Brindisi, Castello Aragonese
Brindisi, Castello AragoneseFoto-Quelle: hhh
Die Apulienreise, ein Tagebuch (1) Nur das Ziel ist das Ziel

Für eine Apulienreise wählt man empfehlenswerterweise als Mittel der An- und Abreise das Flugzeug. Denn bis Brindisi sind es 1.346 Kilometer, von München aus. Von Berlin, Hamburg oder Köln sind es noch mehr. Gleichwohl haben wir einige deutsche Nummernschilder auf den Straßen an der Ferse Italiens gesehen.
Für uns begann das Erlebnis des Post-Covid-Reisens, oder des Intervall-Covid-Reisens mit einem frischen Erlebnis der Airlines und ihres Services, mit dem sie ihren Transport an die östlichste Ecke Italiens, tief im Süden anpreisen. Die Lufthansa hat auf ihrer Homepage eine Hotline, die telefonisch zu erreichen, ein Anklicken genügt. Dann hört man: „The number you`ve dialed is not assigned.“ Diese Nummer, die ich nicht gedialed hatte, die im Display mit 20118,44 angezeigt wurde, gab es also gar nicht. Sehr strange. Da gab es aber noch, um trotzdem mit dem Kranich, der sich so kunstvoll den Mund verbunden hatte, zu kommunizieren, „Elisa“, den Chat. Ich gab also brav die Buchungsnummer ein, die ich bei der Reservierung des Flugs erhalten hatte, aber Elisa verstand nicht und begehrte: „Geben Sie die Buchungsnummer ein“, es war Slapstick vom Feinsten. Nachdem ich es dreimal probiert hatte, gab ich „va fan culo“ ein und beendete den Chat-Versuch mit Elisa. Die Zentrale in Frankfurt erreichte ich über das „Impressum“, den Eintrag auf der Homepage, wo alle Firmen schließlich ihre kommunikative Hose runter lassen müssen. Die Zentrale gab mir bereitwillig eine Telefonnummer für alle Fragen. Doch dort erfuhr ich, dass alle Mitarbeiter im Gespräch wären und ich doch irgendwann anrufen sollte. Es machte leise „klick“, und das Gespräch war beendet. Armer Kranich in Corona-Zeiten! Wieviel Staatsfutter hat er doch gleich bekommen? Aber ich gab noch nicht auf. Ich fuhr zum Lufthansa-Center in der Görrestraße in München-Schwabing. Eine sehr nette Mitarbeiterin erklärte mir, dass man im Lufthansa-Center nicht an Lufthansa-Buchungen rankomme, sondern nur an solche, die dort in der Görrestraße getätigt worden seien, außerdem sei ich heute schon der 30. im Verweigerungsdickicht der Lufthansa herum taumelnde Kunde , aber ich könnte es ja mal am Flughafen versuchen, sie wisse aber, dass man dort nicht begeistert sei. Voller Verständnis schaute ich mich nach einer Alternative um, bis nach Memmingen, dort gibt es ja eine Airline, die Ryanair, die deutlich billiger als die deutsche Rennomierfluglinie. Sie versprach, mich an die südliche Küste der Adria zu bringen.
Was indes nicht heißt, dass ein Billigflug nicht seinen Preis hat. Denn billig mag der Kunde, der Anbieter mag es nicht. Kaum hat man gebucht, wird man mit roten Balken darauf hingewiesen, was man alles noch benötigt: Gepäck, Priority, Versicherungen gegen alles, Verpflegung, Mietwagen usw. Und es ist nicht so, dass man anklickt , was man will, nein, man muss ausdrücklich anklicken, dass man nicht will. Dass man nicht bestimmen muss, im Allgäu – Airport keine Massage zu wollen, fehlte noch. Jedenfalls erklärt man, sich ab sofort auf eigenes Risiko in tiefe, unsichere Gefilde zu begeben, vorsätzlich und in vollem Bewusstsein. Eigentlich will man doch nur geflogen werden, nach Brindisi eben. Dann hat man sich endlich durchgeklickt bei Ryanair, bis man frei allen Schutzes einen Boarding Pass erhält. Aber wie kommt man jetzt nach Memmingen? Das Business Modell, man erkennt es, wenn man vor Ort am Allgäu-Flughafen ist, basiert darauf, dass jeder mit dem eigenen Auto anreist. Denn die Parkgebühren machen den Preisvorteil des Billigfliegens wieder wett, je nach Dauer sind sie teurer als der Flug. Und Autos stehen mit nach der Entfernung gestaffelten Preisen eigentlich überall. Jede Allgäuer Wiese im Umkreis ist Parkplatz. Damit das System funktioniert, hat man Absprachen, wie diese funktionieren, kann man vermuten. Sie sorgen dafür, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer hinkommt zum Flughafen Memmingen. Den direkten Bus von München gibt es nur selten. Bleibt die Bahn, die zockelt, zumeist mit Umsteigen in Buchloe, in aller Gemütlichkeit zum Bahnhof Memmingen, aber der 180er Bus, der von dort die Verbindung zum Flughafen gewährleisten könnte, fährt so selten, dass der Griff ans eigene Steuer für fast alle die bessere Wahl ist. Wir nahmen am Bahnhof ein Taxi, auf dessen normalen Preis hatte Ryanair offensichtlich keinen Einfluss.
Im Warteraum für die Passagiere nach Brindisi entwich der Unterschied zwischen Priority und normalen Fluggästen alsbald, weil alle durch die vorzulegenden Dokumente sich im gleichen Chaos befanden. Aus dem mitgeführten Ordner waren zu präsentieren: Flugticket, Personalausweise, EU Covid-19 Vaccination Certificate und die EU Digital Passenger Locator Form. Erstaunlich, wie viele nicht auf dem Weg nach Apulien an dieser Barriere scheiterten.
Mit 45 Minuten Verspätung brachte uns das Flugzeug, dessen Sitzreihen-Abstände vermutlich nach den apulischen Gästen bemessen waren, nach Brindisi. Endlich im gelobten Land, und die Leihwagen-Firma hatte noch auf. Von den einheimischen Behörden kurz auf die Temperatur gemessen, hofften wir, bald im gekühlten Pkw in die Stadt, die für eine kurz bemessene Zeit einmal Italiens Hauptstadt war, enteilen zu können.
Doch halt: Entschleunigung ist das, was dir Apulien schon zu Beginn in den Reiseplan schreibt. Der Autoverleiher, es war Avis, der deutsche Marktführer wäre doppelt so teuer gewesen, war mit nur einem Mitarbeiter besetzt. Wie so oft beim italienischen Fleischer zog ich ein Kärtchen, Nummer 64. An der Reihe war die Nummer 54. In der gut gewärmten Baracke und auch auf der Straße davor wartete die Kundschaft. Gelegenheit, sich ein kaltes Getränk zu holen! Zurück in den Flughafen Papolo Casale, dort am Kiosk Gustapulia ein ähnliches Bild. Warteknäuel, wir sind ja nicht in England. Corona-gebotene Distanz erlaubte weniger vorsichtigen Mitbürgern den Vortritt. So kam es, dass es mit der Wartezeit hinkam, und ich bei Nummer 62 wieder am Schalter war. Kam die Nummer 63, die natürlich Vortritt hatte, dann eine Nummer 31, die hatte keinen, weil sie vermutlich den Zettel auf dem Boden gefunden hatte und den furbo spielen wollte. Dann eine wundersgleiche Überraschung: Statt des gebuchten Fiat 500 bot man mir einen Renault Kadjar an. Nie gehört, nie gefahren, aber deutlich größer. Und er war klug. In der Hitze der kommenden Tage rettete er durch kluge Technik seinem Motor das Leben und uns den Ablauf der Recherche, wie noch zu berichten sein wird.
Das Hotel Orientale am Corso Garibaldi in Brindisi war nicht spektakulär, lag aber zentral für einen spätabendlichen Ausflug, und eine Dusche hatte es auch.

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