Glücklich trotz Rente - das ist gar nicht so einfach
Glücklich trotz Rente - das ist gar nicht so einfachFoto-Quelle: Pixabay
Renteneintritt – Zerreißprobe für die Ehe

Auf einmal Tag und Nacht zusammen. Der Renteneintritt entpuppt sich für viele Paare als die größte Ehekrise und treibt mitunter die skurrilsten Blüten - siehe Loriots „Papa ante Portas“. Muss aber nicht sein. Das wichtigste: Dem anderen Freiräume gönnen.

Nicht wenige Scheidungen werden in den ersten paar Jahren nach der Pensionierung eingereicht. Kein Wunder. Wenn Paare, die seit Jahrzehnten nebeneinander her lebten, täglich im Durchschnitt nur sieben Minuten miteinander sprachen (laut einer Studie tun das Paare bereits nach wenigen Jahren des Zusammenlebens) von heute auf morgen dann jedoch dauernd zusammen sind, brechen oft Krisen aus.

Nicht selten liegt es an den Männern:
Wenn keine Sekretärin mehr da ist, die den Kaffee zubereitet, keine Kollegen zum diskutieren, keine Bestätigung durch den Beruf mehr erfolgt, mutieren sie zu Hause oft zu Tyrannen. Da wird der Vorrat katalogisiert, der Haushalt neu organisiert – Papa ante Portas ist Realität. Viele Frauen fragen sich dann – will ich den Rest des Lebens wirklich mit diesem Mann verbringen?

Wenn die Ehefrau zum Feldwebel wird
Doch auch Frauen leisten ihren Beitrag zur Renteneintritts-Ehekrise. Eine Tante von mir begann, ihrem Mann ständig Aufgaben zuzuteilen, diktierte ihm den gesamten Tagesablauf, feste Essenszeiten und er klagte: „Schlimmer als seinerzeit in der Kaserne." Er bezeichnete sie deshalb nur noch als „meinen Feldwebel". Eifersüchtig überwachte sie seine Ausbruchsversuche mit seinen Freunden, war beleidigt, wenn er abends mal später heimkam und statt der erlaubten zwei Bier drei oder sogar vier getrunken hatte.

Zweite Flitterwochen
Allerdings geht es auch anders. Als bei Freunden von mir der Mann pensioniert wurde, begannen die beiden erst, ihre Ehe zu genießen – immerhin bereits 35 Jahre verheiratet. Sie turteln wieder richtig, verwöhnen sich mit kleinen Aufmerksamkeiten, fahren ständig gemeinsam weg. Was war da passiert? „Bis vor kurzem wohnte ja noch ständig eins der Kinder bei uns. Und mein Mann war im Beruf extrem beansprucht", erzählte mir die Frau. Als Manager war auch ständig im Ausland und die beiden hatten eigentlich seit Beginn ihrer Partnerschaft noch nie so richtig Zeit füreinander gehabt. Das haben sie erst jetzt. Und das genießen sie.

Die Beziehung neu beleben
Sicher ein Fall, der nicht für alle Neurentner-Paare zutrifft. Leider. Doch ein bisschen kann jeder dafür tun, dass seine Beziehung auch mit Pensionierungseintritt für beide lebenswert bleibt und vielleicht sogar noch etwas an Qualität zulegt. Hier die besten Tipps:

Beginnen Sie schon mindestens ein Jahr vor dem Berufsende, die Rentenzeit vorzubereiten. Was planen Sie dafür? Was würden Sie gerne tun und hatten bisher nie die Zeit dazu?

Besprechen Sie das mit Ihrem Partner – was schwebt dem so für diese Zeit vor, welche Wünsche hat er?

Sicher werden die beiden Wunschlisten nicht in allen Punkten übereinstimmen. Und das ist gut so:
Schaffen Sie sich gegenseitig Freiräume, in denen jeder seinen eigenen Hobbys nachgeht.
Diese Freiräume beleben die Beziehung und sorgen für neuen Gesprächsstoff miteinander. Sicher kennen Sie doch auch Paare, die sich einfach nichts mehr zu sagen haben. Wenn man ohne den anderen Neues erlebt, gibt es viel zu erzählen – und man wird automatisch für den anderen auch wieder interessanter.

Suchen Sie sich, falls Sie sich geistig zu wenig gefordert fühlen, ein Aufgabe. Das schenkt Bestätigung und tut dadurch auch der Beziehung gut. Beginnen Sie ein Seniorenstudium oder engagieren Sie sich ehrenamtlich. So macht es ein mit mir verwandtes Paar: Er, vormals Jurist, studiert jetzt Musikwissenschaften und beschäftigt sich dadurch mit seinem liebsten Hobby, der Musik. Sie, früher Sozialpädagogin, gibt Kinder aus Hartz-IV-Familien Nachhilfeunterricht.

Autor: Monika Preuk

Kennt ihr das? Welche Erfahrungen habt ihr selbst gemacht oder vielleicht eure Eltern oder Bekannten?

113 Kommentare

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....und ob das "EINFACH" ist, ich finde das "SUPERTOLL", das ist "LEBEN".....!!
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Für meine Eltern war das kein Problem. Für mich selber wird es auch nicht sein da ich eingefleischte Singlefrau bin und auch bleiben möchte. Mein Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig. Darum kommt das Thema bei mir nicht auf.
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da wir eine fernbeziehung hatten,hatte jeder seinen haushalt.nach meiner pensionierung,bin ich nach deutschland zurückgekehrt,wir kauften eine wohnung,die in der mitte von ihrer mutter und meinen kindern lag,mehr durch zufall,denn ihr sohn ist in stuttgart geblieben.nach ihrem umzug,ging es ihr plötzlich sehr schlecht,ihre gesundheit gab alles her,was mann sich denken kann.das aus mit der arbeit,gab eine rücken op.wir hatten unfälle,einer war immer für den anderen da,das hat unsere liebe zusammen geschweisst.nach meinem drängen lassen wir die wohnung zur zeit putzen,andere sachen machen wir zusammen.jeder hat sein hobby,ich gehe fischen,und sie bastelt.wir haben einen hund geholt,das mann,besonders ich bei wind und wetter raus muss.wenn es ihr mal besser geht,werden wir oft was unternehmen.immer nach absprache.jetzt müssen wir schauen,das wir die corona krise überstehen,und sie muss im reha sport,gucken,das ihre muskeln wieder aufgebaut werden,und sie wieder einigermassen fitt wird.viel reden,sich absprechen,und jeder hat seine zeit,für sein hobby.so kommen wir gut über die runden,nicht nur machen,was einer will,auch der partner hat wünsche.
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Ganz real !! Lass zischen, gibt nen Frischen
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Bei meinem Nachbarn sehe ich das schon so. Da ist sie jetzt in Rente gegangen. Er war schon lange. Aber jetzt putzt er wie wild, geht zum Einkaufen, muß dies und das tun... da denke ich auch manchmal , das er sich das gefallen läßt. Und im Garten höre ich sie auch schimpfen und anschaffen..... owei , owe. Er ist auch 7 Jahre älter ...
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Anschaffen? ... owei ...
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Wenn er beim Anschaffen genug Geld heimbringt ist doch alles OK
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Feldwebel? Meine Frau hat sich zum General entpuppt. Und ich muss mit General die Wohnung putzen
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Grüß Gott Herr Unteroffizier
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Nix da....sie hat mich degradiert zum Kanonier mit kaputter Kanone
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.... war/ ist nicht immer einfach... tja .. das Beste draus machen; gemeinsame Reisen bringen einiges wieder ins Lot und ein Jeder eine kurze Auszeit von Daheim nehmen... klappt super !! und halt auf ein harmonisch Miteinander zu achten !
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Bin sehr froh, dass ich vor 5 Jahren in Altersteilzeit gehen konnte.
Der Stress wurde mir zu viel.
So hatte ich mehr Zeit für meinen Freund. Freunde und öfter auf Reisen zu sein.
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Solange meine Frau nicht Scrabble spielt, bestelle ich auch kein Papier.
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Habe ich bei meinem Vater miterleben "dürfen" als er tätig in leitender Position in den Vorruhestand ging. Man konnte nie in Ruhe telefonieren. Das Telefon schnurgebunden befand sich im Arbeitszimmer. Und jedes Mal wenn Jemand telefonierte musste er, was für ein Zufall in seinen Ordnern was suchen. Er hatte auch wirklich die ganze Familie mit seiner Fragerei genervt "wo gehst Du hin?" "wann kommst Du vom Einkaufen wieder?".
Der Gipfel bei mir. Ich war mal beim Friseur, als mein Vater dort anrief, wann ich nach Hause komme. Megapeinlich!!!!!
Zum Glück fand mein Vater dann noch den Einstieg in eine selbstständige Beratertätigkeit. So hatte sich das gelichtet,.
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