Was Frauen und Männer wollen
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Isabel Allende, "Was wir Frauen wollen" (dt. Ausgabe, 2021)

Isabel Allende, Was wir Frauen wollen
(dt. Ausgabe 2021)

Der Titel verallgemeinert, er macht sich zum Sprecher einer Gruppe. Da ich eher dazu neige, jeden Menschen als einzigartiges Exemplar, als Unikat, anzusehen, hätte er mich beinahe zum Widerspruch angeregt.
Aber man kommt nicht so leicht an einer raffinierten Freundin vorbei, die z.B. anhand eines Horoskops die Details der Autobiographie bestätigt sehen möchte.
Am Lesen kam ich also nicht vorbei.

Ich habe es also gelesen, mit viel Interesse, auch mit viel Gefallen an den kurzen Kapiteln. Man wird als Leser nicht überfordert, man kann über den Text hinweg huschen und dann innehalten und darüber nachdenken.
Denn Isabel Allende hat hier nicht nur eine Autobiographie geschrieben, sondern einen flammenden Appell an die Weltgemeinschaft gerichtet, der in dem Titel dieses vorerst letzten Buches anklingt: Was wir Frauen wollen.
Nun, wir wollen die gleichen Rechte wie die Männer, d.h. wir wollen und werden keine weitere Unterdrückung, keine weitere Ungerechtigkeit, keine weiteren Verstümmelungen zulassen.

Natürlich spielt der Geburtsort, die Familie und die Kulturstufe des eigenen Volkes eine Rolle. 1942 in Peru geboren, erlebt sie, wie ihre Mutter mit zwei Kleinkindern und einem Säugling von ihrem Mann verlassen wird und in das Haus ihrer Eltern in Chile zurückgehen muss, weil sie sonst verloren gewesen wäre.
So beginnt eben die Biographie mit dem Satz: „Wenn ich sage, dass ich schon im Kindergarten Feministin war …, dann ist das nicht übertrieben.“ (S. 9)
Die Demütigung ihrer Mutter macht sie zu einem aufsässigen Kind mit einem großen Verlangen nach Gerechtigkeit und Ablehnung jeder männlichen Vorherrschaft.
Als ihre Mutter erneut heiratet – Isabel war gerade 11 Jahre alt -, verfolgte sie 'Onkel Ramon' mit ihrem Hass und stellte seine Autorität in Frage.
Erst nach der Geburt ihrer Tochter entdeckte sie, dass dieser Macho sanft, einfühlsam und verspielt sein konnte.
Durch ihn und seinen Beruf als Konsul und die damit verbundenen Umzüge lernte sie andere Länder und Kulturen kennen, z.B. den Libanon und die USA, und sie erkannte, dass die Unterdrückung der Frauen sich auf der ganzen Welt nur geringfügig unterschied.

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In den Sechziger Jahren erlebte ich in einer hoch entwickelten westlichen Kultur die sexuelle Befreiung. Ich erinnere mich, dass die ersten Impulse von Skandinavien ausgingen und die schwedischen Studentinnen an unserem Institut (IDF HD) wegen ihrer Verführungskünste bewundert und imitiert wurden.
Dann tauchte auch unsere deutsche Feministin Alice Schwarzer auf, und die Jeans wurde zum sichtbaren Symbol der Verselbständigung der Frauen in dieser Gesellschaft.

Isabel Allende nimmt zu vielen Positionen Stellung. Sie fordert gleiche Rechte für beide Geschlechter, was Erziehung und Ausbildung angeht, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, Entscheidungsfreiheit hinsichtlich einer Eheschließung, sexuelle Freiheit, Schutz des weiblichen Körpers vor Verstümmelung, keine Unterwerfung unter Mode oder Sittendiktate (Burka).
Darin stimme ich mit ihr total überein!

Voraussetzung dafür ist, global gesehen, eine umfassende Aufklärung. Zum anderen die Anpassung der Entwicklungshilfe an das Ideal der Geschlechter-Gerechtigkeit.
Wohin fließen die Gelder unserer Entwicklungshilfe? Sie versacken in den tiefen Taschen gieriger politischer Machos.
Die Gelder sollten nur an Frauenprojekte vergeben werden. Ein indischer Milliardär könnte da Vorbild sein: Er schenkte Frauen in südindischen Dörfern Nähmaschinen, und innerhalb kürzester Zeit konnten sich diese Frauen selbst versorgen und von ihren Männern unabhängig sein.
Solche Beispiele sollten Schule machen.

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Da Kulturen sich von Land zu Land unterscheiden, nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich ihrer Ethik, sind nur differenzierte Lösungsmodelle akzeptabel.

Ich finde z.B. den Feminismus in Deutschland allmählich unerträglich. Ich möchte ihn durch einen Pazifismus ersetzen, der freigewordene Gelder jungen Müttern für den Zeitraum von 6 Jahren zur Verfügung stellt. Statt Gelder für Waffen und militärische Rüstung auszugeben, sollte der Staat Müttern erlauben, für ihre Kinder bis zum Schulalter zu Hause zu sein. Urvertrauen, d.h. Vertrauen zum Leben und zu sich selber wird in diesen verletzlichen Jahren aufgebaut.
Ein skandinavischer Schriftsteller sagte einmal, Mütter seien die Architekten der Seelen ihrer Kinder. Den Satz habe ich nicht vergessen können.

Ich finde, das Pendel schwingt in unserem Kulturkreis zu weit aus. Von einer Frauenquote halte ich gar nichts, denn Qualität lässt sich nicht durch das Geschlecht ersetzen.

Gerechtigkeit sollte auch nie Gleichmachung bedeuten. Männer und Frauen unterscheiden sich definitiv, und das macht gerade den unvergleichlichen Zauber von Beziehungen aus.
Männer haben andere Gaben als Frauen und viceversa. Frauen sind wunderbare Trösterinnen, Lehrerinnen und Richterinnen.
Männer finde ich für poitische Führungspositionen geeigneter, sie können auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf behalten.

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Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und finde, es gehört unbedingt in diese Zeit des Aufbruchs. Welch furchtbares Leid Frauen noch in vielen Gegenden der Welt im 21. Jahrhundert ertragen müssen, ist eine Schande für die Bewohner dieses Planeten!

Ich selber habe es in Mitteleuropa relativ einfach. Ich sehe sogar die Auswüchse, die exzessiven Übertreibungen mit Sorge.
Die Verunstaltung der Sprache, das Gendern, stört mich als Philologin . Wenn ich ein Vorwort schreibe, wende ich mich an die L e s e r und meine damit a l l e.
Ich werde auch nie irgendwelche Sternchen * in ein Wort einfügen, und ich werde nie an irgendwelchen Umzügen teilnehmen, bei denen die sexuelle Ausrichtung DAS Thema ist!

ABER dazu möchte ich noch etwas ganz Grundsätzliches sagen, was mir auch , vielleicht wegen all dieser Diskussionen um sexuelle Präferenzen, relativ spät auffiel:
Irgendwann stellte ich mir die Frage, was L e b e n eigentlich ist. Die Antwort, die sich spontan einstellte, war: Bewegung.

Das lässt sich nun mühelos auf den sexuellen Akt, den eigentlich schöpferischsten Akt des Menschen, übertragen: Ein bewegliches Etwas nähert sich einem wartenden Pol.
Der Mann ist also der Lebens-Bringer, und die Frau ist der Lebens-Empfänger.
Sie brauchen einander, sie sind gleichwertig, aber nicht gleichartig.

Ich verdanke Isabel Allende, dass ich noch einmal über die Geschlechterfrage nachgedacht habe, und ich habe gar nichts gegen andere Meinungen.

© ez

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