Alberobello, Heimat der Trulli
Alberobello, Heimat der TrulliFoto-Quelle: hhh
Die Apulienreise, ein Tagebuch (3) Auf der Klippe

Wir hätten uns nun von Brindisi aus auf römischen Straßen gen Norden bewegen können, über die Via Appia im Land oder die Via Trajana an der Küste, und wären dann auf letzterer nach Egnatia gekommen, das ist die römische Stadt, deren Reste man durch das glasklare Wasser auf dem Grund der Adria sehen soll. Es wurde uns dringend empfohlen. Fest geplant hatten wir aber einen mehrtägigen Aufenthalt in Polignano a Mare. Denn dort stehen die Häuser der Altstadt auf einer hohen Klippe, die über Höhlen verfügt, die man vom Wasser aus besuchen kann. Und die, jemand hat das schon ausgerechnet, die ganze schöne Stadt zum Einsturz bringen werden. Irgendwann, aber noch nicht so bald. Es ist eine dramatische Wahrheit: Man kann Apulien nicht begreifen, ohne dort auf Dauer zu leben. Jeder Besucher ist ein Durchreisender. War Johann Wolfgang Goethe in Apulien? Nein, wie uns von Professor Stefano Barocci, dem Vorsitzenden des Instituts „Goethes Neue Reise nach Italien“, bestätigt wird, und sein Vater Johann Caspar Goethe auch nicht. Also sparten wir uns Egnatia für eine spätere Reise auf, wie so vieles, fuhren über Ostuni und Martina Franca nach Alberobello, der Hauptstadt der 5000 mysteriösen Trulli, die sich im Itriatal finden.

In der Heimat der Trulli

„Trulli sind Kraggewölbebauten aus Trockenmauerwerk und werden ohne Mörtel errichtet. Die schuppenartigen dunklen Bruchsteindächer geben dem weiß getünchten Trullo, der ursprünglich in den Feldern und nicht im Ort stand, sein charakteristisches Aussehen“, weiß Wikipedia. Aber es weiß nicht, woher sie kommen, wie sie zu ihrem Namen kamen. Wikipedia tippt auf einen türkischen Ursprung. Dass sie im Winter wärmen, im Sommer kühlen, weiß dagegen der Brockhaus-Nachfolger. Andere Quellen wollen wissen, dass sie Schutz boten gegen Angreifer. Im 17. Jahrhundert , so kann man lesen, erlebten diese Häuser eine Renaissance. Der Graf Giangirolamo II. Acquaviva d'Aragona, auch er ein furbo, wollte keine Steuern für Häuser an die Regierung zahlen. Daher forderte er von den Bauern, ohne Zement und Mörtel zu bauen. Käme der Inspektor, könne man sie „ganz einfach abbauen und später leicht wiedererrichten“. Das muss man nicht glauben. Es gibt so viele Geschichten. Wir liefen durch das Trulli-Städtchen zur griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Antonius von Padua, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, dann rasch zurück. Denn es war so heiß, dass der Zippus, so heißt der Schlussstein eines Trullo, herabzutropfen drohte. Wer einen Trullo kaufen möchte, nur zu, es gibt sie ab 35 000 Euro, und lohnend dürfte es auch sein, sich mit den mystischen Beschriftungen auf einigen Dächern zu befassen. Die Grotte di Castellana merkten wir uns ebenfalls für einen späteren Besuch vor, ebenso Monopoli. Und allen, die sagen, das geht doch gar nicht, geben wir recht.

Nächtigen auf der Klippe

In Polignano a Mare erwartete uns eine Aufgabe. Weil wir unweit der Klippe nächtigen wollten, buchten wir in einem Bed and Breakfast, dem „Senia-Rooms-Design“. Aber dazu gehörte leider kein Parkplatz. Und – es war Sonntagabend – gefühlt halb Apulien wollte wohl das Gefühl genießen, von einer Klippe aufs Meer zu starren, das zwar keinen Sonnenuntergang, da gen Osten liegend, aber das Gefühl zu bieten hat, bald herabzustürzen. Aber erst, wenn man wieder abgereist ist. Wir fanden doch einen Parkplatz, war es dem Heiligen Antonius von Padua zu verdanken?, den wir allerdings später wieder verließen, um im La Colonna, außerhalb des Zentrums den Blick auf die Ruine der Abbazia di San Vito, einen kleinen Hafen, den Strand, einen alten Wachturm und das Meer zu genießen. Natürlich auch den hervorragenden Fisch und den Weißwein. Allerdings gegen einen Aufpreis von 60 Euro, weil nur im Halteverbot ein Parkplatz frei war, und wir dem Tipp unseres Wirtes nicht folgten, eines der dreirädrigen Taxis zu nehmen. Ich bin überzeugt, die Abbazia di San Vito, die so traurig leer über dem Meer schwebt, hat auch eine Geschichte zu erzählen. Jedenfalls, zurück in Polignano a mare centro, boten sich mehrere Parkplätze (kostenfrei) an. Nach 1 Uhr nachts fahren auch Süditaliener heim.

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