Pieter de Hooch, "Hof eines Delfter Hauses", 1658
Pieter de Hooch, "Hof eines Delfter Hauses", 1658Foto-Quelle: © The National Gallery, London
Kunst verstehen: Malerei des "idyllischen“ niederländischen Städtchens Delft

Über die Weihnachtszeit, dem Jahreswechsel bis hin zu den Hl. Drei Königen überfällt einen oft die Sehnsucht nach einer Idylle - fern weg von Epidemien, Angst und Armut.

Immer wieder ist die Welt idyllisch und es ist schon wirkungsvoll diese Idyllen auf sich wirken zu lassen. Beim Anschauen dieser soll man einfach einen Moment verharren, den Blick in die Weite schweifen lassen und eine Freude, Behaglichkeit und Wärme verspüren - so ist eben eine Idylle für die "Seele“ wie Balsam. … Und wo die Idylle ist, da zählt auch die Heimat und die Romantik ist oftmals da zu Hause.

Und …
es begab sich aber zu der Zeit, als das Goldene Zeitalter der Niederlande, eine kulturelle Blütezeit (Barock) erlebte. Aber ich möchte nicht nur über den weltbekannten Maler Jan Vermeer (van Delft) - dessen Biografie sogar umfangreiche Lücken aufweist und in Delft/Niederlande geboren wurde - berichten. Dafür aber viel spezieller über seinen "Malerkollegen“ Pieter de Hooch. (Selbst wenn Jan Vermeer die Kunstgeschichte mit seinem Super-Gemälde "Die Malkunst“, gemalt 1666 bis 1668, aus dieser niederländischen Kunstepoche beschenkte. Es ist eine fantastische „Allegorie der Kunst“, so wird es jedenfalls kunstgeschichtlich behauptet!)

Eine der führenden Figuren der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts (Delfter Schule mit dem niederländischen Realismus) war der Maler Pieter de Hooch. Er spezialisierte sich auf das bürgerliche Genre (gemalte Abbildungen von Alltagsszenen) mit spannenden Raumfluchten. Und es gibt einen Punkt, an dem sich Jan Vermeer und De Hoochs Kunst überschneiden: beide liebten Innenräume, beide suchten die Beleuchtung mit größter Sorgfalt, beide verwendeten in ihren Kompositionen zahlreiche Vierecke. Pieter de Hooch ging das Problem der Innenmalerei ohne Vorurteile an, er nahm seine Farbe und Beleuchtung, wie er sie empfand. Ein Jan Vermeer erscheint dagegen real, ist aber stilisierter.

… und es geschah …

… in einem kleinen Städtchen in der Nähe Den Haag, das aber einen der ersten Ränge in den holländischen Künsten einnimmt. Die Malerei dieser Stadt besitzt eben einen eigenen Charakter.

Die Betonung der Lokalfarbigkeit mit einer Vorliebe für kühle Blau-Gelb-Akkorde und einer malerischen Gesamtauffassung zeichnen die hier entstandenen Arbeiten aus. Anstelle eines dramatischen "Hell-Dunkel“ ergibt sich oft ein erhellter Bildraum mit einer typisch klassischen Ruhe. Dargestellt wurden Alltagssituationen ohne jegliche Hektik, Übertreibungen, Affekten und Bewegungen.

Pieter de Hooch, der einige Jahre in Delft lebte und malte, war eigentlich noch "traditioneller" als ein Jan Vermeer und gehörte fest zur "Delfter Schule“. Im Gegensatz zu Jan Vermeer betonte Pieter de Hooch oft den "Tiefenraum“ (mittels schachbrettartiger Bodenfliesen und Raumdurchsichten). Eine sehr starke Jan-Vermeer-Ähnlichkeit zeigt aber das heute in Berlin befindliche Motiv "Goldwägerin um 1664“ (Bildergalerie/Bild 2).

Eine Pieter de Hooch Biografie

Am 20. Dezember 1629 wurde Pieter de Hooch in der Reformierten Kirche zu Rotterdam getauft. Er stammte aus einer Familie, die aber keine künstlerische Tradition hatte. Hendrick Hendricksz de Hooch, sein Vater, war Maurer, die Mutter Annetge Pieters, war Hebamme. Pieter de Hooch war das älteste der fünf Kinder, von denen die anderen vier recht früh starben.

Pieter de Hoochs Lehrzeit ist nicht klar zuzuordnen, laut des bedeutende Biograph Arnold Houbraken war er etwa von 1645 bis 1647 gemeinsam mit Jacob Ochtervelt Schüler von Nicolaes Berchem, einem Landschaftsmaler aus Haarlem/Niederlande. Dagegen behauptet ein anderer Biograf: De Hooch habe bei Ludolf de Jongh in Rotterdam gelernt. Diese Möglichkeit scheint durch stilistischen Ähnlichkeiten in De Hoochs Frühwerk wahrscheinlicher. Aber Pieter de Hooch bildete sich unter dem Einfluss von Carel Fabritius und Rembrandt van Rijn weiter fort.

Übrigens: Das berühmteste, bekannteste und oft publizierte Ölgemälde „Der Distelfink“ von Carel Fabritius, 1654 gemalt, ist heute im Besitz des königlichen Museum Mauritshuis in Den Haag. Dieses Bild ist eins von drei, das der Künstler in dem Jahr schuf, als er bei der Explosion des Delfter Pulvermagazins ums Leben kam! (Bildergalerie/Bild 9)

Pieter de Hooch siedelte (genauer Zeitpunkt leider unbekannt) dann nach Delft. Erstmals hier erwähnt wurde er 1652, als er zusammen mit Hendrick van der Burch, Zeuge bei der Eröffnung eines Testaments war. Im Jahre 1655 wurde Pieter de Hooch in die "Delfter Malergilde“ aufgenommen. Van der Burch war Schüler von Pieter de Hooch und wurde sogar dessen Schwager, als de Hooch „Jannetge van der Burch" heiratete.

Ein recht wichtiger Käufer von Maler Pieter de Hooch war Justus de la Grange, ein reicher Kaufmann aus Delft, der 1655 schon mindestens elf seiner Gemälde besaß!

Fünf bzw. sechs Jahre später siedelte Pieter de Hooch nach Amsterdam über. Im Jahre 1661 wurde hier seine Tochter Diewertje getauft, die eines von seinen sieben Kindern war. Trotz reicher Kunden lebte er in seinen ersten Amsterdamer Jahren in einem Armenviertel, erst 1668 zog er in ein besseres Stadtviertel um, er war aber nie vermögend genug, um ein eigenes Haus zu kaufen.

Über die letzten Lebensjahre Pieter de Hoochs ist fast nichts bekannt. Sein Sohn, der auch Pieter de Hooch hieß, war sein Schüler und wurde 1684 aber in das dolhuys (städtisches Irrenhaus) eingeliefert, wo er verstarb und am 24. März 1684 auf dem Sint-Anthonis-Kerkhof, Amsterdam begraben wurde.

Wann Pieter de Hooch der Ältere verstarb, ist nicht bekannt! Jedenfalls datieren seine letzten Werke aus dem Jahr 1684.

Die Bildergalerie:

Pieter de Hooch, "Hof eines Delfter Hauses", 1658
Pieter de Hooch, "Hof eines Delfter Hauses", 1658Foto-Quelle: © The National Gallery, London

Bildergalerie Bild 1/Aufmacherbild - Pieter de Hooch, "Hof eines Delfter Hauses", 1658

Pieter de Hooch, "Die Goldwägerin", um 1664
Pieter de Hooch, "Die Goldwägerin", um 1664Foto-Quelle: © The National Gallery, London

Bildergalerie Bild 2 - Pieter de Hooch, "Die Goldwägerin", um 1664

Pieter de Hooch, "Frau mit Bohnenkorb im Gemüsegärtchen“, um 1660
Pieter de Hooch, "Frau mit Bohnenkorb im Gemüsegärtchen“, um 1660Foto-Quelle: © Kunstmuseum Basel

Bildergalerie Bild 3 - Pieter de Hooch, "Frau mit Bohnenkorb im Gemüsegärtchen“, um 1660

Pieter de Hooch, "Die Mutter“, 1661 bis 1663
Pieter de Hooch, "Die Mutter“, 1661 bis 1663Foto-Quelle: © Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

Bildergalerie Bild 4 - Pieter de Hooch, "Die Mutter“, 1661 bis 1663

Pieter de Hooch, “Frau mit Kind und Dienstmagd“, um 1663/1665,
Pieter de Hooch, “Frau mit Kind und Dienstmagd“, um 1663/1665,Foto-Quelle: © Kunsthistorisches Museum, Wien

Bildergalerie Bild 5 - Pieter de Hooch, “Frau mit Kind und Dienstmagd“, um 1663/1665

Pieter de Hooch, "Der Liebesbote", um 1670
Pieter de Hooch, "Der Liebesbote", um 1670Foto-Quelle: © Kunsthalle Hamburg

Bildergalerie Bild 6 - Pieter de Hooch, "Der Liebesbote", um 1670

Jan Vermeer, "Ansicht von Delft“, 1660/61
Jan Vermeer, "Ansicht von Delft“, 1660/61Foto-Quelle: © Mauritshuis, Den Haag

Bildergalerie Bild 7 - Jan Vermeer, "Ansicht von Delft“, 1660/61

Pieter de Hooch, "Selbstporträt (?)", um 1649
Pieter de Hooch, "Selbstporträt (?)", um 1649Foto-Quelle: © Reichsmuseum, Amsterdam

Bildergalerie Bild 8 - "Selbstporträt Pieter de Hooch (zugeschrieben)", um 1649

Carel Fabritius, "Der Distelfink“, 1654
Carel Fabritius, "Der Distelfink“, 1654Foto-Quelle: © Mauritshuis, Den Haag

Bildergalerie Bild 9 - Carel Fabritius, "Der Distelfink“ (nl. = het puttertje), 1654 - Öl auf Holz, 33,5 mal 22,8 Zentimeter


Links:

(Pieter de Hooch - Lebenslauf)
https://artinwords.de/pieter-de-hooch/

(Goldenes Zeitalter (Niederlande))
https://de.wikipedia.org/wiki/Golden...Niederlande)

(Delft)
https://de.wikipedia.org/wiki/Delft

(Mauritshuis, Den Haag)
https://de.wikipedia.org/wiki/Mauritshuis

(Alte Pinakothek, München 2020 !!!)
https://artinwords.de/muenchen-alte-...lungen-2020


Map-Data:
Alten Pinakothek, - Bild des Pieter de Hooch? - Barer Straße 27, 80333 München. Das Bild "Die lesende Frau“ im Besitz der Alten Pinakothek in München wurde fälschlicherweise Pieter de Hooch zugeordnet. Es stammt inzwischen jedoch von Pieter Janssens Elinga (1623–1682).

10 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Toll gemacht diese Seite , danke
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wize.life-Nutzer
Wie gewohnt sehr informativ und lehrreich.
wize.life-Nutzer
... einfach danke Volker ...
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wize.life-Nutzer
Herzlichen Dank Volker für`s Einstellen und deinen wunderbaren, sehr interessanten Bericht
wize.life-Nutzer
... danke für Deine Belobigung & und schöne liebe Grüße von wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Jan Vermeer und Pieter de Hooch das sind fast gleiche Motive...Finde ich schön und romanitsch..
wize.life-Nutzer
Herzlichen Dank für Deinen Kommentar & alles liebe von Volker
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wize.life-Nutzer
Die Bilder von Pieter de Hooch sind wirklich sehr idyllisch und Seelenschmeichelnd.....
Schöner Bericht von Dir!
wize.life-Nutzer
Dein Lob freut mich ganz besonders, so kann es 2022 weitergehen ... - sei umarmt !!!
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