Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Kaisermanöver", 1909
Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Kaisermanöver", 1909Foto-Quelle: © Gemeinfrei
Kunst verstehen: Olaf Gulbransson, ein Kraftprotz mit feinstem Strich …

Zitat:
(„Ich bin eigentlich kein politischer Zeichner. Ich zeichne das Motiv, das ich zwischen die Finger bekomme.“)

Der norwegische Maler und Karikaturist Olaf (Leonhard) Gulbransson - hauptsächlich einfach Olaf Gulbransson - er lebte aber ab dem Jahre 1929 in Bayern am Tegernsee. Als Mensch war er ein Naturbursche, ein Kraftprotz und „Urviech“.

An recht heißen Tagen lief er gerne nackt herum, er war Anhänger der Freikörperkultur und zeichnete auch am liebsten möglichst nackt - oft aber auch nur mit einer Schürze bekleidet und einem Tuch als Sonnenschutz auf dem Kopf (es existieren Fotos!). Es wurde auch erzählt, dass er mit seinem Gesäßmuskel Nüsse knacken konnte(!). Auch raufte er mit Zeitgenossen und war von schönen Frauen angetan. Als Künstler, Maler und Zeichner besaß er einen sehr „zarten“ Strich, der aber auch klar und ausdrucksstark war - dokumentiert durch seine Karikaturen und Illustrationen.

Zur Biografie:

Olaf (Leonhard) Gulbransson wurde am 26. Mai 1873 in Oslo (früher Christiania) geboren. Sein Vater Olaf Andreas Gulbransson war Architekt und Kirchenbaumeister.

Schon früh wurde sein Zeichen-Talent entdeckt und er ging mit 12 Jahren auf die Kunst- und Handwerksschule. Als 17jähriger (1890) wurden in norwegischen Zeitschriften seine ersten Karikaturen und Illustrationen veröffentlicht.

Am 27. Juli 1897 heiratete Olaf Gulbransson Inga Liggern, die aus einem großen Gutshof in Øyungen stammte. 1898 wurde Tochter Liv und 1901 die Tochter Inga Lisa geboren.

Um 1900 erfolgte auf Einladung von Frau Oda Krogh (Gattin des gleichnamigen Malers) eine Parisreise.

Nach München

Im Jahre 1902 holte Albert Langer (Verleger der populären Satirezeitschrift „Simplicissimus“) Olaf Gulbransson nach München und publizierte Karikaturen von ihm. Von diesem Zeitpunkt an erhielt er unterschiedliche Aufträge und in den kommenden 42 Jahren erschienen über 2400 Zeichnungen.

Olaf Gulbransson beantragte und erhielt 1906 die bayerische Staatsbürgerschaft und kauft in München ein Haus am Englischen Garten, das sogenannte „Kefernest“. Hier fließt denn auch der Schwabinger Bach, wo Olaf Gulbransson einst auch schwimmen ging.

Dann, am 14. August 1906 heiratete Olaf Gulbransson Grete Jehly, Tochter des Landschaftsmalers Jakob Jehly aus Bludenz in Vorarlberg.

Sechs Jahre später, 1912, reiste er mit seiner Frau Grete und dem Maler Richard von Below nach Ägypten. Zwei Jahre später wurde Olaf Gulbransson dann Mitglied der Freien Secession Berlin und nochmals zwei Jahre später erfolgte die Geburt seines Sohnes Olaf Andreas, genannt Oleman.

Im Jahre 1916 wurde Olaf Gulbransson dann vorübergehend zum Militär eingezogen, aber im Auswärtigen Amt in Berlin eingesetzt - hier zeichnete er Propagandazeichnungen gegen die Feindmächte.

Und 1917 wurde er Ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin - dann Rückkehr nach München. Ab 1923 erhielt er die Professur an der Staatlichen Kunstgewerbeschule München.

Erneute Heirat

Nach der Trennung von Grete Jehly heiratete Olaf Gulbransson am 5. Juni 1923 Dagny Björnson, die Enkelin des norwegischen Dichters Björnstjerne Björnson. Zur Finanzierung der Hochzeitsreise nach Norwegen zeichnete Olaf Gulbransson "Berühmte Norweger“ für die Osloer Tageszeitung "Tidens Tegn“. Das Paar blieb nun für vier Jahre in Norwegen - man kaufte ein Haus auf Lia (in der Nähe des Holmenkollen). Oleman, der Sohn aus vorheriger Ehe, wohnte ab 1925 dann hier.

Die Münchner Akademie der Bildenden Künste ernannte Olaf Gulbransson und Edvard Munch 1925 zu Ehrenmitgliedern. Und 1927 reiste Olaf Gulbransson dann zusammen mit seiner Frau nach München, um Th. Th. Heines 60. Geburtstag zu feiern und kehrten aber nicht nach Norwegen zurück. Zwei Jahre lang wohnten das Paar mit Sohn Oleman in der Friedrichstraße 18 in München.

Als Nachfolger von Franz von Stuck wurde dann im Jahre 1929 Olaf Gulbransson zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München berufen. Im gleichen Jahr fand der Kauf des „Schererhofes“ in Tegernsee (ein 500 Jahre alter Bauernhof am Südhang der Neureuth) statt.

Im "Dritten Reich“

Und dann der 10. März 1933! Die NSDAP-Kampforganisation SA verwüstete die Redaktionsräume der satirischen Wochenzeitschrift “Simplicissimus“ in München. Aber der Karikaturist Olaf Gulbransson gehörte ab jetzt zu den hofierten und hochdekorierten Künstlern des NS-Regimes - wurde aber kein Parteimitglied(!). Sogar mit einigen NS-Funktionären war er gut bekannt und nutzte sie. (Olaf Gulbransson gehörte zu den 45 Unterzeichnern des "Protestes der Richard Wagner Stadt“, der sich gegen Thomas Mann richtete und diesen ins Exil trieb. Auch sein ehemaliger Simplicissimus-Kollege (mit jüdischen Wurzeln und Konkurrent) Th. Th. Heine musste Deutschland verlassen - dafür machte dieser Olaf Gulbransson persönlich verantwortlich).

Durch den Eintritt in die Reichskulturkammer (1934) - für alle Kulturschaffende verpflichtend - war die Weiterarbeit beim gleichgeschalteten "Simplicissimus“ aber erlaubt. Diesen Vorgaben fügte sich Olaf Gulbransson ohne dagegen aufzubegehren - er konnte sogar weiterhin ausstellen! Weiter folgen 1937 Ausstellungen in der Kunsthandlung von Günther Franke in München und im Kunsthaus Schaller in Stuttgart - 1938 in den Kunstvereinen von Kassel und Jena sowie der Wiener Kunsthalle. Olaf Gulbransson wurde 1941 Ehrenmitglied des Vereins Berliner Künstler und 1942 Ehrenmitglied der Wiener Akademie der Künste.

Anlässlich seines 70. Geburtstages (1943) wurden ihm die "Goethemedaille“ sowie ein norwegischer Kulturpreis verliehen und bekam die Emeritierung als Professor der Akademie der Bildenden Künste in München. Aber "Der Simplicissimus“ wurde 1944 eingestellt!

Anlässlich Gulbranssons 80. Geburtstages (1953) wurde dann eine "Große Ausstellung“ im Wilhelm Busch Museum in Hannover veranstaltet. Im Jahre 1955 erhielt er den "Kunstpreis für Malerei und Grafik der Stadt München“ und ein UFA-Film über ihn entstand 1957/58.

Am 18. September 1958 starb Olaf Gulbransson auf dem Schererhof bei Tegernsee/Bayern, im 86. Lebensjahr. Bestattet ist er auf dem Gemeindefriedhof (Nähe evangelische Kirche) in Rottach-Egern.

Die Bildergalerie:

Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Kaisermanöver", 1909
Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Kaisermanöver", 1909Foto-Quelle: © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Kaisermanöver", 1909

Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Der deutsche Reichstag, 1902
Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Der deutsche Reichstag, 1902Foto-Quelle: © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 2 - Olaf Gulbransson, Karikaturen, "Der deutsche Reichstag", 1902/1903

Olaf Gulbransson, Karikatur "Vornehmer Hund",
Olaf Gulbransson, Karikatur "Vornehmer Hund",Foto-Quelle: © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 3 - Olaf Gulbransson, Karikatur "Vornehmer Hund“, 1908 -.Ein sehr modisches Motiv vor der Münchner Feldherrnhalle mit einer genialen Strichführung.

Olaf Gulbranssons satirischer Kommentar zu Winston Churchill's gescheitertem ...
Olaf Gulbranssons satirischer Kommentar zu Winston Churchill's gescheitertem Dardanellen-Feldzug (1915)Foto-Quelle: © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 4 - Olaf Gulbransson, satirischer Kommentar) "zu Winston Churchill's gescheitertem Dardanellen-Feldzug“, 1915

Olaf Gulbransson, "Fords Vaterfreuden", 1927
Olaf Gulbransson, "Fords Vaterfreuden", 1927Foto-Quelle: © picture-alliance/dpa/bifab

Bildergalerie Bild 5 - Olaf Gulbransson, "Fords Vaterfreuden", 1927 - Diese Karikatur über den amerikanischen Industriellen und Automobilhersteller Henry Ford erschien im "Simplicissimus" 1927 mit dem Text "Je kürzer meine Kinder leben, desto besser ernähren sie mich".

Olaf Gulbransson, Plakat „Aufstieg der Begabten“, 1930
Olaf Gulbransson, Plakat „Aufstieg der Begabten“, 1930Foto-Quelle:  © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 6 - Olaf Gulbransson, Plakat "Aufstieg der Begabten“, 1930 - mit der Unterzeile „Man sollte Ihnen die Regierungsbildung nicht verweigern - irgend’ne Bildung muß der Mensch schließlich haben!
Karikatur des Simplicissimus (mit Hitler, Frick und Ludendorff) von Olaf Gulbransson, die auf das Ergebnis der Reichstagswahl vom 14. September 1930 vorausdeutet. In dieser Wahl wird die NSDAP mit einem Stimmenanteil von 18,5 % die zweitstärste Frakion im Reichstag.

Olaf Gulbransson, „Dame mit 5 Meter Umfang“
Olaf Gulbransson, „Dame mit 5 Meter Umfang“Foto-Quelle: © privat

Bildergalerie Bild 7 - Olaf Gulbransson, "Dame mit 5 Meter Umfang“ - © privat - Diese Zeichnung, ist jetzt wieder aufgetaucht (durch Münchner Zahnarzt Florian Graf).

Olaf Gulbransson "Selbstporträt", 1937
Olaf Gulbransson "Selbstporträt", 1937Foto-Quelle: © Olaf Gulbransson Museum,

Bildergalerie Bild 8 - Olaf Gulbransson, Selbstporträt mit Tuch und Zweigen auf dem Kopf, 1937

Eingang vom Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee/Bayern
Eingang vom Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee/BayernFoto-Quelle: © Gemeinfrei

Bildergalerie Bild 9 - Eingang vom Olaf Gulbransson Museum, Tegernsee/Bayern - Das Museum widmet sich seit 1966 dem Andenken an Olaf Gulbransson. Als Karikaturist der legendären Münchner Satire-Zeitung "Simplicissimus“ erlangte der Norweger rasch internationale Bekanntheit. In den 1920iger Jahren ließ er sich am Tegernsee nieder und schuf hier bedeutende Werke, welche zu den "Sternstunden der europäischen Zeichenkunst im 20. Jahrhundert“ gehören. Eine umfangreiche Dauerausstellung mit seinen Karikaturen, Ölgemälden, Buchillustrationen sowie Landschaftszeichnungen können im Altbau des Museums besichtigt werden.


Links:

(Olaf Gulbransson - Biografie)
https://www.olaf-gulbransson-museum....gulbransson

(Karikatur)
https://de.wikipedia.org/wiki/Karikatur

(Simplicissimus)
https://de.wikipedia.org/wiki/Simplicissimus
https://www.google.com/search?client...plicissimus
http://www.simplicissimus.info/index.php?id=5

(Berliner Secession)
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Secession

(Akademie der bildenden Künste München)
https://www.historisches-lexikon-bay...%C3%BCnchen


Map-Data: Olaf Gulbransson Museum, Kurgarten 5, 83684 Tegernsee
Das 1966 eröffnete Museum wurde 1974 dem Freistaat übereignet und gehört seitdem zu den Zweiggalerien der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen verwaltet die Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. Tegernsee das Museum. Im Jahre 2008 konnte der durch Spenden finanzierte Erweiterungsbau eröffnet werden, in dem nun Sonderausstellungen stattfinden.

2 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Dass er auch mehr kann, als karikiieren, zeigt, dass Kunst sehr vielseitig ist. Wobei ich nicht beurteilen möchte, was die Bezeichnung "Kunst" mehr verdient, halte ich doch Karikuren für ziemlich schwierig. Die Schwelle von witzig zu übertrieben, überzeichnet und getroffen, ist oft ein schmaler Grat.
Ich bewundere solche Talente.
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wize.life-Nutzer
Ja, auch Karikaturist ist ein Künstler, aber seine Möglichkeiten sind begrenzt. Sein Lebenswerk kann Stark und ansprechend sein, wie ein Zeuge seine Zeit.
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