: "Kommste her oder net"
dann kommt er sofort her .....
.....
.....
oder net ...
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Oha, das ist auch eine sehr clevere Taktik!
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Bin halt ´n "Cleverle" .... mein Hund ist manchmal trotzdem schlauer
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Also Ruy ist ein Musterhund..wen ich rufe schaut er auf, meint die mich...ich schnuffel nochmal ne Runde..dann kann ich immer noch kommen .. .aber wehe wenn der Ton scharf wird....dann fliege ich!
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Ich schmeiß mich weg....man kommt mir das bekannt vor
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Paul-Rüdiger
Eine Nachbarin von mir schafft es nicht, ihren Hund zu rufen, also es klappt nie. Sie ruft z.B. "kommst du jetzt endlich zurück", "wo bist du denn", "nun komm doch endlich"
Ich lach mich regelmäßig weg
P.S. sie geht seit einem Jahr 2x die Woche zum Hundetraining
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Hundetraining ist eine gute Sache!
Sollte ich mit Mina auch mal machen, damit sie Kunststücker lernt.
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ich bin mit Teo auch mal dagewesen und hab es aufgegeben. Es war mir zuviel Drill und sie konnten auch zum Schluß sich nicht mal spielend jagen oder so.
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Die falsche Schule!
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