Emile  Bernard, "Selbstporträt  mit dem Porträt Gauguins", 1888
Emile Bernard, "Selbstporträt mit dem Porträt Gauguins", 1888Foto-Quelle: © Van Gogh Museum, Amsterdam
Kunst verstehen: Drei Malergenies mit dem guten "Freund“ Emile Bernard

Emile Bernard studierte mit Henri de Toulouse-Lautrec in Paris, mit Paul Gauguin entwickelte er 1888 in der Bretagne die "symbolistische“ Malerei und Paul Cezanne inspirierte ihn in Aix-en-Provence. Für seinen Freund Vincent van Gogh setzte er sich sogar noch nach dessen Tod ein. Typisch für diese Aussage möchte ich meinen Kunstbeitrag mit dem Gemälde von Emile Bernard, "Selbstporträt mit dem Porträt Gauguins", 1888 (Bildergalerie Bild 1) eröffnen. - Und nun noch gefolgt von (Bildergalerie Bild 2) "Paul Gauguin, 1888 "Selbstporträt in der Rolle als Jean Valjeau* mit dem Porträt Emile Bernards "für Vincent“. (Zum Stern *) bei Jean Valjeau - Man hatte sich gemeinsam (Emile Bernard und Paul Gauguin) gebeten, im Tausch mit eigenen Werken, Porträts des jeweils anderen zu schicken. In der Rolle des Ausgestoßenen und Unverstanden, als Jean Valjean aus "Les Miserables", sieht er sich, und den Kollegen, den jungen, ungestümen, und vielleicht etwas zu anhänglichen (Emile Bernard) - er verewigt als Bild im Bild einen grün-neidischen Jüngling). Alles eine Anspielung auf verkannte und missachtete Künstler - und im starken Kontrast der Dargestellten zur buntbeblümten Wand, eine Aussage zu Freiheit und Reinheit der Kunst.)

Biografie von Emile Bernard

Emile Bernard wurde am 28. April 1868 in Lille als Sohn eines Textilunternehmers geboren und zog im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach Paris. Im Alter von 16 Jahren trat er hier in das Atelier des "akademischen Malers“ Fernand Cormon ein, wo er unter anderen Henri de Toulouse-Lautrec kennenlernte. Nach 1886 begab er sich auf eine Wanderung durch die Normandie und die Bretagne und traf den Maler Emile Schuffenecker - mit dessen Empfehlungsschreiben an den Maler Paul Gauguin reiste er nach Pont-Aven/Bretagne. Nachdem Emile Bernard im Winter 1886/87 in Paris Vincent van Gogh kennengelernt hatte, reiste er abermals in die Bretagne und im Jahre 1888 entwickelte sich dann in Pont-Aven eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Paul Gauguin. Parallel dazu ergab sich aber auch ein intensiver Briefwechsel mit Vincent van Gogh (1889).

Emile Bernards kühne Theorien und seine doktrinären Aussagen erregten rasch Aufsehen. Gemeinsam mit dem Maler Louis Anquetin entwickelte er neue Bildstrategien, die sowohl Vincent van Gogh als auch Paul Gauguin aufhorchen ließen. In nur ein paar Wochen der fruchtbaren wie konfliktreichen Zusammenarbeit formulierten und verbreiteten Emile Bernard und Paul Gauguin die Prinzipien des "Synthetismus“ und schrieben damit Kunstgeschichte. Beide sind also Mitbegründer der so genannten "Schule von Pont-Aven“.

Bald nach 1889 durchlief Emile Bernard eine persönliche Krise (auch durch Vincent van Goghs tragischem Tod). Im Jahre 1891 erfolgte dann der endgültige Bruch mit Paul Gauguin. Er warf Paul Gauguin vor, sämtliche Errungenschaften der Künstlergruppe von Pont-Aven an sich gerissen zu haben und fühlte sich so hintergangen und verraten!

Das Militär wartete

Damals mußte Emile Bernard mit seiner Einziehung jeder Zeit rechnen. Er flüchtete 1893 und begab er sich auf eine Reise nach Italien und in den Nahen Osten. Schließlich ließ er sich mit Unterstützung von Theo van Goghs Schwager Andries Bonger in Ägypten nieder (damals britisches Protektorat), wo er von 1893 bis 1904 lebte und hier auch heiratete.

Wieder nach Frankreich zurückgekehrt, begegnete Emile Bernard im Februar 1904 in Aix-en-Provence dem Maler Paul Cézanne. Er blieb einen Monat lang zu Besuch und veröffentlichte einen Artikel über ihn in der Zeitschrift L’Occident. Es gestaltete sich schließlich ein Briefwechsel bis zu Paul Cezannes Tod.

Emile Bernard starb am 16. April 1941 (gestern vor 80 Jahren) in Paris in seinem Atelier auf der Ile Saint-Louis, 15 Quai Bourbon.

Sein Werk

Emile Bernard war ein französischer Maler, Grafiker, Kunsttheoretiker und auch Romanautor. Er galt als Mitbegründer des „Cloisonismus“ und des „Synthetismus“.

Dem Künstler gelang es schon früh, mit seinen Bildern unter seinen Malerkollegen, darunter Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec, Vincent van Gogh und Paul Gauguin Aufsehen zu erregen. Nach den frühen Arbeiten, die Emile Bernard noch im Stil des "Pointillismus“ malte, begann er nach und nach seine eigene malerische Handschrift zu formen. Sie war geprägt von klaren dunklen Konturen, mit denen er seine Bildgegenstände und Farbflächen abgrenzte.

Emile Bernard erhielt seinen rechtmäßigen Platz in der Geschichte der modernen Malerei und dokumentierte sich so als einer der einfallsreichsten, aber auch eigensinnigsten, Künstler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Seine Entwicklung ging von den ersten Versuchen des jungen Künstlers über die spektakulären Innovationen in Pont-Aven bis hin zu seinen "monumentalen späten Aktgemälden!"

Höhepunkte aber waren die farbintensiven, dekorativen Bilder aus den späten 1880er Jahren, mit denen Emile Bernard (im Dialog mit Paul Gauguin) den Symbolismus in der Malerei begründete. Die Menschen in der Bretagne, ihre Urtümlichkeit und Religiosität, aber auch die "raue“ Natur inspirierten ihn zu seinen bedeutendsten Werken.

Den Künstler Emile Bernard zog es (nach 1900) aber auch in den Orient. Sehenswert sind gerade jetzt seine späten Akte im "Stil der italienischen Renaissance“. Er erwies sich als ein höchst innovativer Künstler, der mutigst dem Zeitgeist trotzte und dabei stets seinen eigenen Weg einschlug.

Links:

(Emile Bernard - Biografie)
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89...nard_(Maler)

(Pointillismus)
https://de.wikipedia.org/wiki/Pointillismus

(Schule von Pont-Aven)
https://de.wikipedia.org/wiki/Schule_von_Pont-Aven

(Synthetismus)
https://de.wikipedia.org/wiki/Synthetismus

(Cloisonismus)
https://de.wikipedia.org/wiki/Cloisonismus


Die Bildergalerie:

Emile  Bernard, "Selbstporträt  mit dem Porträt Gauguins", 1888
Emile Bernard, "Selbstporträt mit dem Porträt Gauguins", 1888Foto-Quelle: © Van Gogh Museum, Amsterdam

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - Emile Bernard, "Selbstporträt mit dem Porträt Paul Gauguins", 1888 - © Van Gogh Museum, Amsterdam

Paul Gauguin, "Selbstporträt", 1888
Paul Gauguin, "Selbstporträt", 1888Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 2 - Paul Gauguin, "Selbstporträt (1888)" in der Rolle des Jean Valjean mit dem Porträt Emile Bernards, gewidmet „für Vincent“ (van Gogh)

Toulouse-Lautrec, "Emile Bernard", 1886
Toulouse-Lautrec, "Emile Bernard", 1886Foto-Quelle: © National Gallery, London

Bildergalerie Bild 3 - Henri de Toulouse-Lautrec, "Emile Bernard (1886)" - © National Gallery, London

Emile Bernard, "Madeleine in the Bois d'Amour", 1888
Emile Bernard, "Madeleine in the Bois d'Amour", 1888Foto-Quelle: © Musee d'Orsay, Paris

Bildergalerie Bild 4 - Emile Bernard, "Madeleine in the Bois d’Amour (im Liebeswald), 1888" - © Musee d'Orsay, Paris

Emile Bernard, "Bretonische Frauen im Schatten",  1892
Emile Bernard, "Bretonische Frauen im Schatten", 1892Foto-Quelle: © Musee d'Orsay, Paris

Bildergalerie Bild 5 - Emile Bernard, "Bretonische Frauen im Schatten“, 1892 - © Musee d'Orsay, Paris

Emile Bernard, "Boote in Pont-Aven", 1890
Emile Bernard, "Boote in Pont-Aven", 1890Foto-Quelle: © Privatbesitz

Bildergalerie Bild 6 - Emile Bernard,"Boote in Pont-Aven", 1890 - Privatbesitz

Emile Bernard , "Die Klippen von Yport", 1892
Emile Bernard , "Die Klippen von Yport", 1892Foto-Quelle: © Privatbesitz

Bildergalerie Bild 7 - Emile Bernard , "Die Klippen von Yport", 1892 - Privatbesitz

Emile Bernard, "Le Salon (Bordell)", um 1890 bis 1892
Emile Bernard, "Le Salon (Bordell)", um 1890 bis 1892Foto-Quelle: © Privatbesitz

Bildergalerie Bild 8 - Emile Bernard, "Le Salon (Bordell)", um 1890 bis 1892 - Privatbesitz

S/W-Foto "Paul Cezanne im Atelier"  im Jahre 1904
S/W-Foto "Paul Cezanne im Atelier" im Jahre 1904Foto-Quelle: Foto stammt von Emile Bernard

Bildergalerie Bild 9 - Paul Cézanne in seinem Atelier Les Lauves, 1904 - Foto stammt von Emile Bernard


Map-Data: 
Neue Pinakothek - hier sind teilweise Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, Emile Bernard, Schule von Pont-Aven, Paul Serusier, Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Paul Cezanne ausgestellt - Barer Straße 29, 80799 München

14 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Eine besondere Farbauswahl hatte er, wunderschön. Vielen Dank, wize.life-Nutzer ✨
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... über Dein Lob freue ich mich sehr!
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wize.life-Nutzer
Sehr schöne Bilder..... aus meiner Heimat der Bretagne.....
Danke für Deinen Bericht.....
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... dieses wusste ich ja nicht (das wäre einen Hinweis von mir wert gewesen, sorry) ... - trotz allem wünsche ich Dir jetzt einen happy Maibeginn, trotz Corona - Bussi, Bussi (seit Freitag meine erste Impfung) von Volker
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Das konntest Du ja nicht wissen, das ich da "erblich vorbelastet" bin..... Dir auch einen schönen Frühlingsbeginn.......
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Wie immer gut beschrieben : Künstler, Biographie und Bilder des Malers , der mir nicht so bekannt war.🤗
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wize.life-Nutzer
Mit ein bisschen Heimweh nach der Bretagne und Pont-Aven habe ich deinen interssanten Beitrag gerne gelesen. Danke.
wize.life-Nutzer
Mit schönen Worten ein gelungenes Lob ausgesprochen - hat mich sehr gefreut, Volker
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wize.life-Nutzer
Danke für den interessanten Beitrag....
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wize.life-Nutzer
Das war wieder ein sehr interessanter Beitrag. Emile Bernard war mir unbekannt, zu unrecht, seine Bilder gefallen mir aber sehr gut. Wenn es wieder möglich ist, will ich wieder einmal die neue Pinakothek besuchen.
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wize.life-Nutzer
Wieder eine interessante Einführung in das Werk eines Künstlers, der mir bis dahin unbekannt war.
Danke für Deine Bemühungen und die schöne Bilderauswahl, die mir größtenteils sehr gefallen haben.
wize.life-Nutzer
... das freut mich - & danke für Deinen Kommentar ...
wize.life-Nutzer
Gerne, ich hab' zu danken!
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