Franz von Defregger, "Schwierige Frage", um 1890
Franz von Defregger, "Schwierige Frage", um 1890Foto-Quelle: © Liberec (Reichenberg), Oblastni Galerie
Kunst verstehen: Franz von Defregger: „Du, schönes Tyrol ...“

Franz von Defregger machte aus seiner bäuerlichen Herkunft keinen Hehl - er wurde sogar der "Erfinder der Bauernmalerei“. Dieser Begriff war anfangs anerkennend gemeint, (da er, der Maler, das Leben der Bergbauern in den Fokus rückte, das zuvor als nicht "malbar“ erachtet wurde). Erst nach 1900 bekam dieser Titel einen zunehmend abwertenden Charakter, denn mit dem Aufkommen avantgardistischer Mal-Strömungen warf man Franz von Defregger vor, eine "idealisierte bäuerliche Lebenswelt“ zu zeigen, die den realistischen, harten Arbeitsalltag einfach ausblendet.

Franz Defreggers Biografie

Franz Defregger wurde am 30. April 1835 als fünftes von acht Kindern auf dem Ederhof zu Stronach in der Osttiroler Gemeinde Dölsach geboren. (Dölsach ist eine Gemeinde in Österreich im Bezirk Lienz(!) in Tirol mit 2324 Einwohnern (Stand 1. Januar 2020).

 Noch ohne "von“ im Namen - diese Auszeichnung erhielt er erst 1883 mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone.

Der künstlerisch begabte Junge fertigte schon mit zehn Jahren Scherenschnitte und erste Zeichnungen an und entdeckte auch seine Liebe zur Musik. Und ganz stolz ist man hier auf eine wertvolle Sehenswürdigkeit: das Altarbild mit der Heiligen Familie! Der "berühmteste Mann der Gemeinde“ malte es für die Pfarrkirche von Dölsach.

Als er 23 Jahre alt wurde, verstarb sein Vater und er erbte den Hof, den er zunächst auch bewirtschaftete. Durch Missernten und Hungersnöte überkam ihm der Gedanke "nach Amerika auszuwandern(!)“ und dieses veranlasste ihn seinen geerbten Hof 1860 zu verkaufen (er musste seine beiden Schwestern auszuzahlen). Aber es wurde nichts - der Tiroler Bauernsohn schaffte es anfangs nur nach Innsbruck und studierte bei dem Bildhauer und Professor an der Innsbrucker Gewerbeschule Michael Stolz. Dieser erkannte schnell Franz Defreggers malerische Talent und nahm ihn mit nach München. Im Jahre 1861 besuchte er die Vorbereitungsklasse an der Königlichen Kunstgewerbeschule bei Hermann Dyck. Am 19. Juli 1861 bestand Franz Defregger die Aufnahmeprüfung und begann an der Königlichen Kunstakademie zu studieren. Er brach aber "wegen Unterforderung“ nach zwei Semestern ab und begab sich auf Wanderschaft.

Von 1863 bis 1865 hielt sich Franz Defregger in Paris auf - nachweisen lässt sich sogar ein Studium an der Ecole des Beaux-Arts. Im Jahr 1864 nahm er am "Salon des Refuses“ teil. Er lernte die Freilichtschule der Maler von "Barbizon“ kennen, kam erstmals mit dem Impressionismus in Berührung und sah Bilder von Eduard Manet und Claude Monet. Gleichfalls beschäftigte sich Franz Defregger intensiv mit dem "Realismus des Malers Gustave Courbets“. Darüber hinaus bildete er sich in Paris autodidaktisch durch Aktzeichnen und ein gründliches Studium der Museen, Kunstsammlungen und Ateliers weiter.

Zurück nach München dann 1865

In diesem Jahr, am 8. Juli, kehrte Franz Defregger "an die Isar zurück“ und blieb hier jetzt die meiste Zeit seines Lebens. Er war dann 32 Jahre lang Professor für Historien-Malerei an der Akademie der Bildenden Künste. Für die Zeit von 1867 bis 1870 wurde er neben den Malern Hans Makart und Gabriel von Max Mitarbeiter im Atelier (Komponierklasse) des Münchener Historienmalers Karl Theodor von Piloty.

Die Münchner Zeit

Franz Defreggers erste großformatige Fassung des Werkes "Der verwunderte Jäger“ erregte Aufsehen im Münchner Kunstverein 1867 und wurde umgehend verkauft. Sein Durchbruch war damit geschafft und die Kritiker waren auf seiner Seite. In der Folgezeit malte er mit größter Beliebtheit zahlreiche Porträts. Ein Renner war das "Dirndl“ (gehörte zu einer Gruppe von lieblichen Mädchenporträts in Tracht, die Franz Defregger mit gekonntem Pinselstrich lebensnahe darstellte). Die Konturen waren weich gezogen und die unterschiedlichen Stofflichkeiten mit seidenem Schultertuch faszinierten. Und Achtung, sein ausgeprägtes Geschick für die Darstellung der Augen vermittelten verschiedenste Stimmungen und Empfindungen. Franz Defregger bediente dann auch als angesehener Akademieprofessor für Historienmalerei den Geschmack des städtischen Publikums. Sein berühmtester Schüler an der Akademie in München war, wenn auch nur kurz, Lovis Corinth (!).

Und noch etwas:

Die Franz Defregger Gemälde waren so beliebt, dass sie auf Bällen, aber auch im Theater als lebende Bilder aufgeführt wurden. So vermerkte ein Programmzettel des Stadttheaters Würzburg 1892 das lebende Bild "Der Salontyroler nach Defreggers gleichnamigen Gemälde“ (siehe Bildergalerie Bild 2). Aber die Münchner High Society spielte die Gemälde auch gern auf "Bauernbällen" nach.

Im Jahre 1880 entstand in der Münchner Königinstraße 31 eine großzügige Franz-Defregger-Villa im Stil der Neorenaissance. Hier entwickelte sich ein lebhaftes künstlerisches Leben: Literaten, Schauspieler, Dirigenten und Maler gingen ein und aus. Im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung entstand 1881 für die Neue Pinakothek das monumentale Werk "Der Schmied von Kochel“, oder auch "Die Erstürmung des Roten Turms von 1705“ genannt. Ebenfalls schuf Franz Defregger in diesen Achtziger Jahren eine Serie von "Gebirgsbildern“ - und mit Ausnahmen verschiedene "Kinderdarstellungen“, die der Künstler nur(!) für seine Familie schuf. Als nochmalige Erinnerung: Erst 1883 erhielt Franz Defregger das "von" zu seinem Namen (deshalb auch erst von hier ab die Schreibweise "Franz von Defregger“).

In seinem 86. Lebensjahr verstarb Franz von Defregger am 2. Januar 1921 und wurde auf dem Münchner Nordfriedhof in der Familiengruft (Grab Nr. 51-14-1) beigesetzt. Das Malergenie der Münchener Schule hinterließ ein Gesamtwerk von mehr als 3.500 Gemälden, davon allein 450 Frauenporträts.

Franz von Defreggers Auftragsbücher waren übervoll und der damalige Kunstmarkt verlangte vom Maler, seine bekannten und beliebten Motive in unterschiedlichen Kombinationen zu variieren! Dazu besaß der "Münchner Kunstverlag Franz Hanfstaengl“ die Abdrucksrechte und sorgte für eine Verbreitung der Standardmotive in hohen Auflagen. Diese Drucke wurden sogar vielfach übermalt (und sind von Originalen selbst für Experten nur schwer zu unterscheiden).

Übrigens: Das „Jahrbuch der Vermögens der Millionäre Bayerns“ zählt ihn 1914 neben Lenbach und Stuck zu den elf Künstler-Millionären des Landes.

Die Adolf-Hitler-Zeit

Nicht anzulasten ist dem Maler Franz von Defregger seine “Berühmtheit“ durch die Nationalsozialisten. Seine Motive passten ja einfach zu gut ins nationalsozialistische Kunstverständnis. Zum heutigen "Vergessen des Künstlers“ hat diese "ideologische Vereinnahmung“ sicherlich beigetragen.
Von Franz-von-Defregger-Bildern war der gescheiterte österreichische Kunstmaler Adolf Hitler sehr begeistert (Die Darstellungen des Tiroler Aufstandes von 1809 nutzte z.B. der Nationalsozialismus zur politischen Propaganda - Die Nationalsozialisten deuteten den Tiroler Aufstand zum "ersten deutschen Volkskrieg der neuzeitlichen Geschichte“ um).

Im Jahre 1923, zwei Jahre nach Franz von Defreggers Tod, zeichnete Adolf Hitler "Pläne für eine deutsche Nationalgalerie“ in der "sein Künstler“ einen ganz besonderen Platz, einen eigenen Raum, bekommen sollte. Es ging nicht um das "Haus der deutschen Kunst“ in München, sondern um das geplante "Führermuseum" in Linz/Österreich - zu dessen Bau es aber nie kam!

Text-Zusatz zur folgenden Bildergalerie: Hier will ich noch auf zwei außergewöhnliche und erwähnenswerte Franz-von-Defregger-Motive hinweisen, die im Ferdinandeum Innsbruck zu bewundern sind:

1. Franz Defregger, "Porträt eines Afrikaners mit weißem Kopftuch“, 1862, Öl auf Papier, aufgezogen auf Karton, 53 mal 39 Zentimeter, Privatbesitz.

2. Franz von Defregger, "Porträt Rocky Bear“, 1890, Öl auf Leinwand, 90 mal 70 Zentimeter, Privatbesitz.

Und nun die Bildergalerie:

Franz von Defregger, "Schwierige Frage", um 1890
Franz von Defregger, "Schwierige Frage", um 1890Foto-Quelle: © Liberec (Reichenberg), Oblastni Galerie

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - Franz von Defregger, "Schwierige Frage", um 1890, Öl auf Holz, 32,8 mal 44 Zentimeter - © Liberec (Reichenberg), Oblastni Galerie

Franz Defregger, "Der Salontyroler“, 1882
Franz Defregger, "Der Salontyroler“, 1882Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 2 - Franz Defregger, "Der Salontyroler“, 1882 - Gemeinfrei

Franz Defregger, "Kinder beim Kirschenessen“, 1869
Franz Defregger, "Kinder beim Kirschenessen“, 1869Foto-Quelle: © Auktionshaus Hampel München

Bildergalerie Bild 3 - Franz Defregger, "Kinder beim Kirschenessen“, 1869 - © Auktionshaus Hampel München

Franz von Defregger, "Die Kraftprobe", 1898
Franz von Defregger, "Die Kraftprobe", 1898Foto-Quelle: © Kunsthistorisches Museum Wien

Bildergalerie Bild 4 - Franz von Defregger, "Die Kraftprobe", 1898 - © Kunsthistorisches Museum Wien

Franz Defregger, "Heimkehrender Tyroler Landsturm im Krieg von 1809", gemalt ...
Franz Defregger, "Heimkehrender Tyroler Landsturm im Krieg von 1809", gemalt um 1876?Foto-Quelle: © Alte Nationalgalerie Berlin

Bildergalerie Bild 5 - Franz Defregger, "Heimkehrender Tyroler Landsturm im Krieg von 1809", (gemalt 1876?) - © Alte Nationalgalerie Berlin

Franz Defregger, "Das letzte Aufgebot", 1874
Franz Defregger, "Das letzte Aufgebot", 1874Foto-Quelle: © Belvedere Wien

Bildergalerie Bild 6 - Franz Defregger, "Das letzte Aufgebot“, 1874 - © Belvedere Wien

Franz Defregger, "Bad Drei Kirchen", 1879
Franz Defregger, "Bad Drei Kirchen", 1879Foto-Quelle: Privatsammlung

Bildergalerie Bild 7 - Franz Defregger, "Bad Drei Kirchen", 1879 - Privatsammlung

Franz von Defregger, "Ruhender weiblicher Akt", um 1890
Franz von Defregger, "Ruhender weiblicher Akt", um 1890Foto-Quelle: Privatbesitz

Bildergalerie Bild 8 - Franz von Defregger, "Ruhender weiblicher Akt", um 1890 - Privatbesitz

Franz Defregger, "Selbstbildnis um 1880"
Franz Defregger, "Selbstbildnis um 1880"Foto-Quelle: Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 9 - Franz Defregger, "Selbstbildnis um 1880", Öl auf Holz - Gemeinfrei


Map-Data: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum - Sonderausstellung "Franz von Defregger. Mythos - Missbrauch - Moderne“ bis 16. Mai 2021 (!) - Museumsstraße 15, 6020 Innsbruck/Österreich

13 Kommentare

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Volker Barth
Es feut mich sehr, dass ich durch meinen Kunstbeitrag über Franz von Defregger Deine Begeisterung so wecken konnte ...
wize.life-Nutzer
Ja, ich bin begeistert, weil diese Art des Malens ja oft nur belächelt oder geschmäht wird. Ich freu mich jedenfalls schon, wenn du mal wieder was über Malerei schreibst...
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wize.life-Nutzer
Ich kannte Defregger nicht – bin jetzt aber richtig begeistert von diesen Bildern. Man findet in den dargestellten Gestalten, Mienen und Gesten soviel Nachvollziehbares und universal Menschliches – vor allem der „Salontyroler“ und die „Kraftprobe“ habens mir da angetan... da hab ich das Gefühl ich kenne die Situation und vielleicht sogar die Menschen – obwohl die Bilder vor fast 150 Jahren gemalt wurden. Danke für den Beitrag!
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wize.life-Nutzer
Muß man Kunst verstehen?
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wize.life-Nutzer
Ich liebe seine Bilder - danke für`s Zeigen und Verbreiten dieser, unserer Kunst und Kultur
wize.life-Nutzer
... herzlichen Dank für Deine Begeisterung & vielleicht weitere Treue für meine weiteren Kunstberichte ... - es grüßt Volker
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wize.life-Nutzer
Immer eine Freude, diese Künstlerportraits von Dir.
Man erfährt in Kurzfassung das Wesentliche des Künstlers und seiner Zeit.
Und die Bildergalerie rundet das Ganze noch anschaulich ab.
Dieser Maler und seine Bilder waren mir geläufig, doch ich hab es gerne wieder aufgefrischt. Sie passen wohl nicht mehr so in unsere Zeit, doch man muss anerkennen, dass sie von großem künstlerischen Können zeugen und nicht nur Abbildungen sind, sondern auch Stimmungen vermitteln.
Danke für den Beitrag!
wize.life-Nutzer
... danke, danke für Deine Zeilen - Grüße von Volker
wize.life-Nutzer
Immer gerne, und Gruß zurück!
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wize.life-Nutzer
Wenn man im Alpenraum lebt bzw. eine Bauernstube eingerichtet hat, passt diese Art der Malerei recht gut. Und stimmt der Maler sieht gut aus.... wie schon weiter unten bei den Kommentaren erwähnt.
wize.life-Nutzer
Ein schöner "tyroler" Kommentar, danke sagt wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Das ist Kunst, die ich verstehen kann, und die mir sehr, sehr gefällt.
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wize.life-Nutzer
Na ist ja ein gut aussehender Mann schöne reale Malerei
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