John Heartfield, Fotomontage: „Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der R ...
John Heartfield, Fotomontage: „Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der Reichen“, 1932Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin
Kunst verstehen: . . . ist Satire eigentlich Kunst?

"John Heartfield ist einer der bedeutendsten europäischen Künstler. Er arbeitet auf einem von ihm selbst geschaffenen Feld, der Fotomontage. Vermittels dieses neuen Kunstmittels über Gesellschaftskritik. Unentwegt auf der Seite der Arbeiterklasse, entlarvte er die zum Krieg treibenden Mächte der Weimarer Republik und, ins Exil getrieben, bekämpfte er Hitler. Die Blätter dieses großen Satirikers, zum größten Teil erschienen in Arbeiterzeitschriften, werden von vielen, darunter dem Verfasser dieser Zeilen, für klassisch gehalten.“ (Bertolt Brecht )

John Heartfield (geboren als Helmut Hertzfelde), stand an der Wiege des Berliner Dadaismus und erfand – gemeinsam mit Maler George Grosz – im Jahr 1919 die Fotomontage. Der deutsche Protagonist der Dada-Bewegung, Fotomonteur und politische Künstler nutzte seine Kunst als Waffe, mit der er ein Millionenpublikum erreichte.

Zu jener Zeit wurde er auch Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die KPD erkannte schon bald, was für ein kommunikatives Potenzial den fotografischen Bildmanipulationen John Heartfields inne wohnte und gab ihm die Gelegenheit, die Titelseiten der Zeitschrift AIZ (Die Arbeiter-Illustrierte Zeitung) frei zu gestalten. Außerdem betreute Heartfield die Wahlkampagnen der KPD. Er wurde aufgrund seiner scharfen Analyse des Nationalsozialismus, vor deren Hintergrund er Adolf Hitler gnadenlos aufs Korn nahm, gefeiert und gefürchtet.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 musste John Heartfield wegen der enormen Aussagekraft und des politischen Einflusses seiner Bilder Hals über Kopf aus Deutschland fliehen. Er setzte seine politische Propaganda und Aufklärung von Prag aus fort. Nach seinem Exil in England während des Zweiten Weltkriegs kehrte John Heartfield nach Deutschland zurück: Er entschied sich für die DDR! Dort wurde er aber von dessen Machthabern mit Vorbehalt und Argwohn betrachtet. Leider gelang es John Heartfield nicht, die propagandistische Kraft seiner Werke wieder aufleben zu lassen. Aber heute etwa ein Jahrhundert später haben seine Werke nichts von ihrer explosiven Kraft eingebüßt.

Seine Biografie

John Heartfield wurde am 19. Juni 1891 in Berlin-Schmargendorf geboren. Sein eigentlicher Name war Helmut Herzfeld, denn er kam als erstes von insgesamt vier Kindern des verfolgten sozialistischen Schriftstellers (Pseudonym: Franz Held) eigentlich Franz Herzfeld und der Textilarbeiterin Alice Herzfeld, geb. Stolzenberg zur Welt.

Im Jahre 1895 wurde sein Vater wegen Gotteslästerung zu einer Haftstrafe verurteilt - daraufhin zog die Familie in die Schweiz und später nach Aigen bei Salzburg. Aus nicht geklärter Ursache(!) verließen aber im Sommer 1899 die Eltern ihre Kinder (Helmut Herzfeld und seine Geschwister wurden von dem Ehepaar Ignaz und Clara Varschein aufgenommen).

Helmut Herzfeld begann 1905 eine Buchhändler-Lehre in Wiesbaden, es schloss sich ein Studium an der Kunstgewerbeschule München von 1908 bis 1911 an und arbeitete hier zunächst als Werbegrafiker. Diese Aufgabe füllte ihn nicht aus und im Jahre 1913 begann er dann ein Studium an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin Charlottenburg.

Im Jahre 1914 wurde Helmut Herzfeld zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 Soldat zum in Berlin stationierten Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 eingezogen. (Im Herbst dann lernte er den Maler und Grafiker George Grosz kennen).

Seine Namensänderung

Nachdem er 1915 wegen einer simulierten Nervenkrankheit aus der Armee entlassen worden war, nannte sich Helmut Herzfeld ab 1916 offiziell "John Heartfield“! (Sein gezielter Protest gegen den im Deutschen Kaiserreich herrschenden und insbesondere englandfeindlichen Nationalismus).

Berliner Dadaistisches Kunstschaffen

Es entstand z.B.: die „Kleine Grosz-Mappe“ und parallel dazu entstanden erste dadaistischen Druckversuche. Ab 1919 wurde John Heartfield als Protagonist der Berliner "Dada-Bewegung“ und in dieser Szene als "Monteurdada“ bekannt. Am 31. Dezember 1918, ihrem Gründungstag, trat er der KPD bei. Nun folgten zunehmende Aktivitäten in der neuen Kunstbewegung. Im April 1920 gab John Heartfield zusammen mit George Grosz und Raoul Hausmann Dada 3 heraus. Im Juni beteiligte er sich an der Ersten Internationalen Dada-Messe in Berlin. Außerdem wurde er Ausstattungsleiter der Reinhardt-Bühnen in Berlin unter Erwin Piscator und 1923 Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Der Knüppel“.

Fotomontagetechnik-Meister

1929 erschien ein gemeinsam mit Kurt Tucholsky verfasstes Bilderbuch mit dem satirisch gemeinten Titel "Deutschland, Deutschland über alles“ ( Bildergalerie Bild 2). Im Jahre 1930 wurde John Heartfield ständiger Mitarbeiter der "Arbeiter-Illustrierten-Zeitung (AIZ)“ und ab 1936 "Die Volks-Illustrierte (VI)“, in der bis 1938 regelmäßig seine politischen Fotomontagen erschienen. Seine Arbeiten wurden massenhaft verbreitet, unter anderem auf Titeln von linksgerichteter Zeitschriften und auf KPD-Plakaten. Ab dem Frühjahr 1931 lebte John Heartfield sogar für ein Jahr in der Sowjetunion und arbeitete dort an verschiedenen Projekten (Ausstellungen, Theaterstücke).

Sein Wirken im Exil

Im Jahre 1933 floh John Heartfield vor den Nationalsozialisten in die Tschechoslowakei, nachdem die SA seine Wohnung gestürmt hatte. Von Prag aus setzte er seine Arbeit für oppositionelle Publikationen in Deutschland fort. Er beteiligte sich an der Karikaturenausstellung des Kunstvereins Manes in Prag und 1935 folgte eine Ausstellung seiner Werke sogar in Paris.

Nach der Besetzung des Sudetenlandes floh John Heartfield am 6. Dezember 1938 mit Hilfe englischer Intellektueller auf dem Luftweg nach Großbritannien. 1940 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, da er als feindlicher Ausländer in einem Internierungslager festgehalten wurde.

"Sein Leben in der DDR“

Am 31. August 1950 kehrte John Heartfield über Prag nach Deutschland zurück und ging in die DDR, wo er bis 1956 in Leipzig lebte (sogar sein Exil in England wurde ihm hier vorgehalten und sein Gesuch, in die "SED“ aufgenommen zu werden, wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt!). Zusammen mit seinem Bruder Wieland arbeitete er dann schließlich für verschiedene Theater, Verlage und Organisationen der DDR.

Im Jahre 1951 erlitt John Heartfield dann einen ersten Herzinfarkt und im November 1952 einen zweiten. Doch erst 1954 nahm er seine Arbeit wieder auf. Im Juni des selben Jahres forderte der Schriftsteller Stefan Heym öffentlich die Aufnahme John Heartfield in die Akademie der Künste der DDR. 1956 zog er nach Berlin und wurde dann zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste gewählt. 1957 bezog er ein Sommerhaus in Waldsieversdorf in der Märkischen Schweiz, das heute als Gedenkstätte geöffnet ist. Im Jahre 1960 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

Am 26. April 1968 starb John Heartfield im Alter von 76 Jahren in Ost-Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.


John Heartfield (geboren als Helmut Hertzfelde) stand an der Wiege des Berliner Dadaismus und erfand – gemeinsam mit George Grosz – im Jahr 1919 die Fotomontage. Zu jener Zeit wurde er auch Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die KPD erkannte schon bald, was für ein kommunikatives Potenzial den fotografischen Bildmanipulationen Heartfields inne wohnte und gab ihm die Gelegenheit, die Titelseiten der Zeitschrift AIZ (Die Arbeiter-Illustrierte Zeitung) frei zu gestalten. Außerdem betreute Heartfield die Wahlkampagnen der KPD. Er wurde aufgrund seiner scharfen Analyse des Nationalsozialismus, vor deren Hintergrund er Adolf Hitler gnadenlos aufs Korn nahm, gefeiert und gefürchtet.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 musste Heartfield wegen der enormen Aussagekraft und des politischen Einflusses seiner Bilder Hals über Kopf aus Deutschland fliehen. Er setzte seine politische Propaganda und Aufklärung dann von Prag aus fort. Nach dem Exil in England während des Zweiten Weltkriegs kehrte John Heartfield nach Deutschland zurück: Er entschied sich für die DDR. Dort wurde er von den neuen Machthabern mit Vorbehalt und Argwohn betrachtet. Aber es gelang ihm nicht, die propagandistische Kraft seiner Werke wieder aufleben zu lassen! Er verlegte sich auf die Buchgestaltung (womit er sich bereits seit Beginn seiner Künstlerlaufbahns beschäftigt hatte) sowie auf den Entwurf von Bühnenbildern.

Gerade heute noch laden John Heartfields Ausstellungen jeden ein, über die Darstellung von politischen Ideologien so wie über unsere gesellschaftlichen Träume und Albträume nachzudenken.

Die Bildergalerie:

John Heartfield, Fotomontage: „Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der R ...
John Heartfield, Fotomontage: „Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der Reichen“, 1932Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - John Heartfield, Fotomontage: „Krieg und Leichen - die letzte Hoffnung der Reichen“ - Doppelseite aus der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, 1932, Nr. 1 - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield, Kurt Tucholsky-Titel - Fotomontage: “Deutschland, Deutschla ...
John Heartfield, Kurt Tucholsky-Titel - Fotomontage: “Deutschland, Deutschland über alles“, 1929Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 2 - John Heartfield, Kurt Tucholsky-Titel - Fotomontage: “Deutschland, Deutschland über alles“, 1929 - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield, Fotomontage: “DER SINN VON GENF“, 1932
John Heartfield, Fotomontage: “DER SINN VON GENF“, 1932Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 3 - John Heartfield, Fotomontage: “DER SINN VON GENF“- Wo das Kapital lebt, kann der Frieden nicht leben! - Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, 1932 - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

Dazu das Stichwort "Friedenstaube": Im Jahr 1949 schuf Pablo Picasso für den Pariser Weltfriedenskongress "seine Friedenstaube“: eine Lithografie. Picassos Tochter, die am Tage des Kongresses geboren wurde, erhielt den Namen Paloma, was im Spanischen Frieden bedeutet. Sechs Jahre später sollte Picasso für seine Darstellung der Taube den Weltfriedenspreis erhalten.

ohn Heartfield, Fotomontage: "Adolf, der Übermensch. Schluckt Gold und rede ...
ohn Heartfield, Fotomontage: "Adolf, der Übermensch. Schluckt Gold und redet Blech!", 1932Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 4 - John Heartfield, Fotomontage: "Adolf, der Übermensch. Schluckt Gold und redet Blech!" - Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, 1932 - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin. - (Der Röntgenbild-Adolf Hitler, der "Gold schluckt und Blech redet“).

John Heartfield, Fotomontage: "BLUT UND EISEN" , 1934
John Heartfield, Fotomontage: "BLUT UND EISEN" , 1934Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 5 - John Heartfield, Fotomontage: "Der alte Wahlspruch
im "neuen“ Reich: BLUT UND EISEN", (1934) - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin. - John Heartfield wurde oft als verbissener Agitator abgetan und als politischer Handwerker - schließlich war er es selbst, der sich nie als Künstler, sondern eher als "Monteur“ bezeichnet hat: einer, der – in einem sehr modernen, beinahe postmodernen Sinne – mit vorgefundenem Material arbeitete. Viele seiner Arbeiten sind inzwischen weltbekannt - so etwa jenes Hakenkreuz, das aus blutigen Henkersbeilen besteht! – 


John Heartfield, Fotomontage: "Kleiner Mann bittet um große Gaben", 1932
John Heartfield, Fotomontage: "Kleiner Mann bittet um große Gaben", 1932Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 6 - John Heartfield, Fotomontage: "Kleiner Mann bittet um große Gaben - Motto: MILLIONEN STEHEN HINTER MIR! "- (1932) - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

Dazu das Stichwort "Hjalmar Schacht": Eine Anspielung auf Hjalmar Schacht, der der mächtigste deutsche Bankier des 20. Jahrhunderts war. Kein anderer Notenbankpräsident hatte je eine solche Machtfülle wie er. Im Dritten Reich finanzierte er Adolf Hitlers Aufrüstung!

John Heartfield, Fotomontage: "Das ist das Heil, das sie bringen!“, 1938
John Heartfield, Fotomontage: "Das ist das Heil, das sie bringen!“, 1938Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 7 - John Heartfield, Fotomontage: "Das ist das Heil, das sie bringen!“ (1938) - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

Dazu das Stichwort "Luftangriffe“: Für die deutsche und britische Bevölkerung bedeuteten die todbringenden Luftangriffe endlose Nächte in Luftschutzbunkern oder Hauskellern, ohne dass jedoch ihre Kampfmoral entscheidend gebrochen werden konnte. Zumeist steigerten die Angriffe den Durchhaltewillen und den Hass auf den Feind!

John Heartfield, Fotomontage: "Selbstbildnis mit Polizeipräsident Karl Zör ...
John Heartfield, Fotomontage: "Selbstbildnis mit Polizeipräsident Karl Zörgiebel", 1929Foto-Quelle: © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin

Bildergalerie Bild 8 - John Heartfield, Fotomontage: "Selbstbildnis mit Polizeipräsident Karl Zörgiebel" - Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, Nr. 37, 1929 - © The Heartfield Community, Nachlass: Akademie der Künste, Berlin.

DadaKreuzberg. 100 Jahre Grosz-Heartfield-Konzern
DadaKreuzberg. 100 Jahre Grosz-Heartfield-KonzernFoto-Quelle: © Eckhard Siepmann

Bildergalerie Bild 9 - DadaKreuzberg. 100 Jahre Grosz-Heartfield-Konzern - © Eckhard Siepmann


Links:

(John Heartfield - Biografie)
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Heartfield

(Collagen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Collage

(Fotomontagen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Fotomontage

(Satire)
https://de.wikipedia.org/wiki/Satire

(Heartfields Nachlass)
heartfield.adk.de online


Map-Data:Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte - Der Lesesaal am Pariser Platz ist ab dem 3. Mai für die Ausleihe und Rückgabe von Bibliotheksmedien geöffnet. - 6.200 Werke und Objekte aus Heartfields Nachlass können seit Ende 2018 unter heartfield.adk.de online recherchiert und besichtigt werden. Im Internet sind die fünf Kapitel – Leben, Werk, Exil und Rückkehr sowie Nachlass – grafisch ansprechend aufbereitet.

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