Andreas Dünkel, Erfinder und Macher seiner Motorworld-Show in München
Andreas Dünkel, Erfinder und Macher seiner Motorworld-Show in MünchenFoto-Quelle: Wolfgang Stegers
Motorworld München eröffnet - Europas schönste Autoschau

Erst der Denkmalschutz, dann Corona - was lange währt, fährt endlich los. Nach andauernden Verzögerungen wurde endlich jetzt im Frühjahr zum 1. Mai die Motorworld München offiziell eröffnet. Es ist die neunte Autowelt im Reich des Andreas Dünkel und für den ausgefuchsten Geschäftsmann wie Investor mit 45 000 Quadratmetern nicht nur die größte sondern auch die schönste seiner Oldtimer- und Automobil-Paläste. Über 100 Millionen Euro hat es sich seine Holding kosten lassen, um die ehemaligen „Bayrischen Geschützwerke“ von Friedrich Krupp in traumschöne Erlebniswelten zu verwandeln, die sich rund um das Kulturgut Automobil arrondieren - eine Art Disneyworld für Autoliebhaber, ein Muß für Car Guys.

Die Münchner Motorworld folgt dem Konzept der bereits bestehenden, Raum für mobile Leidenschaft zu bieten, Oldtimer in eine Erlebniswelt einzubetten, die zugleich Museum mit Werkstätten, Verkaufsdependancen und Gastronomie, Eventlocations und Hotellerie beherbergt. Dass dieser Mix überaus erfolgreich ist, beweist etwa Stuttgart-Böblingen auf dem Gelände des ehemaligen württembergischen Flugplatzes mit jährlich über 600 000 Besuchern. Im oldtimerverrückten München war eine Dependance längst überfällig. Gleichzeitig können auch Markenhändler ihre exklusiven Raritäten anbieten. „Null-acht-fünfzehn-Autos“ sind hier fehl am Platze.

Industriedenkmal mit Charme und Größe

Objekt der Begierde waren für Dünkel die 1916 errichteten Kruppschen Fabrikhallen, die neun Jahre später als „Reichsbahn Ausbesserungswerk Freimann“ fungierten und bis 1995 von der Deutschen Bahn genutzt wurden. Der prägnante Wasserturm und der Hochbunker erinnern noch an die frühen Jahre. Aber es dauerte lange, bis die Entscheidung gereift war, dass hier Oldtimer einziehen würden. Denn nach dem Auszug der Bahn wartete das Industriedenkmal auf seine weitere Verwendung. Diskutiert wurde lange, Ideen gab es viele, doch am Ende scheiterten alle an der fehlenden dauerhaften gewerblichen Perspektive und einem nachhaltigen finanziellen Erfolg. Zu gewaltig waren die Umbaukosten. Sie wurden am Ende von Dünkel und der in der Schweiz ansässigen Bauhauskette gestemmt.

Illuminierte Glasboxen für Oldtimer

Wie in den anderen Motorworlds sind für die Besucher die Eindrücke überwältigend. Es herrscht eine ansteckende Atmosphäre, den Handwerkern zuzuschauen, wenn sie ihre Gewerbe ausüben. Sattler wie Mechaniker gehen in diesem lebenden Museum ihrer Arbeit nach, von raren Oldtimern umgeben. In ihren 112 illuminierten Glasboxen, Brutkästen nicht unähnlich, kann man ihnen beim Wertzuwachs quasi zuschauen. Diese exklusiven Showboxen können auch für Verkaufsangebote genutzt werden und kosten 280 Euro Monatsmiete. Fast schon ein Schnäppchen, verglichen mit den variablen Tiefgaragenplätzen für Anwohner in der neuen Altstadtgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring, könnte man meinen.

Geschäfte und darum geht es, werden auch abgewickelt. Die Dörrgruppe etwa hat ihre Verkaufsniederlassung in die Motorworld verlegt und bietet von McLaren, über Lamborghini, Koenigsegger, Pagani bis hin zu Bugatti eine breite Palette hochexklusiver Luxusfahrzeuge an. Auf dem 20 Hektar großen Gelände der Motorworld ist zudem Maserati vertreten, finden sich die Sportwagen aus Maranello, die Ferraris. Die Mohrgruppe aus München bietet mit Brabus, Abt, Keyvany, techArt, Ruf-Porsche die Fahrzeuge exklusiver Tuner an. Keyvany-Manufaktur veredelt Fahrzeuge von Bentley, Lamborghini und Mercedes. 50 Firmen rund um das Automobil haben sich hier eingebucht. „Wir sind total ausgebucht“, sagt der erfreute Andreas Dünkel mit dem verschmitztem Lächeln eines Schwaben.


Mit gut einer Million Besuchern wird in München gerechnet. Das geht nicht ohne großen Auftritt, Show und Revue. Was Disneyland für die Entenfamilie soll die Motorworld für betagte Blechkisten und luxuriöse Hypercars sein. Eintauchen in die Welt der Schnauferl, Oldtimer als Kulturerbe erleben und sich an den schillernden Exoten der Tuner ergötzen.

Eine Show bei freiem Eintritt

Wie ein lebendes Museum arbeitet, können Besucher bei freiem Eintritt in der ehemaligen Lokomotiven-Richthalle, jetzt Halle 24, erleben. Allein die Ausmaße der Werkhalle sind mit 22 000 Quadratmetern gigantisch: 185 Meter lang, 90 Meter breit und 18 Meter hoch. Mit einem gläsernen Lift geht es wir in einer Gondel nach oben unter die Decke zur Skybar – vorbei an alten Kranbahnen, die früher bis zu 60 Tonnen schwere Lokomotiven in die Luft hievten. Die Skybar avanciert als Eventlocation und angesagter Club.

Bei allem Geschäftssinn ist es Andreas Dünkels Passion Menschen schöne alte Autos zu zeigen und sie mit dem Oldtimervirus zu infizieren. Der Schwabe ist mit Benzin im Blut aufgewachsen. Sein Großvater hatte in Biberach an der Riss als Vertragspartner von Mercedes Benz vor über 80 Jahren 1933 das Autohaus gegründet. Dies ist die Keimzelle für eine bunte Welt an Gewerbeimmobilien. In der Dünkel Activ Group tummeln sich Baumärkte, Tankstellen, Pflegeheime, Hotels. Besonderen Spaß bereitet dem umtriebigen Unternehmer ehemaligen Industrieanlagen ein neues Leben einzuhauchen und ihnen ein lebensstark pochendes wie kommerzielles Herz zu implantieren.

In Rüsselsheim ist die nächste Motorworld geplant

Jetzt, da München fertiggestellt ist, passt das neueste Projekt perfekt. Vor kurzem erst hat der Rüsselsheimer Gemeinderat das Konzept für den Umbau der ehemaligen, denkmalgeschützten Gebäudes der Opelwerke genehmigt. Auch hier wird Dünkel seine Idee oder besser seine Leidenschaft ausleben und Schnauferl in Szene setzen, Besucher anlocken und Oldtimern eine Herberge bieten. Dass das Ganze zukünftig auch noch zum Kostümball werden kann und nicht nur das Standpersonal sondern auch das Publikum sich „aufdressen“ und in zeitgenössischer Mode und passendem Outfit flanierend sich zeigen wird, davon ist Dünkel überzeugt. Dieser Trend schwappt von der oldtimerverrückten Insel rüber. Wie etwa beim Goodwood-FestivaI inszenieren sich immer mehr Besucher modegerecht zu den Highlights der Oldtimerszene.

Oldtimershows als gesellschaftliches Event

So entwickeln sich Oldtimermessen immer mehr zu gesellschaftlichen Hochglanzveranstaltungen. Schrauber, die mit den Ölresten unter den Nägeln in Ramschkisten nach speziellen Teilen suchen, sind allenfalls am Rand geduldet – so, als müssten sie sich in die Ecke stellen. Oldtimer sind hip, altes Blech ist zum Hype geworden. Nicht allein wegen unvorstellbarer Wertsteigerungen, die durch Versteigerungen international anerkannter Auktionshäuser befeuert werden. Ferrari, Porsche, Mercedes, Luxuskarossen, die schon zu ihren Glanzzeiten oft unerschwinglich teuer waren, eilen jetzt von Rekord zu Rekord. Wenn dann sich eine Preisberuhigung einstellt, das liegt weniger an fallenden Kursen auf dem Markt, als vielmehr an schlechter werdenden Angeboten.

Auch dies lässt sich in der Motorworld München beobachten. Es ist ein großer Marktplatz der Eitelkeiten, potenten Egos und luxuriöser Karossen – eine Welt zum Staunen.

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