Emanzpation - Gnadenakt oder Menschenrecht?
Emanzpation - Gnadenakt oder Menschenrecht?
Emanzpation - Gnadenakt oder Menschenrecht?Foto-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

Soso, da meint also jemand in einer mittlerweile gelöschten Notiz, in Gottes Schöpfungsplan soll die Emanzipation der Frau nicht vorgesehen sein? Kommentierende hoben darauf ab, Emanzpation beteute vielmehr die „Freilassung“ von Unmündigen“ und Sklaven? Es sei mithin Sache der Männer, ob sie „ihre“ Frauen „freiliessen“ oder nicht.
Vielleicht sollte man die "Emancipation Proclamation" des US-Präsidenten Abraham Lincoln vom 1. Januar 1863 erwähnen, mit denen per Federstrich alle Sklaven in den USA zu freien Menschen erklärt wurden und der Sklaverei damit zumindest ihre gesetzliche Grundlage entzogen wurde. Auch in diesem Fall wird betont, dass die in Unfreiheit gehaltenen durch einen letztlich gewillkürten Akt zu freien Menschen "gemacht" wurden, obwohl sie doch im naturrechtlichen Sinne qua Mensch-Sein von Natur aus frei sind. Lincoln wertete nichtsdestoweniger die Sklaverei trotz aller taktischen Winkelzüge als unmoralischen, sittenwidrigen und auch gesetzeswidrigen Zustand, den es zu beenden gelte und sah dies ausweislich zweier Zitate nicht als "Gnadenakt", sondern als Handeln nach naturrechtlichem Gebot (abgesehen von seinem taktischen Verhalten gegenüber der Sklaverei:

"Kein Mensch ist von Natur aus dazu berufen, über andere Menschen zu herrschen."

"Die, die anderen die Freiheit verweigern, verdienen selber die Freiheit nicht."

Letzteres betont ganz deutlich, dass der einzige Grund, die Freiheit einzuschränken, darin liegt, wenn die Freiheit anderer eingeschränkt wird. Ansonsten gibt es keinen Grund dazu, wie schon z.B. John Locke 1690 festgestellt hat. Von diesem Freiheitsverständnis ist bei der heutigen Deutung des Begriffes "Emanzipation" auszugehen, nämlich dass Unfreiheit oder ein "voremanzipatorischer" Zustand per se Unrecht sind, gegen das sich zur Wehr gesetzt werden darf. Emanzipation bedeutet also heutzutage vielmehr nicht, das man "freigelassen" wird, sondern dass man sich legitimerweise das Recht der Freiheit nimmt. Letzteres haben in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren die afrikanischen Staaten demonstriert, als sie die Kolonialmächte wissen ließen, dass sie weder dazu bereit seien, auf die "Dekoloniserungs"-Pläne der Europäer Rücksicht zu nehmen, noch dazu, die Freiheit als "Geschenk" der Europäer anzunehmen, sondern Freiheit als ihr legitimes Recht ansahen, das ihnen vorenthalten wird. Sie bewiesen es einerseits durch effektiven Guerillakrieg und notfalls dadurch, dass sie vor laufender Kamera einem leibhaftigen Monarchen, der ihnen soeben huldvoll die Freiheit "gewährt" und sie zum "würdigen Gebrauch" derselben aufgerufen hatte, den Prunksäbel klauten. Und nicht umsonst spricht man heute von der Emanzipation nicht mehr im Passiven des "emanzipiert werdens", sondern im Aktiven des "sich emanzipierens". Warum sollten Frauen als Hälfte der Menschheit dies anders sehen?

Ob ein anzunehmender Gott das in seinem vorgeblichen Schöpfungsplan vorgesehen hat, ist mir nicht bekannt. So wie er im Allgemeinen beschrieben wird, halte ich ihn aber für durchaus lernfähig. Manchen Politikern wie Herrn Lindner oder Publizisten wie Herrn Tichy muss aber in dieser Hinsicht eindeutig auf die Sprünge geholfen werden. Siehe dazu auch Claudia Roth, MdB/MdEP und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 25. September dieses Jahres:

https://www.deutschlandfunk.de/sexis...e_id=484722

4 Kommentare

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Männer, die proklamieren, ihr Geschlecht sei den Frauen in irgendeiner Weise überlegen oder bevorrechtigt, beweisen damit nur, dass sie sehr vielen Frauen einfach nicht gewachsen sind und allein dadurch noch eine Möglichkeit sehen, ihre “Ehre“ zu retten.

Dass sie sich damit gerade als arme Kerlchen outen, die nun mal nicht auf Augenhöhe mit den Frauen agieren können, ist ihnen dummerweise nicht bewusst
wize.life-Nutzer
Gleichwertigkeit schließt das Anderssein aber nicht aus. Und dieses Anderssein ist eine wunderbare Ergänzung zum jeweiligen Geschlecht, die so viel hervorbringen und ausgleichen kann. Im Sinne von "yin und yang".
wize.life-Nutzer
Anderssein schließt aber auch Augenhöhe nicht aus und darum geht es letztendlich. Man kann anders sein ohne unterschiedliche Wertigkeiten zu haben.

Alle gleich wäre langweilig. Unterschiede machen das Leben bunt und interessant.
wize.life-Nutzer
Im Grunde ist alles "anderes" und gerade darum so viel wert. Eine wunderbare Vielfältigkeit. Solange sie nicht zerstört ist, bietet sie eine unerschöpfliche Basis des "ewigen Werdens".
So kann ich, wenn ich dann will, immer dazu lernen.
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