"Odins Wilde Jagd" Nicolai Arbo
"Odins Wilde Jagd" Nicolai ArboFoto-Quelle: gemeinfrei
Rauhnächte..Zwölfte..Glöckelnächte..Innernächte..

Bald geht es wieder los:
Die Rauhnächte kommen; die 12 Nächte, beginnend je nach Region am Thomastag, dem Tag der Wintersonnenwende, bis Neujahr, oder aber von Weihnachten bis hin zum Dreikönigstag.
12 Nächte, die bei der Umstellung vom Mond – auf das Sonnenjahr übrig blieben,
12 Nächte, die in den Mythen der Alten mit allerlei Ängsten besetzt sind.
Die „wilde Jagd“, zottelige pelzbewehrte finstere Gestalten, braust in den Nächten übers Land, angeführt vom „Wode“, den man nicht verärgern darf, weil er sonst böse Rache übt.
Wäsche, in denen sich der wilde Trupp beim Ritt übers Land eventuell verfangen könnte, durfte nicht aufgehängt werden, Haus und Hof wurden in Rauchritualen gereinigt, um die Mächte gnädig zu stimmen, und in Süddeutschland gibt es noch heute die Perchtenläufe.
Wo der Ursprung für die Wilde Jagd kommt?
Vielleicht die Ängste vor den finstersten Tagen und Nächten des Jahres, vor Stürmen und Naturgewalten, Frost und Schnee? Vor ungewohnten und furchteinflößenden Geräuschen in nahen Wäldern, wenn unter Eis- und Schneelast Äste brechen und krachen?

Dagegen muten die übriggebliebenen Rituale unserer so aufgeklärten Zeit nahezu lächerlich an.
Ich kenne noch aus meiner Kinderzeit den Brauch des Domesesels: Der „Domesesel“ war derjenige, der am Domes(=Thomas)tag als letzter die Schule betrat. Der konnte natürlich nur gefunden werden in den Jahren, in denen am 21.12. noch Schule war..
Meine Patentante aus dem Tecklenburger Land sagte uns die Zukunft voraus, indem sie einen Apfel zerschnitt: Waren Kerne dabei beschädigt worden, gab es Streit. Sie kannte auch den Brauch der Rittberg'schen Hochzeit, nach dem es bei ihr zu Hause auf dem Dorf in der Thomasnacht so viel zu essen gab, dass die Tische sich bogen: Wer in der Nacht viel aß, der werde im kommenden Jahr keinen Hunger leiden.
Unser Knecht Ruprecht und die gar nicht so gütige Frau Holle haben ebenfalls ihren finsteren heidnischen Ursprung in der „Wilden Jagd“ oder dem „Wilden Heer“.
.. und wie sollte es auch anders sein: Das Christentum beschlagnahmte die Sagen für sich und dichtete sie dem Teufel an …

In Ungarn gibt es noch heute einen sehr vernünftigen Brauch: Man darf keine offenen Rechnungen mit ins neue Jahr nehmen, deshalb muss bis zum 21.12. alles bezahlt sein, was man an Schulden hatte.
Überhaupt, die Ungarn: Die haben auch eine „Lucia“, genau wie die Schweden. Deren Tag fiel vor der Einführung des gregorianischen Kalenders nicht auf den 13., sondern auf den 21. Dezember. Und die ungarische Lucia ist, ganz anders als die schwedische, eine Hexe, der man dementsprechend begegnen muss: Man schnitzt gemeinsam ab dem 13. Dezember einen Luciastuhl aus 12 verschiedenen Holzarten, der, weil er so kompliziert herzustellen ist, erst am 24.12. fertig ist.
Da die Luciahexen in der Christmette an ihren Hörnern zu erkennen sind – und NUR an ihren Hörnern – , stellt man sich während des Gottesdienstes auf den Stuhl und kann sie so entdecken und enttarnen: Ihre Hörner ragen weit über die Köpfe der christlichen Gemeinde hinaus.
Allerdings muss man dann schauen, dass man wegkommt, denn die Hexen verfolgen den Verräter.
Der hingegen, nicht dumm, streut Samenkörner bei der Flucht und zwingt sie so, innezuhalten, weil sie diese Samenkörner auflesen müssen.
Einmal heil zu Hause angekommen, muss der Geflüchtete dann schnellstens den so mühsam angefertigten Stuhl verbrennen.
(Ob das alles heute noch genau so abläuft, wage ich zu bezweifeln, ich kenne das auch nur vom Hörensagen...)

Von diesen und sicher noch vielen anderen Bräuchen der 12 Tage und Nächte ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Aber eins ist sicher:


Wir sehen die „Wilde Jagd“ nicht mehr, aber, glaubt mir, es gibt sie noch. Bestimmt!

6 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Doch doch, im letzten Jahr habe ich an einer teilgenommen, zwar erst nach Weihnachten aber immerhin, da wir uns durch das üppige und viele Essen den Magen verstimmt hatten, besorgte meine Guste ein Mittel dagegen, gegen Abend fing sie an,




die wilde Jagd zur Toilette..
wize.life-Nutzer
wize.life-Nutzer
Wie immer, ich habs versaut
Ich sehe ihn schon, den Nachtmahr in Gestalt einer unbarmherzigen Lehrkraft, auf meiner Brust sitzend einen Apfel zerteilen.
Umnebelt von Weihrauch betrete ich den Klassenraum und vernehme, so wie jedes Jahr die Rufe...Domesesel....Domesesel...
wize.life-Nutzer
*schallendlach*
Wenn das man nicht irgendwann noch wahr wird --- ich schicke dir herzliche Träume!
wize.life-Nutzer
Und im übrigen:
So schlecht sehe ich doch gar nicht aus! Was du nur immer hast!
wize.life-Nutzer
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