Anthonis van Dyck, "Dreifachporträt Karl I.", 1635/36
Anthonis van Dyck, "Dreifachporträt Karl I.", 1635/36Foto-Quelle: Gemeinfrei
Kunst verstehen: Der geniale flämische Porträtist Anthonis van Dyck …

Einer der weltbekanntesten und berühmtesten Porträt-Maler der Welt war Anthonis van Dyck. Seine Porträts von Fürsten, Feldherren, Künstlern und „Schönheiten“ wurden in ganz Europa gefeiert, denn sie sind unvergleichlich lebendig und repräsentativ. Da ansonsten nur wenige schriftliche Zeugnisse überliefert sind, sind Anthonis van Dycks Gemälde seine wichtigsten Quellen.

(Sir) Anthonis van Dyck (flämisch Antoon van Dyck, 1599–1641) war ein flämischer Maler des Barock, der besonders als Porträtmaler am Londoner Hof arbeitete. König Karl I. erhob ihn 1632 in den Adelsstand(!). Zudem schuf er eine Vielzahl von Grafiken, und er publizierte 1640 seine Porträtsammlung unter dem Titel „Ikonographie“.

Eine etwas genauere Biografie:

Anthonis van Dyck war das siebte Kind des reichen Textilkaufmanns Frans van Dyck und dessen zweiter Ehefrau Maria (geborene Cuypers). Er war im Zeichnen sehr begabt und wurde sogar schon im Alter von zehn Jahren vom Maler Hendrick van Balen akzeptiert (das Register der Antwerpener Lukasgilde benannte 1610 Anthonis als dessen Lehrling). Anthonis van Dyck wurde sogar seit dem 11. Februar 1618 als "Freimeister der Lukasgilde" geführt. Seit diesem Jahr arbeitete er auch für den schon damals(!) berühmten Peter Paul Rubens - bei ihm wohnte er dann bis Herbst 1620. Er war sicherlich sein wichtigster Schüler. Zeitgenossen und Nachfolger schätzten vor allem die Palette Anthonis van Dycks, ihre Farbigkeit, ihre Feintonigkeit und die Souveränität der Nuancen.

Anthonis van Dycks Anfänge in Antwerpen standen in der Bewunderung des "übermächtigen und sehr bekannten“ Peter Paul Rubens. Mit dessen Historien-Motiven setzte er sich intensivst auseinander und rang aber zäh damit.

Erste England-Reise ...

Bei Arbeiten für das Rubens-Studio lernte Anthonis van Dyck dann den herausragenden Kunstkenner Englands Thomas Howard (21. Earl of Arundel) kennen und schätzen. Darauf erfolgte erstmals Anthonis England-Reise (1620). Seine Dienste für König James I. währten aber nur ein halbes Jahr, trotz einer jährlichen Pension von 100 Pfund Sterling. (Aufträge waren: das Malen von herausragenden Männer des Hofes, aber der Künstler nutzte die Gelegenheit, die in deren Sammlungen befindlichen Meisterwerke der italienischen Renaissance dabei zu studieren).

Am 28. Februar 1621 erhielt Anthonis van Dyck einen achtwöchigen Reisepass (!) - und er lebte dann bis 1626, mit kurzen Unterbrechungen, in Italien (Genua, Rom, Sizilien und Venedig), wo er seine Porträtkünste perfektionierte . (Aber, am 1. Dezember 1622 - nachweislich - war Anthonis van Dyck beim Tod seines Vaters in Antwerpen). Unter dem Einfluss von Tizian-, Paolo-Veronese - und Jacopo-Tintoretto-Werken erlebte Anthonis van Dyck seinen „Befreiungsschlag“. Insgesamt porträtierte er um etwa 280 Personen - insbesondere die Bildnisse künden "mit ihrer Sensibilität und stofflichen Sinnlichkeit" von einem Neuanfang.

Jetzt nach Antwerpen, Brüssel …

Im Jahre 1626 kehrte dann Anthonis van Dyck nach Antwerpen zurück und hielt sich oft am Hof in Brüssel auf. Aus dieser Zeit stammen verschiedene große, hochpathetische Altarwerke (der Einfluss Peter Paul Rubens zeigt sich hier).

… und 1632 nach London

Die Übersiedlung nach London erfolgte am 1. April 1632, wo Anthonis van Dyck als Hofmaler - auch Liebling der Aristokratie - und herausragender Porträt-Maler für König Karl I. arbeitete. Im selben Jahr wurde er vom König in den Adelsstand (Sir Anthony!) gehoben. Und trotz seiner Übersiedlung ernannte ihn die Antwerpener Lukasgilde zu ihrem Ehrendekan. Dann im Jahre 1639 heiratete Anthonis van Dyck Mary Ruthven, eine Hofdame der englischen Königin Henriette-Maria (Bildergalerie Bild 7) .

Schwer erkrankt, am 9. Dezember 1641 (acht Tage nach der Geburt seiner Tochter Justiniana) verstarb Anthonis van Dyck auf seinem Landsitz in Blackfriars, einem Stadtteil Londons. Am 11. Dezember 1641 erfolgte seine Beisetzung im Chor der St.-Pauls-Kathedrale in London (Beim Großbrand in London 1666 wurde seine Grabstätte leider zerstört).

Übrigens: Die größte zusammenhängende Anthonis-van-Dyck-Sammlung befindet sich im Eigentum der englischen Krone.

Anthonis van Dycks Zeit und seine Zeitgenossen

Er wurde Ende des 16. Jahrhunderts geboren und kam zur Zeit der Renaissance und Reformation zur Welt. Bekannte Zeitgenossen seiner Generation waren Rene Descartes, Oliver Cromwell, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens und Gian Lorenzo Bernini. Er starb 1641 zur Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges.

Ein zweites Mal - Übrigens: Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen besitzen 54 Gemälde, von dem flämischen Barockmaler Anthonis van Dyck. Dieser wertvolle Schatz ist auf die Alte Pinakothek in München und drei Zweiggalerien in Bayern verteilt. Zu einem kunstwissenschaftlichen Unternehmen erster Güte(!) wurde vom 25. Oktober 2019 bis zum 2. Februar 2020 die Ausstellung „Van Dyck" in der Ausstellung der Alten Pinakothek in München.

Ursprünglich waren da "weiße" Gesichtsfelder ...

Diese Münchener Ausstellung präsentierte Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes, das sich unter anderem Fragen der Bildgenese und der Werkstattpraxis widmete. Anthonis van Dyck war nicht nur ein fantastischer Maler, sondern auch ein erfolgreicher Unternehmer, der eine große Werkstatt "managte" und bewusste Marketingstrategien einsetzte, um seinen Ruf zu verbreiten. Direkt nach seiner Rückkehr aus Italien nach Antwerpen 1627 machte er sich daran, ein Selbstbildnis von sich so umzuarbeiten, dass es als "Eigenwerbung (vom König Karl I. geschenkter goldenen Kette)" auf das Antwerpener Publikum wirken sollte.

Einige seiner berühmtesten Ganzfigurenporträts entstanden jetzt - umgehend verbreitete sich "sein Ruhm" und sehr wichtige Persönlichkeiten wollten von ihm gemalt werden. Gemäldetechnologische Untersuchungen um die Münchener Ausstellung haben bestätigt, dass Anthonis van Dyck auch eine Anzahl Mitarbeiter beschäftigten musste, um der Über-Nachfrage von einem „echten Van Dyck“ gerecht zu werden - man spricht von ca. zweihundertachtzig Porträts(!) und das Münchner Doerner Institut stellte fest, dass man bei Ganzkörperbildnissen die Köpfe oft als weiße Ovale stehen ließ, um sie erst bei Vertragsabschluss mit den Gesichtern der Auftraggeber zu versehen. Bei Bildern in Anthonis van Dycks Werkstatt waren also bereits Gewänder und Hände "auf Vorrat" ausgeführt, um dann später für die Laufkundschaft die "richtigen" Gesichter einzufügen. So konnten die Gemäldekäufer schon bei ihrem kurzen Antwerpen-Besuch Originalporträts mit nach Hause nehmen. (Kunsthistoriker sehen dieses, besonders bei Doppelporträts, jetzt mit anderen Augen!).

Die Bildergalerie:

Anthonis van Dyck, "Dreifachporträt Karl I.", 1635/36
Anthonis van Dyck, "Dreifachporträt Karl I.", 1635/36Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 1/Aufmacher - Anthonis van Dyck, "Dreifachporträt Karl I.“, 1635/36

Anthonis van Dyck, "König Karl I. von England auf der Jagd“, ca. 1635
Anthonis van Dyck, "König Karl I. von England auf der Jagd“, ca. 1635Foto-Quelle: © Louvre Paris



Bildergalerie Bild 2 - Anthonis van Dyck, "König Karl I. von England auf der Jagd.“, ca. 1635 - © Louvre Paris



Anthonis van Dyck, "Isabella Brant", 1621
Anthonis van Dyck, "Isabella Brant", 1621Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 3 - Anthonis van Dyck, "Isabella Brant", 1621 - Isabella Brant war die erste Frau von Peter Paul Rubens, die ihm und seinen Schülern auch für mehrere Gemälde Modell stand.

Anthonis van Dyck, "Porträt des 103. Papstes Agostino Pallavicini (aus Genu ...
Anthonis van Dyck, "Porträt des 103. Papstes Agostino Pallavicini (aus Genua)", um 1621Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 4 - Anthonis van Dyck, “Porträt des 103. Papstes Agostino Pallavicini (aus Genua)", um 1621

Anthonis van Dyck, "Porträt Wilhelm II. von Oranien", 1632
Anthonis van Dyck, "Porträt Wilhelm II. von Oranien", 1632Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 5 - Anthonis van Dyck, "Porträt Wilhelm II. von Oranien", 1632

Anthonis van Dyck, "Adelige mit Papagei" - © Dorotheum
Anthonis van Dyck, "Adelige mit Papagei" - © DorotheumFoto-Quelle: © Dorotheum Wien

Bildergalerie Bild 6 - Anthonis van Dyck, "Adelige mit Papagei" - © Dorotheum Wien

Anthonis van Dyck, "Königin Henrietta Maria von Frankreich"
Anthonis van Dyck, "Königin Henrietta Maria von Frankreich"Foto-Quelle: © San Diego Museum of Art

Bildergalerie Bild 7 - Anthonis van Dyck, "Henrietta Maria von Frankreich (25. November 1609 bis 10. September 1669)"

Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis 1614"
Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis 1614"Foto-Quelle: © Akademie der bildenden Künste, Wien


Bildergalerie Bild 8 - Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis um 1614“ - © Akademie der bildenden Künste Wien - Im Alter von etwa 15 Jahren entstand dieses Gemälde, es ist ein früher Nachweis seiner Meisterschaft! Ein über die Jahrhunderte gut verstecktes Geheimnis wurde inzwischen auch gelüftet: Unter diesem Porträt verborgen liegt eine figürliche Darstellung in felsiger Landschaft ­– Also: ein Bild unter dem Bild!
Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis von ???
Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis von ???Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 9 - Anthonis van Dyck, "Selbstbildnis von ?“, Dorotheum Wien, Auktion Salzburg 2017 - Dieses Selbstporträt mit der von König Karl I. geschenkten goldenen Kette und Sonnenblume, Öl auf Leinwand, ca. 52 x 73 cm befindet sich als Original z. Zt. in London, Sammlung Duke of Westminster Eatonhall).


Links:

(Anthonis van Dyck - Biografie)
https://artinwords.de/anthonis-van-dyck-biografie/

(Porträtmalerei)
https://de.wikipedia.org/wiki/Portr%C3%A4tmalerei

(Peter Paul Rubens)
https://artinwords.de/peter-paul-rubens/

(Ital. Bildnismalerei)
https://archive.org/details/gri_0000...37/mode/2up

(Engl. Hofmalerei)
https://artinwords.de/von-reynolds-b...en-malerei/


Map-Data: (Besuch wieder ab 16. März 2021 möglich)
 Alte Pinakothek München - Werke von Anthonis van Dyck - Barer Straße 27, 80333 München

Publikation: Van Dyck - Herausgegeben von Mirjam Neumeister -
Gebunden, 420 Seiten, ca. 400 Abbildungen in Farbe - Hirmer Verlag, München 2019 - 39,90 Euro

4 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Danke für den Beitrag, den ich noch nicht gesehen habe.
Der Name war mir natürlich geläufig, aber sonst wusste ich kaum etwas über diesen Künstler.
Interessant auch die Hinweise auf die Auftragssituation und Malweise, das klingt sehr modern.
Wie immer ein sehr interessanter und schön bebilderter Beitrag.
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wize.life-Nutzer
Schöne Adelsporträts in warmen Farben.....
wize.life-Nutzer
... schön, dass sie Dir auch gefallen ... - schönen Abend von Volker
wize.life-Nutzer
Danke, Dir eine gute Woche....
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