Hotel "Mama"
Hotel "Mama"Foto-Quelle: Pixabay
Wenn Kinder nicht ausziehen wollen

Sie heißen Nesthocker und bleiben zu Hause im Hotel Mama, obwohl sie schon lange im Beruf stehen. Bei aller Liebe zu den Kindern: Woher kommt dieses Phänomen und wie kann man die lieben „Kleinen“ dazu bewegen, endlich einen eigenen Hausstand zu gründen?

In unserer Jugend war mal wieder alles anders. Mit 20 wohnte keiner mehr zu Hause, nur verweichlichte Mama-Bubis und Eigenbrötler, mit denen sowieso keiner etwas zu tun haben wollte. Wir konnten es doch gar nicht erwarten, mit 18 endlich mit dem ersten Freund oder der ersten Freundin zusammenzuziehen – weg vom strengen Kontrollblick des Vaters.

Heute ist das anders. Viele, vor allem junge Männer wollen gar keine eigene Wohnung mehr, sondern fühlen sich bei den Eltern super wohl.

Sogar jeder Zweite bleibt als Erwachsener bei den Eltern

Sehr viele jungen Erwachsenen bleiben mindestens bis Mitte 30 unter dem Dach von von Mama und Papa, in den 1970-er Jahren war das noch die Ausnahme. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer neuen Phase der Entwicklung, zwischen Jugend und Erwachsensein. Die Ursachen: Zu viel Fürsorge, zu wenig Streit, aber auch schlechte Jobbedingungen nach Ausbildung und Studium (Stichwort Generation Praktikant).

Doch wie gehen Eltern damit um? Nicht alle sind davon begeistert, wollen endlich auch die Zeit genießen, ganz der Herr in den eigenen Wänden zu sein – und letztendlich sollte sich der Sprössling mit 35 oder 40 doch auch mal abnabeln...

  • Verlangen Sie einen angemessenen Beitrag als Wohngeld – Freunde von mir haben ihrem Jungingenieur, tätig bei einem großen Autohersteller, 500 Euro pro Monat abgeknöpft. Nach einem halben Jahr zog er aus und freut sich jetzt, dass die gemeinsame Wohnung mit der Freundin für ihn billiger ist... Falls es Diskussionen um die Höhe des Wohngelds gibt: Bleiben Sie hart. Wenn Markenklamotten im Schrank hängen, teure Urlaube angesagt sind und ein eigenes Auto vor der Tür steht, zieht das Gejammer nicht.
  • Genießen Sie Ihr Haus/Wohnung in vollen Zügen und demonstrieren Sie, dass es Ihres ist und nicht das vom Nachwuchs: Also, laden Sie sich so oft Sie mögen Gäste ein, auch mal für ein paar Tage die Tante aus Hamburg – wer weiß, wie lange sie noch lebt.
  • Kaufen Sie Lebensmittel ein, die nur Ihnen schmecken. Also nicht ständig die Lieblingsschokolade vom Nachwuchs bevorraten, sondern nur das, was die Eltern mögen.
  • Kochen Sie ausschließlich nach Ihrem Geschmack und nicht nach dem des Sprösslings. Leibgerichte gibt es für ihn ab jetzt nur noch zum Geburtstag – und am Tag seines Auszugs.

Autorin: Monika Preuk

Soweit die Theorie 🤣
Wie sieht es in der Praxis aus?
Wann sind eure Kinder ausgezogen?
Wann seid ihr bei euren Eltern ausgezogen?

79 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ist das ein wunder, bei diesen mieten.
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wize.life-Nutzer
Ich musste nach dem Abi zum Bund, danach zum Studieren. Da hatte ich zwar noch mein Kinderzimmer im Elternhaus, war dort aber nur noch zu Besuch.
Heute gibt´s die Wehrpflicht leider nicht mehr!
Unsere Tochter hat mehrere Semester im Ausland studiert und kam dann noch einmal kurz zurück um sich beruflich zu orientieren.
Unser Sohn hat sich selbst eine eigene Wohnung im Untergeschoß ausgebaut und macht keine Anstalten auszuziehen. Allerdings lebt er dort völlig unabhängig von uns.
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wize.life-Nutzer
Bin auch erst Mitte 20 ausgezogen, zu meinem Schatz.
Vorher hab ich einfach zu wenig verdient um mir auch nur 1 Zimmer leisten zu können. Bis dahin musste ich aber ordentlich zu Hause mit helfen und noch ordentlich Kostgeld abgeben.
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wize.life-Nutzer
Mit 19 zum Bund - dann noch mal was drangehängt - und erstmals eigenes Geld verdient - und eigenen Haushalt gehabt. Danach zum Studium mit WG-Zimmer - und auch wieder eigener Haushaltsführung. Dann schließlich geheiratet und mit Frau zusammengezogen - also quasi nach Schulabschluss auf eigenen Füßen gestanden. Ist bei unseren Kindern ähnlich gelaufen - ganz ohne Zwang und "Nachhilfe". Sie kommen gern wieder zu Besuch - und werden dann auch gern bekocht - aber "Hotel Mama mit Wäschesachen und Vollpension"? Kein Thema. Und ihr so, wize.life-Nutzer ?
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wize.life-Nutzer
Durch die Einberufung zur Bundesluftwaffe bin ich mit 19 schon von zu Hause weg. Ich mußte ins 800 km entfernte Hamburg mein Grundi absolvieren - danach Zeitsoldat auf 4 Jahre.
Dadurch dass ich immer unterwegs war - auch im Außland, musst du als junger Mensch schnell selbstständig werden. Also den Umgang mit Waschmaschine sowie Faden und Nadel - ja das lernte man noch bei der Bundeswehr - Putz- und Flickstunde hieß das im Dienstplan.
Nach der Bundeswehr habe ich dann noch die Hotelfachschule besucht - also Kochen kann ich auch. - So war man von zu Hause unabhängig und selbstständig.
Für mich war es die Schule fürs Leben - mit 19 von zu Hause fort zu gehen.
Wie sagt man so schön:
Wer nicht weg geht - kann auch nicht nach Hause kommen.
Jetzt genieße ich meine Heimat als Tourist wenn ich auf den Hunsrück komme.
Mein Heimatort ist Idar-Oberstein - Auch von Bruce Willes... der kommt auch als Tourist ab und zu gerne.
wize.life-Nutzer
Felsenkirche zu Idar-Oberstein - hier habe 1991 geheiratet
wize.life-Nutzer
Bei mir ging das ähnlich los. Mit 19 Abi, dann Wehrdienst, Grundi in HH-Rahlstedt, dann 8 Monate Coventry in GB und dann zum Studium nach Köln, wo ich erstmal voll versackt bin. Frau mit Kneipe im Vringsveedel, doppelt so alt wie ich und das ging dann bis zum 30. Lebensjahr. Es folgten Entgiftung, Entzug und danach 10 Jahre Nachtschicht am Flughafen CGN. Danach Ausbildung mit 40+ zum Industriekaufmann und dann bis zur Rente zum 1. Oktober 2020 bei den Bühnen der Stadt Köln als Finanzbuchhalter.
Mein Bruder war bis 32 im Hotel Mama, auch ein Studium versägt und hat bis auf ein kleines Haus auch nicht viel mehr zustande gebracht. Et hätt noch immer joot jejange! 😀
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wize.life-Nutzer
ausgezogen mit 23 bei Nacht und Nebel
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wize.life-Nutzer
Ich meine, übergroße Fürsorge und Liebe ist genauso schlecht wie Gleichgültigkeit und keine Liebe. Am Besten ist m.E. immer ein Mittelweg, gepaart mit Liebe und Fürsorge und gleichzeitiger Wegweisung zur Selbständigkeit. so oder ähnlich sollte es in allen Lebensfragen und auch in politischen Einstellungen sein: Es gibt halt nicht immer schwarz und weiß, sondern viel grau.
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wize.life-Nutzer
Nach dem Abi freiwillig zum Bund da keine Lust auf Studium. Unser Sohn ist auch si mit ca. 18 ausgezogen, kam dann aber nach ein paar Jahren kurz zurück
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wize.life-Nutzer
Ich bin mit 18 ausgezogen und das war zu meiner Zeit auch ganz in Ordnung so. Meine 25jährige Tochter hat sich zu Hause sehr wohl gefühlt, aber als ich ihr sagte, daß sie ab dem nächsten Monat 250€ Kostgeld zu zahlen hat, war sie ganz schnell raus, was sie wohl heute noch sehr bedauert...
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wize.life-Nutzer
Zu meiner Zeit konnten junge ledige überhaupt keine Wohnung mieten. Sie bekamen maximal ein Zimmer zur Untermiete. Die Freunde von mir, die in einem solchen Zimmer zur Untermiete wohnten, haben sich mehr in Lokalen und Gaststätten aufgehalten wie in ihrem Zimmer. So wollte ich nicht leben.
Insofern war an ein Ausziehen aus dem Elternhaus überhaupt nicht zu denken. Ich war mit 17,5 Jahren Geselle und hätte mir den Auszug finanziell leisten können, aber Wohnungen gab es nur für verheiratete Paare. Anders war es bei denen, die ein eigenes Haus, eine Wohnung ihr eigen nennen konnten oder über gute Beziehungen (meistens innerhalb des Familienkreises) eine eigene Wohnung mieten konnten.
Die anderen hatten die Möglichkeiten zu heiraten, zum Militärdienst oder zur See.
Ganz davon zu schweigen, dass irgend eine Behörde die ledigen jungen Menschen, die zu Hause ausgezogen waren oder rausgeworfen wurden irgendwie unterstützt hätte.
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